Horst Koschinsky fordert Fußgängerpflicht für Eltern …

Als Nächstes bitte einen Klassenzimmer-Drive-in!

Horst Koschinsky Elterntaxis

Nee, das gab’s in mei­ner Jugend noch nicht. Mit dem Auto zur Schu­le gebracht wer­den – die­ser Luxus kam viel spä­ter auf. Zur Seu­che ist es aber erst in den letz­ten Jah­ren gewor­den. Gera­de wir älte­ren Anwoh­ner sind es, die sich dar­über beschwe­ren. Aber war­um zieht man dann aus­ge­rech­net neben eine Schu­le, wenn einen Lärm und Ver­kehr stö­ren? Man kann nicht erwar­ten, dass alles immer so bleibt wie in den 60er Jah­ren.

Nun hat also auch die Albert-Schweit­zer-Grund­schu­le sei­ne Eltern­ta­xi­zo­ne. Was man den Kin­dern in der Ost­stadt nicht zumu­ten kann, kann man natür­lich auch in der Bar­ne nicht ver­lan­gen: dass sie ganz allein zur Schu­le gehen. Spä­ter will man, dass die Spröss­lin­ge mög­lichst selbst­stän­dig und unab­hän­gig durchs Leben fin­den, aber im Moment fin­den sie noch nicht mal allein ins Schul­ge­bäu­de. Betreu­tes Schul­weg-Bewäl­ti­gen für die Eli­te von mor­gen. Man­che schei­nen nicht mal ohne Hil­fe von Mama und Papa in den Klas­sen­raum zu kom­men. Das las­sen die Schil­der an den Ein­gän­gen ver­mu­ten, die dar­um bit­ten, die Kin­der wenigs­tens im Trep­pen­haus allein gehen zu las­sen.

Mit dem SUV direkt in die Pau­sen­hal­le“

Lang­sam mer­ken auch die größ­ten Leug­ner, dass da was dran sein könn­te am Kli­ma­wan­del, aber wenn’s um die eige­nen Kin­der geht, fah­ren selbst Grü­nen­wäh­ler mit dem Auto bei der Schu­le vor. Ich könn­te es ja nach­voll­zie­hen, wenn die Bar­ne noch immer ein Pro­blem­vier­tel wäre. Doch die­se Zei­ten sind nun wirk­lich lan­ge vor­bei. Da gibt es inzwi­schen deut­lich gefähr­li­che­re Ecken in Wunstorf.

Die Arsch­kar­te haben die­je­ni­gen Kin­der, die tat­säch­lich zu Fuß zur Schu­le kom­men. Weil sie durch die zusätz­li­chen Abga­se müs­sen, und weil ihnen die auto­fah­ren­den Eltern den Schul­weg schnei­den. Der Schul­weg ist dadurch tat­säch­lich gefähr­li­cher gewor­den als zu frü­he­ren Zei­ten. Statt aber dage­gen anzu­ge­hen, kapi­tu­lie­ren Stadt und Schu­len vor den PS-star­ken Eltern und hofie­ren sie sogar noch – indem die­se Eltern­ta­xi­zo­nen geschaf­fen wer­den.

Sogar die neu­en Schil­der sind unsin­nig: „Ab hier zu Fuß“. Viel näher kann man an die Albert-Schweit­zer-Schu­le doch gar nicht her­an­fah­ren. Außer, man steu­ert den SUV direkt in die Pau­sen­hal­le. Natür­lich: aus Kos­ten­grün­den hat die Stadt die glei­chen Schil­der wie an der Ost­stadt­schu­le mon­tiert, wo sich die Eltern­ta­xi­zo­ne wirk­lich etwas wei­ter ent­fernt befin­det.

Stadt und Schu­len kapi­tu­lie­ren“

Hal­te­zo­nen lösen das Pro­blem aber nicht, son­dern ver­schie­ben es nur ein biss­chen. Bes­ser wären groß­zü­gi­ge Bann­mei­len für Kurz­zeit­par­ker rund um die Schu­len – und saf­ti­ge Stra­fen für alle, die ihre Kin­der trotz­dem auf vier Rädern vor der Schu­le abla­den. Dann hät­ten nicht nur die Anwoh­ner Ruhe, son­dern auch alle Kin­der wie­der einen siche­ren und ange­neh­men Schul­weg.

Alles ande­re ist unfair. Nicht nur, weil es die Schü­ler in eine 2‑Klas­sen-Gesell­schaft aus Gebracht­wer­dern und Selbst­lau­fen­müs­sern ein­teilt, son­dern weil es auch eine bestimm­te Ver­kehrs­art bevor­zugt. Wie­so nicht die Kin­der auch mit dem E‑Roller zur Schu­le brin­gen und dabei an der Schul­steck­do­se gra­tis Strom tan­ken? Wann wer­den die ers­ten Mar­kie­run­gen für Eltern­flug­ta­xis auf dem Schul­dach gezo­gen? Und was ist mit Eltern, die ihre Kin­der lie­ber mit dem Boot brin­gen möch­ten? Klei­ner Tipp für die Stadt­schu­le, falls es dort nicht auch bald klappt mit der gewünsch­ten Eltern­ta­xi­zo­ne: Wenigs­tens schon mal einen Steg zur Westaue bau­en.

Ich jeden­falls fahr jetzt erst­mal mit dem Auto die 200 Meter zum Bröt­chen­ho­len.

Mit geh­fau­len Grü­ßen
Horst Koschin­sky


zuerst erschie­nen in Aue­post 10/2019

- Anzeige -
Buchhandlung Weber
2 Kommentare
  1. Karin H. sagt

    Was waren wir noch für Hel­den, konn­ten ganz allein zu Fuß zur Schu­le gehen!

    1. Grit Decker sagt

      Ich bin mit Sicher­heit kei­ne Anhän­ge­rin des „frü­her war alles bes­ser“!
      Doch auch ich den­ke mit einer gewis­sen Weh­mut zumin­dest an mei­ne Wege per Fuß­weg an mei­ne Schul­zeit zurück.
      Da komm’ ich schon irgend­wie ins Schwär­men…

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.