Die Wunstorfer Schornsteinfegerin

Friedlies trifft … Sarah Smith

Vor fünf Jahren sind mein Mann und ich in ein Haus in der Wunstorfer Oststadt gezogen – und seitdem kommt zweimal im Jahr Sarah Smith zu uns. Sie fegt unseren Schornstein und kontrolliert die Heizung. Beim ersten Mal habe ich nicht schlecht gestaunt: eine zierliche Frau stand in Schwarz gekleidet vor mir.

Schornsteinfegerin Sarah Smith
Die Wunstorfer Schornsteinfegerin Sarah Smith | Foto: Friedlies Reschke

Es war das erste Mal, dass ich eine Schornsteinfegerin sah. Nun weiß ich, dass es gar nicht ungewöhnlich ist, dass junge Mädchen eine Lehre zur Schornsteinfegerin machen. Vorbehalte gibt es auch nur noch selten, erzählte sie mir. Ab und an fragen ältere Männer jedoch noch vorsichtig nach: „Können Sie das überhaupt?“

„Können Sie das überhaupt?“

Einen Bürojob wollte die 30-Jährige nie machen. Sie wollte immer in den technisch-handwerklichen Bereich. Als sie sich mit 17 Jahren sagte „Schule, das ist nichts mehr für mich“, wurde im Familienkreis besprochen, welcher Beruf es denn werden soll. Zufällig kam in dieser Zeit der Schornsteinfeger in ihr Elternhaus. Diesen hat sie erst ausgefragt, dann ein Praktikum gemacht, anschließend die Lehre und 2012 die Meisterschule abgeschlossen. Seitdem arbeitet sie als Meistergesellin. Pro Tag besucht sie 24–26 Haushalte und fegt deren Kamine.

Alle Heizungsmodelle der letzten 30 Jahre

Wenn Heizungen überprüft werden, dann sind es 13–15 Haushalte. Sie kennt übrigens alle Heizungsmodelle der letzten 30 Jahre. Es werden nur die Kamine gekehrt, in denen „feste Brennstoffe“, also Holz oder Pellets, genutzt werden. Das kann je nach Kamin bis zu viermal im Jahr notwendig sein. Einige Kaminbesitzer haben allerdings eine ganz eigene Auffassung, was feste Brennstoffe sind. „Essensreste, Zeitungen oder auch der Weihnachtsbaum haben nichts im Kamin zu suchen“, erklärt Sarah Smith. Auch habe ich gefragt, wie sauber denn das Heizen mit Holz ist. Holz gibt nur soviel CO2 ab, wie es im Laufe der Jahre aufgenommen hat. Also eine saubere Art, zu heizen.

Warum gilt der Schornsteinfeger als Glücksbringer?

Schornsteinfeger gelten als Glücksbringer. Als solche werden sie sogar für Hochzeiten und Geburtstage gebucht (übrigens der einzige Anlass, zu dem Smith ihren Zylinder aufsetzt). „Das geht bis ins Mittelalter zurück“, erklärt sie mir. Damals standen die Häuser alle sehr dicht beieinander, und wenn der Schornsteinfeger den Kamin gekehrt hatte, war die Brandgefahr wesentlich geringer. In einem sauberen Schornstein konnte sich kein Feuer ausbreiten. Noch heute wird sie immer wieder angefasst – denn schließlich bringt das den Menschen Glück.

In der Bezirksgruppe Hannover der Schornsteinfeger-Gewerkschaft (Zentralverband Deutscher Schornsteinfeger) ist sie nebenbei noch ehrenamtlich im Vorstand tätig – zuständig für den Bereich „Presse- und Öffentlichkeitsarbeit“ und damit verantwortlich für die Zeitung „Kehrseite“. 2008 haben Schornsteinfeger das letzte Mal gestreikt. Ein gutes Zeichen, denke ich.

Ist der Beruf gefährlich?

Und wenn sie nicht auf Dächern herumklettert, dann spielt Sarah Smith Volleyball in der Landesliga und baut gerade ein Haus in Probsthagen – sicher auch mit einem Kamin. Eine letzte Frage lag mir dann noch auf der Seele. Was wäre, wenn sie schwanger würde? Dann hat sie ab dem ersten Tag ein „Beschäftigungsverbot“. Denn Ruß ist krebserregend. Daher arbeitet sie auch grundsätzlich mit Einweg-Handschuhen. Das machen allerdings noch nicht viele ihrer Kollegen so.

Was ist Wunstorf für Sarah Smith?

W – wohlfühlen
U – Umwelt
N – Naturschutz
S – Steinhuder Meer
T – Traumjob
O – Ortsumgehung
R – Regionen
F – Familienfreundlich

Sie kennen auch jemanden, den ich mal vorstellen sollte? Der oder die in Wunstorf aktiv ist? Dann bitte eine E-Mail an mich: reschke@auepost.de

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1 Kommentar
  1. Grit Decker meint

    Schön, dass die junge Frau sich für einen Beruf „der harten Jungs“, entschieden hat.
    Und diese Aussage ist bar jeglicher Ironie von mir so wie geschrieben gemeint!

    Vermutlich wäre auch ich beim ersten Zusammentreffen überrascht gewesen. Doch dieser „Schockmoment“ hätte nicht länger als ’ne Minute angedauert.

    Bereits in den Männer-Domänen Polizei und Feuerwehr haben wir „Weiber“ hinreichend unter Beweis gestellt, dass wir den „Starken Kerls“ in Nichts nachstehen.
    P.S.: ich gehöre mitnichten zu den „Hardcore-Emanzen“.

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