Friedlies trifft … Irmgard Ballauff » Wunstorfer Auepost

Die erste examinierte Lehrerin in Wunstorf

Fried­lies trifft … Irm­gard Ball­auff

Irm­gard Ball­auf kam als ers­te exami­nier­te Leh­re­rin 1886 in die Aue­stadt. Das ers­te Mal habe ich von ihr im März die­ses Jah­res gehört und stel­le sie euch ein wenig vor.

Irmgard Ballauf
Irm­gard Ball­auff im Krei­se des Kol­le­gi­ums der Stadt­schu­le. Zu die­sem Zeit­punkt war sie die ein­zi­ge weib­li­che Lehr­kraft in Wunstorf (vor/um 1900). | Foto: Stadt­ar­chiv Wunstorf

Wie immer am Sonn­tag nach dem inter­na­tio­na­len Frau­en­tag am 8. März hat­te Doro­thea Die­stel­mei­er, die Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­te der Stadt Wunstorf, zum Frau­en­emp­fang in die Abtei gela­den. Und dabei auch die Aus­stel­lung über „Frau­en aus Wunstorf“ vor­ge­stellt.

Eine davon ist Irm­gard Ball­auff. Gebo­ren 1867 in Cel­le, besteht sie bereits mit 19 Jah­ren das Leh­re­rin­nen­se­mi­nar in Han­no­ver. Danach geht sie als Erzie­he­rin nach New York. Von dort aus bewirbt sie sich 1895 auf eine Stel­le an der Wunstor­fer Stadt­schu­le. Wie sie davon wohl gehört hat? Ob es damals schon inter­na­tio­na­le Stel­len­an­zei­gen gab? Hat Wunstorf die Stel­le in der New York Times aus­ge­schrie­ben? Ver­mu­tet wird aller­dings, dass sie über ihren Vater davon erfuhr. Sie bekommt den Job und wird auf die­se Wei­se die ers­te exami­nier­te Leh­re­rin in Wunstorf.

Bereits ein Jahr spä­ter, also mit 29 Jah­ren, ist sie die Lei­te­rin der geho­be­nen Abtei­lung. Was hieß es damals, Leh­re­rin zu sein? Sie muss­te ledig sein und bekam selbst­ver­ständ­lich weni­ger Gehalt als ihre männ­li­chen Kol­le­gen (das hat sich bis heu­te in eini­gen Bran­chen nicht geän­dert).

Irmgard Ballauff
Die poli­ti­schen Par­tei­en war­ben vor der Wahl zur Deut­schen Natio­nal­ver­samm­lung 1919 mit spe­zi­el­len Pla­ka­ten um die Stim­men der Frau­en. Hier ein Pla­kat der SPD. | Foto: Stadt­ar­chiv Wunstorf

Leh­re­rin war oft­mals der ein­zi­ge Beruf, den Frau­en aus­üben durf­ten. Erst ab 1908 hat­ten Frau­en das Recht und die Mög­lich­keit, zu stu­die­ren. Aller­dings nicht, damit Frau­en sich selbst ver­wirk­lich­ten, son­dern „der deut­sche Mann nicht durch die geis­ti­ge Kurz­sich­tig­keit und Eng­her­zig­keit sei­ner Frau an dem häus­li­chen Her­de gelang­weilt“ wer­de. Frau­en durf­ten zu der Zeit auch nicht ohne männ­li­che Beglei­tung ins Café oder Thea­ter gehen. Schnell wur­de ihnen nach­ge­sagt, sie sei­en „lie­der­li­che Per­so­nen“, oder sogar Pro­sti­tu­ier­te.

Irm­gard Ball­auff emp­fand die Zurück­wei­sun­gen als unge­recht und setz­te sich stark für die Frau­en­rech­te ein. Sie enga­gier­te sich beim „Vater­län­di­schen Frau­en­ver­ein“ (Lang­form: Deut­scher Frau­en­ver­ein zur Pfle­ge und Hil­fe für Ver­wun­de­te im Krie­ge), und spä­ter orga­ni­sier­te sie Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen zum Frau­en­wahl­recht. 1919 war sie die ers­te Frau im Wahl­vor­stand in Wunstorf.

1920, mit nur 53 Jah­ren, fei­ert Irm­gard Ball­auff ihr 25-jäh­ri­ges Dienst­ju­bi­lä­um in Wunstorf. Sie wird für ihren „vor­bild­li­chen Pflichtei­fer“ geehrt. 1931 ging sie als Kon­rek­to­rin in den Ruhe­stand und enga­gier­te sich im Tier­schutz. Am 27. Janu­ar 1952 ver­starb die Kämp­fe­rin für die Rech­te der Frau in Wunstorf.

Erst seit dem 12. Novem­ber 1918 dür­fen Frau­en in Deutsch­land wäh­len; die­ses Jahr wird also 100 Jah­re Frau­en­wahl­recht gefei­ert. Damit gehört Deutsch­land zu den ers­ten Län­dern in Euro­pa, die Frau­en das Wahl­recht ein­räum­ten. In Frank­reich muss­ten die Frau­en bis 1945 war­ten, in der Schweiz sogar bis 1971.

Fra­gen kann ich Irm­gard Ball­auff lei­der nicht, wie sie Wunstorf buch­sta­bie­ren wür­de – ich ver­su­che es mal in ihrem Sin­ne …

Was ist Wunstorf für Irm­gard Ball­auff?

W – Wahl­hei­mat
U – Unter­richt
N – Neu­es Bewusst­sein
S – Stadt­bür­ge­rin mit Enga­ge­ment
T – Tol­le Frau
O – (dem) Ort ver­bun­den
R – recht­schaf­fen und flei­ßig
F – Frau­en­wahl­recht

In der Serie „Frau­en gestal­ten das Leben in Wunstorf vom Mit­tel­al­ter bis heu­te“ sind bis­her acht Frau­en auf soge­nann­ten Rol­lups vor­ge­stellt: Die Stifts­da­men Eleo­no­re von Unger (lan­ge Jah­re im Deut­schen Roten Kreuz enga­giert), Hil­de­gard Palat (Trä­ge­rin des Wunstor­fer Orts­prei­ses 1998), die Rats­frau­en nach 1945, Elfrie­de Kraft und Rös­chen Spa­ni­er (enga­gier­te jüdi­sche Damen), die Wunstor­fer Heb­am­men und Irm­gard Ball­auff. Bei Inter­es­se an der Aus­stel­lung bit­te Doro­thea Dis­tel­mei­er oder Klaus Fesche anmai­len.
Sie ken­nen auch jeman­den, den ich mal vor­stel­len soll­te? Der oder die in Wunstorf aktiv ist? Dann bit­te eine E-Mail an mich: reschke@auepost.de
Quelle Spiegel: "Nervöse Vorkämpferinnen" Dorothea Distelmeier, Gleichstellungsbeauftrage der Stadt Wunstorf Klaus Fesche, Archivar der Stadt Wunstorf
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Andreas Balleier Fotografie

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