Wunstorf soll neue Jugendpsychiatrie bekommen

Das Klinikum Region Hannover reagiert auf die wachsenden Fallzahlen in der psychiatrischen Behandlung von Jugendlichen und Kindern. In Wunstorf soll der Bereich Jugendpsychiatrie daher nun mit einem Neubau umfassend modernisiert werden.

Friederike Schuhmacher (Projektbüro), Johannes Brack und Chefärztin Anette Redslob (v. l.) zeigen die Ansicht des geplanten Klinikneubaus in Wunstorf | Foto: KRH Region Hannover

Der Bedarf an stationären und tagesklinischen Behandlungsplätzen für Kinder und Jugendliche ist groß. In den zurückliegenden Jahren gab es immer wieder Phasen, in denen die Kinder- und Jugendpsychiatrie der Psychiatrie Wunstorf Patienten über der eigentlichen Planzahl von 30 stationären Betten aufnehmen musste. Gerade in solchen Phasen kommt erschwerend hinzu, dass nicht alle Bereiche der Stationen und der Behandlungs-, Aufenthalts- und Therapieräume, aufgrund des baulichen Zustandes, den aktuellen Bedürfnissen der Patienten in allen Facetten gerecht werden und eine angenehme Atmosphäre bieten können.

Info: KRH Psychiatrie Wunstorf
Die KRH Psychiatrie Wunstorf ist zuständig für die stationäre und teilstationäre psychiatrische Versorgung von etwa 700.000 Menschen im Nordosten der Stadt Hannover und der Region Hannover bis hin zu den Landkreisen Schaumburg und Nienburg. Das gleiche Einzugsgebiet hat auch die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie.

Diesem sich verändernden Versorgungsbedarf will und muss das Klinikum Region Hannover gerecht werden. Es ist daher geplant, die Stationsgebäude der Kinder- und Jugendpsychiatrie, die aus den 1910er und 1930er Jahren stammen, nach und nach zu ersetzen. Andere Klinikbereiche sollen ebenfalls ertüchtigt und saniert werden. Hierfür ist ein Ausweichquartier jedoch unabdingbar, da derartige Maßnahmen nicht im laufenden Betrieb umgesetzt werden können. Leere Stationen sind am Standort Wunstorf jedoch nicht vorhanden“, verdeutlicht Johannes Brack, kaufmännischer Direktor der KRH Psychiatrie GmbH, die aktuelle Situation.

Planungen für eine freundliche, lichtdurchflutete Station stehen

Bereits seit zwei Jahren koordiniert das Projektbüro Krankenhausneubau beim Klinikum Region Hannover die Planungen für das Gebäude mit zwei Stationen. Der Entwurf steht und es ist klar, dass auf dem Gelände der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Bereich der Gustav-Kohne-Straße gebaut werden kann. „Bei unseren Planungen haben wir die besonderen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen berücksichtigt“, erklärt Anette Redslob, Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. „Dies erkennen Sie beispielsweise an großzügigen, freundlich gestalteten und lichtdurchfluteten Räumlichkeiten, die jedoch auch besondere Schutz- und Sicherungsaspekte beinhalten.“

Der geplante Neubau wird zwei Etagen und eine Tiefparterre haben und insgesamt über etwa 2.800 Quadratmeter verfügen. „Wir würden gerne früher als später mit dem Bau beginnen“, erklärt Direktor Brack. „Doch im Moment haben wir lediglich eine Rückmeldung über den Abschluss der baufachlichen Prüfung unseres Förderantrags. Die verbindliche Zusage für eine Förderung durch das Land Niedersachsen liegt noch nicht vor. Solange wir keinen Bewilligungsbescheid haben, können wir mit dem Bau leider noch nicht anfangen. Wir rechnen derzeit mit Baukosten von ca. 8,3 Millionen Euro.“

Berührungsängste nehmen ab

„Wir behandeln Kinder und Jugendliche aus dem gesamten Spektrum kinder- und jugendpsychiatrischer Krankheitsbilder“, verdeutlicht Redslob. „Konkret bedeutet dies, dass wir Kinder und Jugendliche stationär und teilstationär therapieren, die an einer Depression leiden, eine bipolare Störung haben oder auch Familien, in denen pubertäre Entwicklungsschübe zu massiven Beeinträchtigungen des Lebensalltags führen.“ In den vergangenen Jahren, so bemerkt es auch die Wunstorfer Chefärztin, ist eine zunehmende Entstigmatisierung des Themas in der Gesellschaft zu bemerken.

„Wir stellen fest, dass unsere Patienten und deren Eltern und Angehörige erfreulicherweise immer weniger Berührungsängste haben, wenn sie zu uns kommen.“ Anette Redslob, Chefärztin

Einem stationären Aufenthalt gehen häufig jahrelange ambulante Behandlung oder Versuche voraus, schwierige Situationen im Familienverband zu lösen und zu überbrücken. Auch sich akut entwickelnde psychiatrische Störungen oder Krisen können zu einem Aufenthalt führen. Das reicht von z.B. Angststörungen, depressiven Störungen, Störungen im Sozialverhalten bis hin zu Wutausbrüchen bei Drogenproblematiken, akuten suizidalen Krisen oder auch manischen Phasen von Jugendlichen mit bipolaren Störungen, die ihre Grenzen nicht mehr wahrnehmen können und dabei sich selbst und auch andere gefährden können.

„Die Familien stecken häufig in einer sehr großen emotionellen Notsituation. Wir sehen uns hier in der Pflicht, schnell und unkompliziert für ein Behandlungsangebot und gegebenenfalls für eine akute stationäre Aufnahme zu sorgen, damit die Betroffenen bald aus einer Abwärtsspirale in eine Phase der Stabilisierung oder auch Heilung kommen können“, fasst Redslob den Behandlungsansatz zusammen. Dabei hilft manchmal schon der räumliche Abstand aus dem gewohnten Umfeld. Hinzu kommen vielfältige Therapieangebote und Gesprächsangebote für die Kinder- und Jugendlichen sowie auch Gespräche mit den Eltern bzw. der Familie. „Bei manchen Störungsbildern ist es auch notwendig, in Absprache mit den Patienten und den Eltern Medikamente kontrolliert einzusetzen.“ In der Ambulanz werden Familien auch langfristig regelmäßig betreut. Es gibt Erkrankungen, die immer wieder stationäre Aufenthalte notwendig machen.

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