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Sackmangel: Nachfrage an gelben Wertstoffrollen übersteigt weiterhin das Angebot

29.04.2022 • Daniel Schneider • Aufrufe: 1382

Wunstorfs ehemaliger Bürgermeister kämpft nun in der Region für bessere Gelbe-Säcke-Versorgung. Der neue Wertstoffentsorger im Regions-Umland sagt jedoch, dass genügend Säcke vorhanden wären – wenn die Verbraucher nicht hamstern und zweckentfremden würden.

29.04.2022
Daniel Schneider
Aufrufe: 1382
Gelbe Tonne für Wertstoffe (Symbolbild) | Foto: Daniel Schneider

Region (ds). Nicht nur Mehl und Sonnenblumenöl sind aktuell knapp: Auch gelbe Säcke sind zum raren Gut geworden. Wunstorfs ehemaliger Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt macht in der Region nun Druck wegen der fortdauernden Beschwerden über fehlende gelbe Tüten im Handel.

Zum Jahresanfang war die Abfuhr von Verpackungswertstoff in der Region – ausgenommen das Stadtgebiet von Hannover – von einem neuen Entsorger übernommen worden. Statt Remondis fährt seitdem die RMG GmbH die Kunststoffverpackungen des dualen Systems ab. Nun scheint es nach anfänglichen logistischen Startschwierigkeiten bei der Müllabfuhr seit Wochen auch bei der Bereitstellung von gelben Säcken, welche bisher an vielen Stellen wie etwa Drogerien und Supermärkten zu finden waren, Probleme zu geben.

Weniger Verteilstellen

Im Handel ist zu hören, dass sich die Verteilung derzeit auf die größeren Ausgabestellen fokussiert und z. B. kleinere Supermärkte gar nicht mehr mit gelben Säcken beliefert werden. Mitarbeiter können bei der Frage nach den Wertstoffbeuteln nur mit den Schultern zucken.

Tatsächlich listet die offizielle Seite des Versorgers für die gesamte Stadt derzeit nur noch 11 Verteilstellen auf, auf die Kernstadt entfallen davon vier: Marktkauf, Edeka Kappe, Rossmann in der Langen Straße, Rewe). Außerdem ist auch der aha-Wertstoffhof in Kolenfeld weiterhin Ausgabestelle.

Eberhardt berichtet, dass ihm Vergleichbares auch aus den übrigen Umlandkommunen gemeldet wurde – es herrsche seit Wochen Rollenmangel in den Läden. Im Februar sei vom RMG-Geschäftsführer im Fachausschuss Abhilfe versprochen worden – bisher sei jedoch keine Besserung eingetreten. Auf erneute Kontaktaufnahme seitens Eberhardt, der als Regionsabgeordneter fast täglich weitere Beschwerden erhalte, sei nicht mehr reagiert worden. Daher läuft nun eine Anfrage der CDU-FDP-Gruppe in der Regionsversammlung an den Regionspräsidenten, die klären soll, inwiefern die ausreichende Zurverfügungstellung von gelben Säcken geregelt ist und ob der Entsorger hier womöglich vertragliche Pflichten verletzt.

Bürgermeister auf Solarladebank
Regionsabgeordneter Eberhardt will Antworten (Archiv) | Foto: Daniel Schneider

Die Gruppe möchte ebenso wissen, wie die Region das Problem in den Griff bekommen will, so dass in Zukunft wieder genügend Rollen an den Verteilstellen zur Verfügung stehen – denn es besteht die Befürchtung, dass zwischenzeitlich Wertstoffe nicht mehr gesammelt, sondern mit dem Hausmüll entsorgt werden.

Hamstern hält das Problem aufrecht

Die RMG GmbH räumt die zurückliegenden Schwierigkeiten gegenüber der Wunstorfer Auepost ein – es sei erst kürzlich gelungen, „einige Missstände bezüglich der Gelben Säcke zu beheben“. Die Verteilerstellen würden jetzt aber zielgenau versorgt, wenn rechtzeitig nachbestellt werde. Aktuell würden die Läden einmal pro Woche beliefert. Mit gelben Säcken „geflutet“ werden die Verteilstellen allerdings nicht, eine ausgewogene Belieferung ist durchaus beabsichtigt: es soll verhindert werden, dass die Wertstoffsäcke als kostenlose Haushaltsmülltüten zweckentfremdet werden. Die Rollenanzahl wird daher knapp kalkuliert.

(…) sehen wir uns nicht in der Lage, diese massiven Zweckentfremdungen und Hortungen zu finanzieren

RMG GmbH

RMG teilte der Auepost mit, dass inzwischen Rollen auch über die eigentlich vorgesehenen Stückzahlen hinaus an die Läden geliefert werden – doch es scheint immer noch nicht zu reichen. Das erklärt sich die Wertstofffirma mit dem Hamstern von Rollen: Der Effekt, der auch für leere Mehl- und Nudelregale sorgt, findet offenbar auch seine Entsprechung bei den gelben Säcken.

Das Unternehmen selbst sieht sich machtlos und letztlich in der Zwickmühle: „Sofern sich die Bürger nicht mit mehr Eigenverantwortung verpflichtet sehen und es kein einheitliches System der kontrollierten Vergabe in Deutschland gibt, sehen wir uns nicht in der Lage, diese massiven Zweckentfremdungen und Hortungen zu finanzieren. Unsere Bereitstellung der Gelben Säcke für die Region Hannover ist anhand der Kalkulation mehr als nur ausreichend und vom Vertragsgeber bestätigt.“

Auch normale transparente Mülltüten sind erlaubt

Irritierend kann dabei wirken, dass RMG in Form einer Anzeige auch auf die Möglichkeit des direkten Bestellens von Wertstoffsäcken verweist – allerdings kostenpflichtig: Zu den Versandkosten von 5,95 Euro fallen z. B rund 64,74 Euro für einen Karton mit 70 Rollen der typischen Säcke an, die es bei den Geschäften kostenlos gibt. Das entspricht einer „Schutzgebühr“ von 0,92 Cent pro Rolle zu 13 Säcken.

Zu dieser Alternative muss jedoch niemand greifen, wenn er im Handel keine kostenlosen Wertstoffsäcke erhalten konnte, denn das Bestellen von Säcken ist für Verbraucher eigentlich nicht gedacht: RMG teilte mit, dass aktuell wegen des Mangels an offiziellen Tüten auch normale transparente Müllbeutel zur Bereitstellung von Wertstoffen genutzt werden können – diese würden am Abfuhrtag dann ebenfalls mitgenommen.

von Daniel Schneider
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Kommentare


  • Birgit sagt:

    Irritierend und ungerecht
    Vier Verteilerstellen für alle Ortsteile Wunstorfs in Sachen Gelbe Säcke einzuräumen, ist ungerecht gegenüber den Bürgern, die mal eben nicht die Möglichkeit besitzen, mal eben so nach Wunstorf zu kommen und sich diese zu beschaffen, siehe hier Rentner, Autolose und Behinderte. Wenn jetzt die Antwort kommt, dass diese doch mit dem Bus nach Wunstorf gelangen sollen, um das gelbe Plastigut zu kaufen, kann man rotsehen, jawohl. Es ist irritierend, dass über viele Jahre die Firma AHA (auf Nachfrage von der Stadt Wunstorf abgelehnt wegen höherer Kosten) der pünktlichen Müllabfuhr und Bereitstellung der Plastiksäcke Folge leistete. In in Steinhude kann man von unpünktlicher Sackabfuhr Bände sprechen lassen, korrekte Terminänderungen waren letztlich nur in der HAZ angegeben (Ostern). Nun, jeder liest die eben nicht. So lagen Säcke lange herum, bis ihre „Besitzer“ sich schließlich erbarmten und die nicht abgeholten Behältnisse wohl zurück zum Haus trugen … ! Wenn nicht genügend Säcke zu erhalten sind, wird sich ein neues Müllproblem ergeben, wahrscheinlich wieder zu Lasten der ohnehin schon gebeutelten Umwelt. Hier ist Sparen am falschen Ort ja wohl die Quintessenz des Dilemmas. Schade.

  • Tom Netzwerker sagt:

    Wenn ich sehe, was alles in Plastik eingepackt wird, dann Frage ich mich, ob hier nicht schon der Ansatz der Problemlösung ist. Geschäfte, die unverpackte Waren anbieten verzeichnen einen Umsatzrückgang. Wir kann das sein bei einem angeblichen gesteigerten Umweltbewusstsein?

  • Birgit sagt:

    Ein gesteigertes Umweltbewusstsein scheint bei vielen, dem Klimawandel anscheinend mit Ignoranz entgegentehenden Menschen nicht angekommen zu sein oder aber unter dem Deckmäntelchen „Wir leben umweltbewusst, weil wir Müll trennen“ zu verschwinden. Glitzerne Verpackungen werden als notwendig angesehen, weil sie Waren schützen, ungeachtet ihrer Entsorgung. Bezeichnend ist, dass beispielsweise gewisse Folien, wie z. B. die Katzenfuttertütchen, eine endlos lange Reihe von Versuchsmechanismen der Entsorgung durchleben müssen, ohne wirklich als umweltfreundich betitelt werden zu können.

    Ohnehin ist der Zwang, alles nur „eingepackt“ einzukaufen größer als das Nachdenken vorher. Schade. Es wird einfach weitergemacht, weiter viel getankt, die Autogröße nehmen immense Formen an, höher, größer, schneller, dicker, nach Sonne wird immer noch gekräht, obwohl die Erde teilweise schon am Vertrocknen ist und Bäume weinen, Natur wird zerstört, Essen weggeworfen, Kleidung landet auf dem Abfall.

    Jedem Kleinkind wird schon in der KiTa gelehrt, wie wichtig es ist, diese unsere Erde zu schützen. Anscheinend aber ist dieses Bewusstsein an vielen Erwachsenen vorbeigeschlittert oder in der Ignoranz erstickt.

    Nachhaltig Denkende werden besonders fündig auf Wertstoffhöfen. Da findet man Kaffeservice, Blumentöpfe, Haushaltsgegenstände, gute Dinge, brauchbar – aber weggeworfen. Über Nachhaltigkeit zu reden und weiter zu kosumieren, das hakt wohl.

    Und hoffentlich wird der Gelbe-Sack-Müll recycelnd verarbeitet und landet nicht in einem Weltmeer oder einem anderen Staat, weit weg.

    • Homberti sagt:

      „Anscheinend aber ist dieses Bewusstsein an vielen Erwachsenen vorbeigeschlittert oder in der Ignoranz erstickt.“ => Unsere „Eliten“ wie z.B. Politiker, Manager leben diese Ignoranz doch vor. Ändern sollen sich immer nur „die Anderen“. Oder haben Sie in den letzten 30 Jahren einen Politiker gesehen der das was er/sie fordert auch selbst macht bzw. vorlebt?? Mir fällt KEIN EINZIGER ein!

  • Birgit sagt:

    Unvorteilhafte Vorbilddarstellung dieser Herrschaften wie Politiker und Manager und schier solche, die glauben, sich alles erlauben zu können, hinkt und sollte auf den normalen Bürger auch nicht vorbildlich wirken.

    Pardon, aber warum soll der Politker oder der Manager ein Vorbild sein? Das wäre ja eine Ausnahme, oder? Wir wissen alle, dass die Klimakarre längst in den Dreck gerutscht ist durch gerade das Verschulden und die Missachtung der Zeichen der Zeit durch solche, die das Zepter in der Hand hatten. Geändert hat sich manches, aber meistens durch die „Unteren“, das „Fussvolk“ und denen, die uneigennützig für die Umwelt eintreten trotz mancherlei Häme und Belustigung derer, die Papier und Dreck immer noch auf Gehwege schmeissen, Kippen in das Steinhuder Meer schnippen und den Porsche prall von der Sonne erstrahlend durch den Ort spazierenfahren (kann genauso gut eine andere Angebermarke sein).

    Da hebt keiner den mahnenden Zeigefinger. Es ist leider so, dass gerade diese Sparte Mensch immer eine immens große Lobby vorweisen kann, und sei sie durch Geld erkauft. Die kleinen Dinge zur Erdrettung werden oft nicht gesehen oder nicht beachtet, leider. Der Mensch bleibt eben Mensch, wie auch sonst.

    Und – um beim Thema zu bleiben – warum kein Tempolimit? Gerade jetzt? Hier ist wohl auch die Vorbildsfunktion zurückgeblieben bei denen, die das locker durchwinken könnten, die Nachbarländer machen es vor. Aber nein, dass geht ja nicht wegen der Autoindustrie, bitte, was?

    Selbst wenn die Grade der Erderwärmung die Pole gänzlich zum Schmelzen brächten, es gäbe noch immer ein paar Dilettanten, die schnell den Holzofen befeuern, um den letzten Rest sauberer Luft zu verschmutzen, die schnell das letzte gelbe Löwenzahnblümchen ausrotten, damit es schön spießig aussieht und noch schnell mal auf das Gas drücken. Und alle schauen zu wie eine träge Herde Kühe in der Mittagshitze, ach ja, sollen sich doch die Anderen drum kümmern.

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