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Impfungen mit AstraZeneca-Vakzin in Niedersachsen gestoppt

16.03.2021 • Redaktion • Aufrufe: 365

AstraZeneca-Stopp in der Region: Lehrer und Erzieher können nun vorerst nicht geimpft werden …

16.03.2021
Redaktion
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Die Impfung mit AstraZeneca-Dosen ist nun auch im Impfzentrum der Region Hannover ausgesetzt. Die geplanten Impfungen durch mobile Teams in Schulen und Kitas werden bis auf Weiteres nicht umgesetzt.

Impfwarnung

Impfungen mit AstraZeneca sind ausgesetzt (Symbolbild)

Region (red). Gestern hatte das für Impfstoffe zuständige deutsche Paul-Ehrlich-Institut (PEI) die bundesweite Aussetzung der Impfungen mit AstraZeneca-Dosen erwirkt, das Bundesgesundheitsministerium den Stopp verfügt. Auch Niedersachsen hatte daraufhin alle Impfzentren angewiesen, ab sofort das COVID-Vakzin „AZD1222“ des britisch-schwedischen Herstellers nicht mehr einzusetzen, die Impfungen mit AstraZeneca sind gestoppt. Zweitimpfungen sind von der Aussetzung genauso betroffen. Auch in der Region Hannover ist die Verimpfung des AstraZeneca-Vakzins somit vorerst ausgesetzt. Hintergrund ist, dass es nach Impfungen mit dem AstraZeneca-Vakzin – im sogenannten zeitlichen Zusammenhang – bei mehreren Menschen in Europa zu schweren Nebenwirkungen gekommen war.

Vor allem Pflegepersonal zwischen 30 und 50 Jahren, das sich hatte immunisieren lassen, war mit Hirnvenenthrombosen und Blutgerinnungsstörungen selbst zum Patienten geworden oder sogar verstorben. In Deutschland sollen 7 Personen von der äußerst selten auftretenden Blutgerinnseln betroffen sein – drei davon starben –, so dass das Institut nun von einer ungewöhnlichen Häufung ausgeht. Im Zusammenhang mit der Verimpfung anderer Vakzine sind bislang keine derartigen Vorkommnisse bekannt.

Bei entsprechenden Nebenwirkungen sofort ärztliche Hilfe suchen

Das PEI hat darauf hingewiesen, dass sich Geimpfte, die den COVID-19-Impfstoff von AstraZeneca erhalten haben und sich mehr als vier Tage nach der Impfung zunehmend unwohl fühlen, unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben sollen. Mögliche Symptome einer schweren Nebenwirkung sind anhaltende starke Kopfschmerzen oder punktförmige Hautblutungen.

Für den Ablauf im Impfzentrum der Stadt und Region Hannover auf dem Messegelände ändert sich zunächst jedoch nichts, da die Immunisierungen mit den Impfstoffen von Biontech und Moderna fortgesetzt werden. „Für den stationären Betrieb im Impfzentrum sind bis einschließlich Freitag dieser Woche zunächst keine Auswirkungen zu erwarten“, sagte Ordnungsdezernent Dr. Axel von der Ohe. Termine in dieser Woche werden daher nicht storniert.

Lehrer und Erzieher in der Region werden vorerst nicht geimpft

Entfallen wird jedoch der Einsatz der mobilen Impfteams in der Region, da diese hauptsächlich AstraZeneca-Wirkstoff verimpfen sollten. Eigentlich wären die Teams heute und morgen in die Schulen gestartet. Die betroffenen Einrichtungen werden derzeit über die Absagen informiert. Stadt und Region haben außerdem die Lieferung von AstraZenaca-Impfstoff an die Kliniken in der Region Hannover ausgesetzt.

[box type=“info“ align=““ class=““ width=““]Planungen durchkreuzt: Das Vakzin von AstraZeneca spielte bislang für den Impffortschritt in der Region Hannover eine bedeutende Rolle. So erwartet Hannover für Anfang April die Lieferung von knapp 25.000 AstraZeneca-Dosen. [/box]

„Wir prüfen nun die Lage und stimmen uns eng mit dem Land ab, wie wir weiter verfahren“, sagte Cordula Drautz, Finanzdezernentin der Region Hannover. Prognosen über die Verfügbarkeit von Impfstoffen in den kommenden Wochen seien derzeit unmöglich, dazu reichten die derzeit vorliegenden Informationen nicht aus. Pessimistischer äußert sich bereits die Landesregierung: Der Impfstopp für AstraZeneca werde sich auf das Vorankommen der Schutzimpfungen in Niedersachsen auswirken, hieß es vonseiten des Gesundheitsministeriums. Welche konkreten Folgen – wie der Umgang mit Lagerbeständen oder neue Terminvergaben – nun entstehen, werde derzeit analysiert und bewertet.

„Die Sicherheit und Gesundheit der Menschen geht vor, das ist vollkommen klar. Deswegen ist die Entscheidung des Paul-Ehrlich-Instituts absolut nachvollziehbar und richtig, die Impfungen mit AstraZeneca zunächst auszusetzen. Das wirft uns in der Impfkampagne natürlich wieder ein Stück zurück. Dennoch ist es absolut unerlässlich, dass das PEI den Fällen jetzt akribisch auf den Grund geht und mögliche Zusammenhänge zwischen der Impfung und aufgetretenen Hirnvenen-Thrombosen aufdeckt bzw. ausschließt. Solange wird Niedersachsen die Impfungen mit AstraZeneca aussetzen“, erklärte Gesundheitsministerin Daniela Behrens.

Vertrauen in Impfstoff wird schwinden

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA wird nun möglicherweise eine Neubewertung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses vornehmen. Denkbar sind anschließend zwei Szenarien: Die Zulassung für das AstraZeneca-Vakzin könnte widerrufen werden – oder aber eine erneute Unbedenklichkeitserklärung abgegeben werden. Die EMA hatte sich bereits einmal für die Weiterverwendung des Impfstoffes ausgesprochen.

Bei Wiederaufnahme der Impfungen mit AstraZeneca wird der Ruf des Impfstoffes nun jedoch noch beschädigter sein, als er nach dem Missverständnis der letzten Wochen bereits war: Bundesweit waren auffällig viele Impftermine für AstraZeneca-Wirkstoff nicht wahrgenommen worden, nachdem Berichte über eine geringere Wirksamkeit gegenüber anderen Impfstoffen kursierten. Allerdings hatte der Hersteller jüngst angekündigt, wegen Exportbeschränkungen ohnehin weniger Impfstoff als zunächst angekündigt für die EU bereitstellen zu können, so dass einige Bundesländer bereits die Neuvergabe von Impfterminen reduziert oder eingestellt hatten.

[box type=“info“ align=““ class=““ width=““]Der AstraZeneca-Impfstoff war Ende 2020 zuerst in Großbritannien nach einer Notfallzulassung weitreichend eingesetzt worden. Seit Anfang Februar konnte auch in der EU mit dem AstraZeneca-Präparat geimpft werden. Allein wegen unzureichender Datenlage war das Vakzin in Deutschland zunächst nicht für ältere Menschen empfohlen. Wegen Lieferschwierigkeiten durch den britisch-schwedischen Hersteller hatte die EU zuletzt den Rahmen geschaffen, in der EU produzierte Chargen mit einem Exportverbot zu belegen. Italien hatte etwa davon Gebrauch gemacht und eine für Australien vorgesehene Lieferung gestoppt. Nach Bekanntwerden von möglichen schweren Nebenwirkungen hatte die europäische Gesundheitsbehörde die Unbedenklichkeit des Impfstoffs erklärt. Immer mehr Mitgliedsstaaten und auch andere Länder setzen die Impfungen jedoch auf nationaler Ebene aus oder begannen erst gar nicht mit der Verwendung. [/box]

Impfungen im Impfzentrum laufen weiter

Die Region hat unterdessen mitgeteilt, dass der AstraZeneca-Impfstoff im Impfzentrum mit Lieferungen von Moderna teils ersetzt werden kann: „Damit können wir Engpässe bei den mobilen Impfungen zumindest teilweise kompensieren“, sagte Dr. Axel von der Ohe. Alle Personen, die von dem Impfstopp am Dienstag betroffen waren, sollen in der Folgewoche ein neues Angebot erhalten – dann mit dem Moderna-Impfstoff. Die für ab 17. März terminierten Einsätze der mobilen Teams sind nicht mehr gefährdet und können mit dem jetzt zusätzlich zur Verfügung stehenden Moderna-Vakzin abgewickelt werden. Der Betrieb im Impfzentrum läuft zunächst wie geplant weiter, da hier sowieso kein AstraZeneca-Impfstoff verimpft wird.

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