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Große Einigkeit: Stadtrat beschließt den Hallenbad-Umbau trotz mancher Unsicherheiten

07.07.2022 • Daniel Schneider • Aufrufe: 1397

Das Hallenbad erweitern oder es abreißen/verkaufen und etwas ganz Neues ganz woanders bauen? In der Stadtratssitzung am Mittwoch nahm das Thema Hallenbad erwartungsgemäß den meisten Platz ein, doch die Meinungen deckten sich von der AfD bis zu den Grünen. Nur ein CDU-Ratsherr legte den Finger in die Wunde …

07.07.2022
Daniel Schneider
Aufrufe: 1397
Skizzierung des neuen Elements mit offenem Dach | Bild: Stadt Wunstorf

Wunstorf (ds). Obwohl das Thema für die kommenden Jahre durchaus noch einiges an Konfliktpotential beinhaltet, einen großen Schritt für die Stadt bedeutet, vor allem im Süden der Kernstadt weitreichende Auswirkungen haben wird und viele gute, aber gegensätzliche Positionen darin stecken, war sich der Rat der Stadt über die Parteigrenzen hinweg am Mittwochabend dann doch erstaunlich einig: Bei nur einer Gegenstimme und einer Enthaltung wurde für die Pläne gestimmt, das „Wunstorf Elements“ in den nächsten Jahren für zunächst anvisierte 38 Millionen Euro vom Sportbad zum Auch-Freizeitbad umzubauen.

Kurz gesagt bedeutet das: Jahrelange Bauarbeiten, um das Wunstorfer Hallenbad weitreichend zu modernisieren und zu ergänzen: Das einstige reine Sportbad soll danach auch im Umlandvergleich für Freizeitschwimmer wieder konkurrenzfähig sein, mit großem Nichtschwimmerbereich, Variobecken, Wasserlandschaften und weiterhin vorgehaltenem 50-Meter-Becken für Sportler. Von den geplanten Dimensionen her könnte fast von einem Neubau gesprochen werden. Ein solcher war auch ernsthaft diskutiert, aber in den Fraktionen verworfen worden: Die Investitionen, die bislang schon ins Elements geflossen sind, fallen zu hoch aus und wären dann „verloren“, außerdem hätte für einen Neubau nicht nur ein neuer Standort gefunden, sondern insgesamt ganz neu geplant werden müssen – bei vergleichbaren Kosten, aber einer ganz anderen zeitlichen Dimension, die eine Realisierung deutlich länger hätte werden lassen als die nun angepeilten 3 bis 5 Jahre. Außerdem soll an der Ursprungsidee der Konzentration und Stärkung des Standortes Barne-Sportzentrum festgehalten werden.

40.000 Besucher mehr anvisiert

Die Besucherzahlen sollen deutlich steigen: von 100.000 im Jahr auf 140.000. Heruntergebrochen auf den Tag hieße das: Statt derzeit rechnerisch im Schnitt 278 Besucher pro Tag wären es künftig 389 Besucher, die sich auf den Weg zum Wunstorf Elements machen. Damit diese sich nicht in der jetzt schon als Engstelle bekannten Barnestraße festfahren, muss sich die Politik im Weiteren auch noch Gedanken machen, wie die Besucher künftig überhaupt das Bad erreichen sollen: Über die weitere Öffnung der Zufahrt über den Hanisch-Kreisel, eine „Räumung“ der Barnestraße von Anwohnerparkverkehr bis hin zur Ausweisung des Düendorfer Wegs als Anfahrtstrecke wären mehrere Möglichkeiten denkbar.

Wortmeldungen gab es in der Stadtratssitzung am Mittwochabend zum entsprechenden Tagesordnungspunkt viele, inhaltlich unterschieden sie sich jedoch kaum: Die Vorteile und Notwendigkeit der Hallenbaderweiterung wurden hervorgehoben, die Risiken und Nachteile eher ausgeklammert. Unter den Zuhörern in der Aula der Otto-Hahn-Schule saßen dabei auch die Geschäftsführer der Bäderbetriebe, Christoph van Bebber und Andreas Saars.

Wunstorf soll zur Konkurrenz aufschließen

Bürgermeister Carsten Piellusch (SPD) skizzierte die Alternativen, die zur Wahl gestanden hatten: Neben der Möglichkeit, gar nichts zu tun und das Bad irgendwann schließen zu müssen, wären reine Instandsetzungsmaßnahmen am jetzt existierenden Bad infrage gekommen: Auch dafür wären jedoch allein 15 bis 20 Millionen Euro Kosten angefallen, so der Bürgermeister. Daher wolle man es nun gleich „richtig“ machen und die Erweiterungen vornehmen für eine Attraktivitätssteigerung des Bades. Eine weitere Möglichkeit, ein vollständiger Neubau, wäre nicht billiger geworden, sondern würde nur länger dauern. Wenn Bokeloh einmal wegfalle, solle Wunstorf nicht ohne attraktives Bad dastehen. Attraktive Bäder gebe es bereits im Umkreis, und „dahinter sollten wir nicht zurückfallen“, so Piellusch.

Die Investitionssumme sticht gerade im direkten Vergleich heraus (das Neustädter Balneon etwa wurde vor vier Jahren als Neubau für nur rund 20 Millionen Euro errichtet), das ist auch den Kommunalpolitikern bewusst. Karl-Peter Philipps (CDU) meinte, dass die 38 Millionen „allen sehr im Magen gelegen“ hätten und sprach vom „sauren Apfel“, Martin Ehlerding (SPD) titulierte die Pläne als „dicken Brocken“, es sei die herausragende Entscheidung dieser Wahlperiode.

„Spaßbad an Spaßbad bringt uns auch nicht weiter“

SPD-Fraktionschef Martin Ehlerding

Ehlerding betonte die Pro-Argumente: Für das Freizeitvergnügen würde man z. B. ins AquaLaatzium oder ins Balneon fahren, nicht nach Wunstorf. Beim Wunstorf Elements könnte man nun beides erreichen: Sowohl ein Angebot für Kinder und Familien als auch für den schlichten Schwimmer auf der geraden Bahn. Ein weiteres Freizeitbad nach ähnlichem Muster wie im Umland sollte es dabei jedoch ausdrücklich nicht werden: „Spaßbad an Spaßbad bringt uns auch nicht weiter“, brachte Ehlerding die gewünschte Ausrichtung des künftigen Hallenbades auf den Punkt. Die 50-Meter-Bahn wolle man daher unbedingt erhalten, die nächste gebe es erst wieder in Hannover. Neubau und Investition in das bestehende Hallenbad seien zudem gleichwertig, man müsse so oder so „investieren zum Erhalt in unsere Einrichtungen“.

Grüne und CDU mit Autovergleichen

Christiane Schweer (CDU) sah die Investitionen ins Schwimmbad vor allem als Investition in die Kinder, damit diese hier schwimmen lernen könnten und „fürs Leben gewappnet“ seien. Nicolas Lehrke formulierte für die AfD, dass man dem Antrag ebenfalls zustimmen würde, damit Familien in Wunstorf etwas geboten werde – gerade diejenigen, die in Zeiten der Inflation am Urlaub sparten, würden sonst benachteiligt werden. Es sei „wichtig, dass Familien vernünftig ihre Freizeit verbringen können“. Auch Anne Dalig (Grüne) erklärte die Zustimmung ihrer Fraktion mit dem Bekenntnis zu den schon lange verfolgten Plänen zum bestehenden Elements: „Wer A sagt, muss auch B sagen“ – und brachte in Anspielung auf die 38 Millionen Investitionssumme zum Amüsement auch der eigenen Fraktion ausgerechnet einen Autovergleich: Auch sie wolle „lieber für 1 Euro tanken“, doch das sei eben unrealistisch. 15 Millionen wären ihr auch lieber gewesen, aber es koste eben 38 Millionen. Dalig wies aber auch auf die Belastung der Anwohner hin: Ein Baustellenverkehr in den kommenden Jahren über die Barnestraße, das ginge keinesfalls.

Uebelmann mit klarem Contra

Heftige Kritik kam von unerwarteter Seite. Den Finger in die Wunde legte Jörg Uebelmann aus den Reihen der CDU: Er werde nicht zustimmen, sagte er deutlich, und begründete seine Entscheidung vor allem mit den Risiken, die bei Investitionen in ein altes Objekt bestünden: Rund 40 Millionen Euro in eine 40 Jahre alte Immobilie zu stecken sei nicht sinnvoll, da man nicht wisse, welche Schwierigkeiten während eines Umbaus noch auftreten könnten. Es könne passieren, dass man das Bad über die Jahre mit weiteren Millionenbeträgen füttere, es am Ende aber doch geschlossen werden müsse – man könne Altbauten nicht endlos am Leben erhalten. Auch Uebelmann bemühte einen Autovergleich: Es sei wie bei PKWs: „Irgendwann geht nichts mehr“. Seine Präferenz: „Lieber einmal auf der Wiese neu bauen“, dies brächte keine Sanierungs-Folgekosten mit sich.

40 Millionen Euro seien auch „nicht das Ende der Fahnenstange“, prognostizierte der CDU-Politiker eine zu erwartende Kostensteigerung vor allem bei auftauchenden versteckten Mängeln in der Altbausubstanz. Zudem sei die jetzige Örtlichkeit in der Barne „überhaupt nicht mehr passend“, die Barnestraße sei viel zu schmal. Uebelmann hätte einen Standort am Ortsausgang Wunstorf Richtung Bokeloh und Steinhude bevorzugt – dies hätte den Vorteil gehabt, auch die touristische Klientel stärker ansprechen zu können. Auch der ehemalige Expo-Parkplatz am Bahnhof wäre eine „super Anbindung“ gewesen, zumal die Fläche bereits im Besitz der Stadt sei.

Spielplatz ohne Gasanschluss

Uebelmann machte zudem auf die aktuellen Auswirkungen der Gaskrise aufmerksam: Die Versorgung in den nächsten 3 bis 5 Jahren sei nicht gesichert, und im Winter werde das Gas wohl zuerst am Schwimmbad abgeschaltet. Sogar für die Nachnutzung des jetzigen Hallenbades hatte Uebelmann einen Vorschlag: Eine Umwandlung zum Indoor-Spielplatz, da ohnehin bereits eine Gastronomie vorhanden sei. So ein Objekt ließe sich durchaus an einen privaten Investor verkaufen. Auch einen Seitenhieb auf die unternehmerische Ausrichtung der städtischen Bäderbetriebe gab es vonseiten des Politikers: „Ich verstehe nicht, wieso die Stadt sich eine Saunalandschaft leistet.“ So etwas gehöre nach seiner Ansicht nicht zu den Aufgaben einer Kommune, sondern in die Privatwirtschaft.

„Ich verstehe nicht, wieso die Stadt sich eine Saunalandschaft leistet.“

Jörg Uebelmann, CDU

Der Antrag Uebelmanns, die Abstimmung zur Investition in den Elements-Umbau schriftlich mit Namensnennung durchzuführen, wurde vom übrigen Rat abgeschmettert. Die Ratsmitglieder votierten schließlich per Handzeichen klar pro Hallenbad-Erweiterung: Bei einer Gegenstimme (Jörg Uebelmann, CDU) und einer Enthaltung (Kerstin Obladen, FDP), wurde der Weg freigemacht für das künftige vergrößerte Wunstorf Elements.

von Daniel Schneider
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Kommentare


  • Lydia Bertani sagt:

    Butter bei die Fische: Im Prinzip will man es unter dem Deckmäntelchen einer „Erweiterung“ schlicht kaltstellen…..
    Prima Trick, um die Allgemeinheit von des Pudel Kern abzulenken.
    Von den knapp 40 Millionen sind mittlerweile schon knapp 2 Millionen verdunstet….Wahrscheinlich für das hilflose digitale Modellbild im 90er Jahre Stil….das hat wohl jemand auf dem Atari ST zusammengeklöppelt?

    Der Rest steht in den Kommentaren hier:
    https://www.auepost.de/stadtgespraech/auf-dem-weg-zum-multifunktionsbad-das-wunstorf-elements-wird-stark-vergroessert-und-modernisiert-59140/

  • Kerstin Obladen sagt:

    Liebe Bürger, ich habe mich enthalten, weil es meines Erachtens keinen Sinn macht, dort das Schwimmbad zu erweitern. (ich beziehe mich auf das Statement von Herrn Uebelmann). Auch die Sauna machte für mich damals keinen Sinn, da es eine Sauna bereits in Wunstorf gibt. Das Geld wäre für Bildung und für die Sanierung/Renovierung der Schulen und Sportvereine etc. besser investiert. Außerdem haben wir das Freibad in Bokeloh – hoffentlich noch viele Jahre !!! Es muss nicht erst darauf gewartet werden, dass alles zusammenfällt, sondern es könnten die Reparaturen zeitnah ausgeführt werden!

    • Lydia Bertani sagt:

      Liebe Kerstin Oblaten,
      da Sie nach am Geschehen sind; ist im derzeit beschlossenem Konzept eine parallele Nutzung des Bades innerhalb der genannten Bauzeit von 3-5 Jahren möglich oder bedeutet dies, so wie stark vermutet, dass das Bad dann schlicht erst einmal weg ist?
      Intensive Beobachtungen der letzten Dekaden haben eben die Erfahrungswerte mit sich gebracht, dass eine angebliche Sanierung oft nur ein Vorwand ist, Als Erstes werden die teuren, lebenswichtigen Komponenten eines solchen Objektes irreversibel zerstört, so dass es kein Zurück gibt. Dann finden sich nach üblichem Strickmuster ganz überraschend bauliche Mängel, die den Kostenrahmen angeblich explodieren lassen, so dass das Vorhaben begraben wird. Im Grunde wurde dieses Konzept doch schon eitel angekündigt (40 Millionen in ein 40 Jahre altes Objekt, bei dem man nicht weiss…)
      Ist es beim mittlerweile zugeschütteten Freibad an der Amtsstraße nicht analog abgelaufen? Angebliche Undichtigkeiten des Beckens hätten eine Sanierung unmöglich gemacht, obwohl nach Stilllegung das Wasser in keiner Weise verschwand, so dass die angeblichen Undichtigkeiten nur ein Trick waren?
      Schauen wir auf Tatsachen: Hat es Wunstorf so dicke, dass man mal eben 38 Millionen für eine Verbesserung in die Hand nimmt oder hat man nicht schon aus Geldmangel das Freibad geschlossen?
      Ich unke: Hier will man auf geschickte politische Art & Weise eine Lösung anstreben, die den Akteueren die Wegnahme am leichtesten macht, ohne dabei als Buhmann dazustehen und der Bürger zähneknirschend andere Gründe für den Verlust akzeptiert.
      Alternativ: Wenn dieses Gremium schlicht beschließen würde, das Hallenbad stillzulegen: Dann wäre ja was los! Das gilt es wegzuschminken. Solange ich annehmen muss, dass keine Nutzung während der Bauphase von bis zu 5 Jahren möglich ist, ist es auf jeden Fall schon mal geschlossen und „Grüne Ziele“ der CO2 Einsparung sind schon einmal gesichert.

      • Kerstin Obladen sagt:

        …gern können wir uns austauschen, aber nicht hierüber Meine Telefonnummer ist 05033/9808385. Hinterlassen Sie eine Nachricht und Ihre Nummer auf Band, falls ich nicht da bin. LG Kerstin Obladen

  • Lydia Bertani sagt:

    Hier wird man konkreter. man muss nur Eins & Eins zusammenzählen….

    „In der Generalversammlung wird diskutiert, wie sich Klimawandel, Energiekostensteigerung und allgemeine Personalknappheit auf das Naturerlebnisbad auswirken.“

    https://www.auepost.de/stadtgespraech/kurzmeldung/volles-programm-im-naturerlebnisbad-59970/

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