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BossHoss-Drummer Ansgar Freyberg

Rock ’n Beer

Es gibt viele Dinge, zu denen ein Bier passt. Rockmusik gehört durchaus dazu. Eigentlich ist es daher logisch, dass ein Musiker nicht nur Musik, sondern auch Bier macht, so wie Ansgar Freyberg, Schlagzeuger von „The BossHoss“.

Ansgar Freyberg
Ansgar Freyberg beim Konsum eines seiner Lieblingsgetränke | Foto: Gregor Brandler

Seine musikalischen Grundlagen entwickelten sich in Wunstorf, Ansgar Freyberg spielte in Wunstorfer Bands und in der Schulzeit am Hölty-Gymnasium. Weitere Einflüsse brachte er von einem Highschool-Jahr aus den USA mit. Größtes Vorbild ist für ihn der Jazz-Schlagzeuger Buddy Rich: „Der geilste Drummer der Welt, da kommt niemand ran“, zeigt sich Ansgar begeistert, der auch Klavier, Bassgitarre und Ukulele spielt.

Selbst seine Abiturnote konnte er im Prüfungsfach Musik mit dem Schlagzeug beeinflussen. Wunstorf, so sagt er, wurde ihm jedoch bald zu klein. „In den Bands wurden eigentlich nur noch die Mitglieder untereinander getauscht“, erzählt Ansgar. Zunächst orientierte er sich nach Hannover, um Neues kennen zu lernen und Kontakte zu anderen Bands zu knüpfen. Nach dem Abitur in Wunstorf und anschließendem Zivildienst in der Landeshauptstadt plante der Drummer, ein Psychologiestudium aufzunehmen, doch der Notendurchschnitt reichte nicht für einen nahtlosen Studienbeginn.

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Bielefeld hat mich kaputtgemacht

Als Gasthörer schrieb er sich daher an der Universität Bielefeld ein, doch bereits nach einem halben Jahr stand fest, dass Ansgar und Bielefeld einfach nicht zusammenpassen. „Die Stadt hat mich kaputtgemacht“, sagt er augenzwinkernd. In Berlin begann er dann eine Ausbildung zum Werbekaufmann, unter anderem, so gesteht er ein, aufgrund der kurzen Ausbildungszeit. Diese Ausbildung allerdings führte ihn schließlich mit Sascha Vollmer und Alec Völkel zusammen. Beim Ausbau eines Dachbodens zu einem gemeinsamen Tonstudio entstand die Idee für die Country-Rock Band „The BossHoss“ mit Ansgar als Schlagzeuger „Sir Frank Doe“.

Die Jobs wurden gekündigt, und den Lebensunterhalt sicherte derweil das eigene Studio, in dem die drei Musiker als Produzenten tätig waren. Ansgar beschäftigte sich mit Musik und Sounds für Werbung und Filme, während die Band bekannt und erfolgreich wurde. Im Gegensatz zu Sascha und Alec, die mit Fernsehauftritten in der Öffentlichkeit stehen, hat Ansgar in konzertfreien Zeiten allerdings weniger mit der Band zu tun.

Der Studiomusiker

Die Entstehung eines neuen Albums verläuft eher ungewöhnlich. Ausgehend von Sascha, in der Band als „Hoss Power“ bekannt, entsteht ein Layout eines neuen Songs. „Sascha ist da eher Autist, dem sollte man dann nicht dazwischenquatschen“, skizziert Ansgar den Startpunkt. Nach kurzer Abstimmung mit Alec, auch „Boss Burns“ genannt, kommt die Idee dann zu Ansgar als Schlagzeuger. Nach und nach nehmen dann alle Musiker ihren Part an den Songs auf, bis das Werk letztendlich feingeschliffen wird. Persönlich begegnen muss man sich dabei nicht.

Umso intensiver gestaltet sich dann wiederum die Zusammenarbeit, wenn eine gemeinsame Tour ansteht. „Es ist dann wie ein Klassentreffen“, sagt Ansgar. Sechs bis acht Wochen vor dem ersten Auftritt kommt die Band dann wieder zusammen und startet die Proben.

Die Touren mit bis zu 40 Konzerten im Jahr finden hauptsächlich im deutschsprachigen Raum statt. Dadurch sei The BossHoss nahezu familienfreundlich. Das erlaubt Ansgar, sich um seine Familie mit drei Kindern zu kümmern, die – wie er es betont – alle von derselben Mutter sind. Die Familie hat ihre Heimat in Berlin, in einer Wohnung mitten in der Stadt gefunden, ein Schrebergarten sorgt für den Ausgleich an Grün und Fläche.

Der Bierbrauer

Der Freiraum zwischen den Touren erlaubt es aber auch, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Ansgar hatte „Bock, mal wieder was anderes zu machen“. Er entschied sich bewusst, dass es nichts mit Musik zu tun haben sollte, und entwickelte aus seiner Heim- und Hobbybrauerei sein eigenes Bier, das er mittlerweile professionell brauen und abfüllen lässt. „Ich habe den Aufwand deutlich unterschätzt“, gibt er zu. „Doch das gesunde Unterschätzen liegt mir und hindert mich nicht, es trotzdem einfach zu machen.“

Beim Gespräch über Bier – nicht bei Bier – merkt man, wie tief sich Ansgar in die Materie eingearbeitet hat. Ihm geht es jedoch nicht nur um typisches Craft Beer, das allerdings mittlerweile von der Kuriosität zum Mainstream geworden und Bestandteil von Supermarktregalen geworden ist, sondern um das Bier als ganzes Produkt. So beschäftigt er sich nicht nur mit der Rezeptur und dem Design des Etiketts, sondern lässt sich bei Brauprozess und Vertrieb beraten.

Seine Idee dabei ist, von den Extremen des Craft Beer, bei denen sich Hobbybrauer oft mit ungewöhnlichen Geschmacksausprägungen überbieten, wegzukommen und trotzdem etwas Besonderes anzubieten. Im Gegensatz zu vielen Heimbrauern, die das obergärige Ale bevorzugen, setzt er dabei auf das eher Bieren Pilsner Brauart ähnelnde Lager. „Der wesentliche Unterschied dabei ist, dass obergärige Biere bei warmen Temperaturen vergoren werden, untergärige ungefähr bei Kühlschranktemperatur“, erklärt er fachmännisch. Neben den dafür notwendigen technischen Voraussetzungen ist für ihn dabei die Herausforderung, „dass auch die Geschmacksnuancen im Lager viel feiner sind“.

Allzu viele Experimente mit Lager-Bier verhindert allerdings das Reinheitsgebot, welches beispielsweise festlegt, dass ausschließlich Malz aus Gerste verwendet werden darf.

Noch allerdings ist das eigene Bier für Ansgar ein Zuschussgeschäft. Nicht nur Rohstoffe, Herstellungsprozess und Etiketten wollen vorfinanziert werden, sondern auch die erste eigene Gläserserie, um mit dem Ausschank das Marketing abzurunden. Da er sich preislich zwischen den Standardbiersorten und den exotischen Biermarken positionieren, aber dennoch langfristig kostendeckend arbeiten will, ist jede Stellschraube gefragt.

Der Gastronom

Als zweites Standbein neben der Musik liebäugelt Ansgar mit einem Gastronomiebetrieb, idealerweise mit eigener Hausbrauerei. Ein infrage kommendes Objekt in Berlin hat er derzeit im Fokus, wobei er nicht, wie in der Craft-Beer-Szene üblich, von einem „Taproom“, sondern etwas schlichter von einem Biergarten spricht. Dennoch beeinflussen ihn die Eindrücke seiner USA-Aufenthalte in seinem Blick auf den Biermarkt. Man sei dort schon wesentlich weiter, ist seine Auffassung.

Konkrete Pläne für die Zukunft hat der Musiker und Brauer derzeit nicht. Einzig weitere Tätowierungen stehen auf seinem Plan. Damit hatte er nach über zwanzigjähriger Pause, zum Missfallen seiner Tochter, wieder angefangen. Auf die Frage nach dem Grund hat er eine schlichte Antwort: „Because I can. Oder: Wann, wenn nicht jetzt?“

Dieser Text erschien zuerst in Auepost #11 (September 2020)

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