Vor 100 Jahren

„Es wird eingebrochen, was das Zeug hält“

Wohnungseinbruch in mehrere Wunstorfer Häuser (9. Oktober 1920)

Pressespiegel 100 Jahre

Kriminalisten wissen nicht erst seit gestern: mit Beginn der dunklen Jahreszeit steigen auch wieder die Einbruchszahlen. Die Täter nutzen die frühe Dunkelheit aus, um unentdeckter agieren zu können. Gerade im Herbst kommt es daher vielen Haus- und Wohnungsbesitzern so vor, als wären Hab und Gut nicht mehr sicher, als würden die Einbrecherbanden die Stadt gar nicht mehr verlassen.

Vor 100 Jahren war die Situation kaum anders. Nur das Diebesgut unterschied sich deutlich von dem, worauf es Einbrecher heute abgesehen haben. Die Leine-Zeitung übernahm eine Meldung der Wunstorfer Zeitung vom 9. Oktober 1920 und berichtete drei Tage später:

Die Unsicherheit in der hiesigen Stadt nimmt wieder zu; es wird eingebrochen und gestohlen, was das Zeug hält. Zu letzter Nacht ist unter anderem in das Wemhöner’sche Haus an der Bahnhofsstraße eingebrochen und das Eingeschlachtete sowie ein Vorrat Eier gestohlen worden. Auch bei anderen Häusern an derselben Straße ist, wie die Wunstorfer Zeitung schreibt, ein Einbruch versucht worden.

Mit Fleischvorräten und Eiern würden sich moderne Diebe wohl kaum mehr zufriedengeben. Damals nach dem Krieg war es durchaus noch der Hunger, der die Menschen zu Einbrüchen verleitete. Andererseits stellen Lebensmittel in Zeiten der Not auch einen hohen Wert dar.

Wir schreiben das Jahr 1920. In den USA beginnt die Prohibition, und Wunstorf ist eine kleine, landwirtschaftlich geprägte Ortschaft in der preußischen Provinz Hannover. Der Erste Weltkrieg ist gerade zu Ende gegangen, die Menschen erleben viele Umbrüche in der ersten deutschen Demokratie. Die „Goldenen Zwanziger“ stehen vor der Tür.

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