Intime Einblicke

Auf der Suche nach Liebe Sex

Der 40-jährige Tim S. aus Bad Rehburg ist ein Baum von einem Mann: breites Kreuz, sonore Stimme, 3-Tage-Bart, schwul. Nach einer gescheiterten Ehe sucht er nun übers Internet Männer, die bereit sind, Videos von ihrem „besten Stück“ für ihn anzufertigen.

Tim S.
Tim S. kann gut zwischen Sex und Liebe unterscheiden. | Foto: Mirko Baschetti

Aufgewachsen ist Tim in einem kleinen Dorf bei Jever. Anfangs noch nicht festgelegt, wird ihm als Erwachsener seine Liebe zu Männern bewusst. Dennoch genoss er es, sich auszuprobieren und von beiden Geschlechtern als anziehend empfunden zu werden. Als 17-Jähriger schwängerte er seine erst 16-jährige Freundin. Im 3. Monat erlitt sie jedoch eine Fehlgeburt, und Tim fühlte eine Mischung aus Trauer und Erleichterung. Auch wenn er sich vorstellen konnte, dass er ein guter Vater sein würde, hatte er dennoch nie den Wunsch, einer zu sein. Einer solchen Verantwortung fühlt er sich bis heute nicht gewachsen. Frauen findet er nach wie vor attraktiv, hat aber kein sexuelles Interesse an ihnen.

Männer können Sex und Liebe trennen, was bei Frauen ganz schwierig ist. Tim S.

Seine früh offen gelebte Homosexualität macht ihn bereits als Jugendlicher zum Ziel für Anfeindungen. „Schwuchtel und Arschficker waren noch die harmlosen Beschimpfungen“, sagt er. Er wurde von Schulkameraden verprügelt, bekam Morddrohungen, seine Familie wurde gemieden. „So ist das eben op de Dörpe“, lacht er.

Er lernt Friseur, mit 28 ist er Meister, mit 30 hat er seinen eigenen Salon in Winzlar. Auch sein privates Glück wird durch eine Heirat gekrönt. Seinen Ehemann lernte er auf einem Datingportal kennen, dem „blauen Einwohnermeldeamt“. Nach einem halben Jahr chatten und dem Austausch von Nacktbildern haben sie sich real getroffen. Und hatten Sex, obwohl sein Date in einer Beziehung steckte. Aus sexuellen wurden romantische Gefühle. Nach 4 Jahren folgte die Heirat, doch die Ehe hielt nur 2 Jahre.

Auf Materialsuche auch in Wunstorfer FB-Gruppen

Die Schwulenszene sei von schnelllebigen Beziehungen geprägt. Nach einiger Zeit könne man davon ausgehen, dass aus einer monogamen, festen Partnerschaft eine offene wird. Die sexuelle Lust auf andere Männer sei einfach sehr groß. In der Ehe lebte er jedoch monogam, da er sehr eifersüchtig sei. „Ich würde Amok laufen“, sagt Tim. Als er in der Ehe nach 2 Jahren kein Potential mehr sieht, trennt er sich von seinem Mann.

Seit einigen Monaten sucht er über Ebay-Kleinanzeigen und Facebook Männer für „mediale Dienstleistungen“. Was nach Kandidat für eine Fernsehproduktion klingt, ist in Wahrheit viel profaner: Tim S. sucht für sich selbst „Wichsvorlagen“. Auf schwulen Datingportalen könne man sich zwar wie in einem Katalog fortbewegen und seine Präferenzen angeben, aber dort tummelten sich nach seinem Geschmack zu viele „Nacktschnecken”. Er bevorzuge jedoch das Maskuline – breite Schultern, Haare auf Gesicht und Brust. Und das findet er eher bei heterosexuellen Männern. Eine gepflegte Frisur ist ihm aber auch zwischen den Beinen wichtig.

Männer denken mit einer Etage tiefer. Das ist Fakt. Tim S.

Er sucht bei seinen Anfragen nach Bild-, aber vor allem Videomaterial, um seiner sexuellen Neigung nachzukommen. Ganz persönlich für ihn produziert. Er sei dabei wie ein Regisseur, der Handlungsanweisungen vorgibt. Es hätten sich bereits mehrere heterosexuelle Männer darauf eingelassen und ihm „Material geliefert“, berichtet Tim. Auch wenn er vordergründig auf der Suche nach sexuellen Vorlagen sei, hätten sich bereits auch „super, super, super interessante Gespräche ergeben. Und sogar eine Freundschaft“, ergänzt er.

Derzeit möchte er keine feste Partnerschaft, auch als Ergebnis seiner gescheiterten Ehe. Vielmehr mag er unverbindliche Verhältnisse. „Freundschaft plus, ohne Rechenschaft ablegen zu müssen.“ Dabei habe er auch sexuelle Kontakte zu Männern, die heterosexuelle Beziehungen haben oder verheiratet sind.

Eine neue Liebe hat Tim dabei nicht wieder gefunden. Er fühlt sich weiter wohl in der Rolle des Sex-Regisseurs.

INFO: GLEICHGESCHLECHTLICHE EHE
Erst seit 2017 sind gleichgeschlechtliche Ehen in Deutschland möglich. Die zuvor mögliche Lebenspartnerschaft bot zwar gleiche Pflichten, aber nicht gleiche Rechte. Jede 14. Ehe in Deutschland ist seitdem eine gleichgeschlechtliche.


Dieser Bericht erschien zuerst in Auepost 11/2019

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Auepost Redaktion

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1 Kommentar

  1. Ohne Worte! Ob die Auepost das richtige anzeigenportal für so eine suche ist bezweifel ich ! Der tim sollte lieber eine Anzeige bei der St. Pauli news starten

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