Vor 100 Jahren

Neumodischer Sport

Fußballklub Wunstorf gewinnt den „kleinen Pokal“ (24. Juni 1920)

Pressespiegel 100 Jahre


Wir schreiben das Jahr 1920. In den USA beginnt die Prohibition, und Wunstorf ist eine kleine, landwirtschaftlich geprägte Ortschaft in der preußischen Provinz Hannover. Der Erste Weltkrieg ist gerade zu Ende gegangen, die Menschen erleben viele Umbrüche in der ersten deutschen Demokratie. Die „Goldenen Zwanziger“ stehen vor der Tür.


Zur Kaiserzeit war es noch verpönt, einem runden Leder hinterherzulaufen. Man kickte schon hier mit Leidenschaft, aber noch eher im Geheimen. Doch nach dem Ersten Weltkrieg verbreitete sich der aus England gekommene Fußball auch im Deutschen Reich rasant. Fußballklubs entstanden in jeder kleineren und größeren Ortschaft. In der Sportberichterstattung bekamen die Turner aber immer noch die größere Aufmerksamkeit, über schnöde Fußballspiele wurde gar nicht berichtet. Nur zu ganz besonderen Anlässen war auch der Fußball eine kleine Meldung wert. Etwa, wenn sich die Nachbarklubs in Wunstorf zum gemeinsamem Fußballturnier trafen. Am 24. Juni 1920 schrieb die Leine-Zeitung:

Der hiesige Fußball-Klub hatte zum letzten Sonntag auf dem Sportplatz hierselbst Fußball-Pokalspiele veranstaltet, zu denen auswärtige Fußball-Vereine aus Nienburg, Stadthagen und Seelze als Konkurrenten erschienen waren. Die Kämpfe waren äußerst spannend. Der große Pokal wurde laut der Wunstorfer Zeitung vom Sportclub Nienburg in heißem Ringen erstritten. Der Fußballklub Wunstorf errang den kleinen Pokal.

Schon 1920 war zwar zu erahnen, dass die neue beliebte Sportart sich zu etwas Größerem entwickeln würde. Doch dass der Fußball wenige Jahre später schon der deutsche Nationalsport sein würde statt einer Modeerscheinung, die nach ein paar Jahren wieder verschwände, darauf hätte wohl noch niemand gewettet.

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