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Ende der Zusammenarbeit: Obladen tritt als stellvertretende Steinhuder Ortsbürgermeisterin zurück

24.08.2022 • Redaktion • Aufrufe: 1559

Kerstin Obladen (FDP) tritt als stellvertretende Ortsbürgermeisterin von Steinhude zurück. Die Entscheidung ist auch Ausdruck der grundsätzlichen Unzufriedenheit mit der politischen Arbeitsebene in der Stadt.

24.08.2022
Redaktion
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Die Zusammenarbeit von Christiane Schweer (li) und Kerstin Obladen im Steinhuder Ortsrat endet (Archiv) | Foto: privat, Visualisierung: Auepost

Steinhude (red). Die Unzufriedenheit Kerstin Obladens mit der Wunstorfer Orts- und Kommunalpolitik war in der jüngsten Zeit gestiegen: Als Neuling im Stadtrat – Obladen hatte zur vergangenen Kommunalwahl im Herbst 2021 ein Mandat für die FDP errungen – war die Steinhuderin seitdem immer wieder mit kritischen Fragen aufgefallen, Vorlagen von der Verwaltung waren genau hinterfragt worden. Sie stimmte oftmals gegen breite Mehrheiten oder gab keine Zustimmung.

Für Obladen hatte sich dabei oft der Eindruck ergeben, nicht nur von den Verwaltungsvertretern, sondern auch von den Ratskollegen abgebügelt zu werden. Im Gespräch mit der Auepost äußerte sie ihre Einschätzung, dass im Rat zu große Geschlossenheit herrsche, eine kritische Diskussion oft gar nicht stattfände und weitreichende Entscheidungen einfach abgenickt würden. „Alle haben sich lieb“, brachte Obladen ihre Position auf den Punkt. Bei persönlichen politischen Anliegen vermisste sie gleichsam die Rückendeckung von Parteikollegen und Partnern.

Ein „zahmer“ Stadtrat?

Ein Ausschlag für Obladens Unmut war zuletzt etwa die Reaktion auf ihre Infragestellung von Zuwendungen der Stadt für den in kirchlicher Trägerschaft befindlichen Kindergarten St. Johannes in der Kernstadt gewesen: Der Stadtrat hatte im Juli einen Baukostenzuschuss in Höhe von rund 357.000 Euro beschlossen, die Stadt beteiligte sich damit hälftig an den Reparaturkosten für einen in den Vorjahren aufgetretenen Wasserschaden. Obladen sah darin eine Ungleichbehandlung gegenüber städtischen Kitas, bei denen derartige Summen für Reparaturen und Sanierungen nicht so schnell aufgebracht würden. Obladen merkte im Stadtrat an, dass der Anspruch womöglich verjährt sei, drang mit diesem Einwand jedoch nicht durch. Verjährung spiele im Rahmen von Zuschüssen keine Rolle, so die Auskunft der Verwaltung. Eine Antwort, ob andere Einrichtungen deswegen auf finanzielle Zuschüsse verzichten müssten, erhielt Obladen nicht.

Schweer sieht konstruktive Arbeit

Steinhudes Ortsbürgermeisterin Christiane Schweer (CDU) bedauerte in einer Stellungnahme den Rücktritt von Obladen. „Der Blick bleibt dennoch nach vorn gerichtet und wir werden seitens der CDU jetzt Gespräche mit den anderen Parteien aufnehmen, um die Position der stv. Ortsbürgermeisterin bzw. des stv. Ortsbürgermeisters wieder zu besetzen“, teilte Schweer weiter mit. Eine politische Krise in Steinhude wird deshalb nicht gesehen: Die politische Arbeit sei ohnehin auf möglichst einstimmige Beschlüsse ausgerichtet, so dass die konstruktive Arbeit im Ortsrat reibungslos weiterginge, betonte Schweer die grundsätzliche Einigkeit im Ortsgremium.

Als kritische Stimme wird Obladen auch nach ihrem Rücktritt als stellvertretende Ortsbürgermeistern weiter in Rat und Ortsrat aktiv sein: Ihre Mandate werde sie behalten, kündigte die Politikerin an.

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Kommentare


  • G. Taro sagt:

    Ein erfrischendes Statement für den demokratischen Diskurs – Chapeau! Leider werfen Beschreibung und Analyse darüber, wie in Wunstorf Entscheidungen zustandekommen, kein gutes Bild auf die im Rat vertretenen Parteien bzw. Ratsmitglieder. Man ist saturiert und selbstgefällig und richtet den Blick nach vorn, auch wenn der Stert schon lichterloh brennt. Auch geistige Trägheit zählt zu den Todsünden.

  • Birgit sagt:

    Beim Lesen taucht zweifelsohne der Gedanke auf, dass ein wenig frischer Wind, unverblümt gesagt, aus anderer Richtung als der Alteingesessenen kommend, gut tun würde. Jeder kennt jeden, der Habitus scheint gleich, Neuerungen gibt es keine, es bleibt alles beim Alten. Und wenn sind es Bagatellen, die unbedingt bereinigt werden können. Wichtige Themen liegen außen vor und werden nicht gerne angepackt. Man müsste dazu ja auch den bequemen Sessel verlassen.

    • Frau O. sagt:

      Einen „frischen“ Wind kann man/Frau wirklich nicht feststellen. Aber ein „anderer und sauberer Wind“ wäre sicherlich für die Bürger besser. Ein „weiter so“ sollte es deshalb nicht geben. So wird die Unzufriedenheit der Bürger und leider auch die Bequemlichkeit der Ratsmitglieder immer größer.

  • Georg Braunroth CDU Butteramt sagt:

    Der Rücktritt von Fr. Obladen war Übereilt und nicht nötig. Wie in Steinhude oder der Wunstorfer Kernstadt ist es auch überall anderswo sehr schwierig gegen einen eingefahrenen ,geschlossenen Rat anzutreten. Auch mit besten Ideen und Vorschlägen braucht es immer eine gewisse Zeit ,bis man etwas ins Rollen bringt. Das ist bekannt und jeder der in solche Aufgaben einsteigt muß viel Zeit mitbringen und Ablehnungen und Abwertungen in Kauf nehmen Wenn man seine Ziele entsprechend begründen kann und diese immer wieder vorbringt ,finden sich auch Mitstreiter.

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