Die Frau, die alle Wunstorfer Bäume mit Namen kennt

Fried­lies trifft … Jen­ni­fer Klee­feld

Beim mor­gend­li­chen Wal­ken fiel mir eine Dame in Oran­ge auf. Sie blick­te abwech­selnd in die Bäu­me und dann wie­der auf eine klei­ne, schwar­ze Kis­te vor ihrer Brust. Mei­ne Neu­gier war geweckt …

Jennifer Kleefeld
Jen­ni­fer Klee­feld – die Frau, die alle Wunstor­fer Bäu­me mit Namen kennt. | Foto: Fried­lies Reschke

Jen­ni­fer Klee­feld kon­trol­liert alle Bäu­me in Wunstorf. Das sind weit mehr als 12.000. Weit mehr des­halb, weil eini­ge Baum­grup­pen als eine Ein­heit zäh­len – wie zum Bei­spiel das Blu­men­au­er Wäld­chen.

Ein paar Tage spä­ter kommt die 44-jäh­ri­ge Nien­bur­ge­rin zu mir ins Büro und beant­wor­tet alle mei­ne neu­gie­ri­gen Fra­gen. Seit fast 20 Jah­ren ist sie täg­lich in Wunstorf. Vom Bau­hof aus fährt sie los und schaut sich die Bäu­me an. War­um das wich­tig ist? Die Stadt hat eine Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht! Bäu­me soll­ten nicht beim Sturm umfal­len. Oder tote Äste unkon­trol­liert auf Stra­ßen und Wege fal­len. Dabei betrach­tet sie die Kro­ne, die Blät­ter und klopft auch den Stamm ab, ob sich dort viel­leicht Hohl­räu­me befin­den.

Moder­ne Zei­ten auch bei der Baum­ver­wal­tung

Jeder Baum hat eine Num­mer und ist somit in einer Daten­bank erfasst. Stand­ort, Art, Kro­nen- und Stamm­durch­mes­ser, Höhe, Alter und natür­lich der Zustand des Bau­mes. Ich möch­te nicht wis­sen, wie lan­ge das gedau­ert hat …

Software zum Baumbestand
Eine umfas­sen­de Soft­ware erfasst den Baum­be­stand. | Foto: Fried­lies Reschke

Anfangs hat sie alles noch auf Papier erfasst – ich kann mir nur vage vor­stel­len, wie vie­le Ord­ner sie dann jeden Tag dabei hat­te. Seit 2014 hat sie alle Daten im Com­pu­ter – die klei­ne, schwar­ze Kis­te. Dort notiert sie, wel­che Arbei­ten durch­ge­führt wer­den müs­sen, wie zum Bei­spiel Tot­holz ent­fer­nen oder auch eine Fäl­lung. Aber glück­li­cher­wei­se ist der Baum­be­stand in Wunstorf recht gesund – so dass Bäu­me sel­ten ent­fernt wer­den müs­sen. Und wenn es dann not­wen­dig ist, wird sofort an glei­cher Stel­le ein neu­er Baum  der glei­chen Art gepflanzt.

Gemein­sam mit mir schaut sie sich Baum Nr. 6953 an – eine Kas­ta­nie auf dem Spiel­platz Wil­helm­stra­ße, Ecke Wil­helm-Busch-Stra­ße.

Jennifer Kleefeld vor einer Kastanie
Alle Bäu­me Wunstorfs sind in einer Daten­bank erfasst. Anhand die­ser über­prüft Jen­ni­fer Klee­feld den Zustand der Bäu­me. | Foto: Fried­lies Reschke.

Ein­sam ist es nicht, den gan­zen Tag von stum­men Bäu­men umge­ben zu sein. Sie trifft immer wie­der auf Neu­gie­ri­ge wie mich oder auch auf ande­re Kol­le­gen vom Bau­hof. Mit den Bäu­men redet sie aller­dings (noch) nicht.

Früh­auf­ste­hen für Wunstorfs Bäu­me

Den pri­va­ten Gar­ten über­lässt die Mut­ter eines 10-jäh­ri­gen Soh­nes ihrem Mann. Da mischt sie sich nicht ein. Viel Zeit bleibt ihr ohne­hin nicht. Täg­lich steht sie um 3.40 Uhr auf, früh­stückt in Ruhe und macht sich dann um 5.40 Uhr auf den Weg nach Wunstorf. Wenn es ihr in den Kopf kommt, dann putzt sie mor­gens um 4.00 Uhr auch mal die Fens­ter. Denn neben den Bäu­men ist Put­zen ihre Lei­den­schaft.

Was ist Wunstorf für Jen­ni­fer Klee­feld

W – Wei­ter Weg zur Arbeit
U – Unter den Bäu­men
N – Net­te Kol­le­gen
S – Stein­hu­der Meer
T – Tol­le Fuß­gän­ger­zo­ne
O – Ohne Auto kommt man schnell vor­an
R – Rap­pel­vol­le Stra­ßen
F – Far­ben­fro­he Som­mer­bee­te


Copy­right © 2018 Wunstor­fer Auepost. Tex­te und Fotos sind urhe­ber­recht­lich geschützt. Wei­ter­ver­wen­dung nur mit Geneh­mi­gung der Redak­ti­on.
- Anzeige -

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.