Horst Koschinsky zum Equal Pay Day

Gleiche Äpfel mit gleichen Birnen vergleichen!

Horst grantelt zum Equal Pay Day

Nennt mich einen dieser alten weißen Männer. Oder auch einfach einen reaktionären alten Sack. Kein Problem. Und vielleicht ist ein männlicher Berufsmeckerer wie ich tatsächlich nicht der ideale Ansprechpartner für Gender-Themen – aber es hat sich keine Frau für diese Kolumne gemeldet. Also muss ich doch wieder ran …

Witzige Aktion von den SPD-Frauen. Was mich beim Equal Pay Day aber stört, ist die wenig differenzierte Herangehensweise. Verdienen denn Frauen wirklich weniger, weil sie Frauen sind? Oder weil sie öfter Teilzeit arbeiten, weiterhin öfter die traditionelle Familienrolle übernehmen und sich für die Kinder aufopfern, während der Mann sich in Vollzeit für die Firma aufopfert? Oder weil sie öfter soziale Berufe wählen, die tendenziell eher schlecht bezahlt sind?

Müsste man nicht viel eher dort ansetzen, statt Männlein und Weiblein gegeneinander aufzurechnen? Was sagt wohl der stundenlang schuftende Geringverdiener-Mann, der sich da aus der Pendler-S-Bahn aus Hannover schleppt, wenn ihm jemand auch noch einen verstümmelten Keks vor die Nase hält?

Alle Arbeitnehmer sollten den gleichen Keks bekommen – und die Chefs (und Chefinnen!), die wissentlich unterschiedlich zahlen, gar keinen.

Aber mit Keksen allein wird man das Problem nicht in den Griff bekommen. Um wirklich etwas zu verändern, müssen nicht nur Männer und Frauen gleichen Lohn bekommen, sondern es müssen die unterbezahlten Jobs, die immer noch öfter von Frauen ergriffen werden, generell besser bezahlt werden. Mehr Geld für Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger, weniger Geld für Sportmillionäre und Topmanager. Davon profitieren dann sogar alle Geschlechter.

Ich jedenfalls kaufe mir jetzt erstmal geschlechtsneutrale Cookies.

Mit verkrümelnden Grüßen
Horst Koschinsky

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3 Kommentare
  1. Nina Göntgen meint

    Am einfachsten könnte man die Gerechtigkeit fördern in dem alle Firmen ihre Gehälter veröffentlichen müssen. Dann hat man sehr schnell einen Überblick darüber, wer wo zu wenig erhält. Denn auch die Teilzeitkraft müsste für den gleichen Verantwortungsbereich den gleichen Stundenlohn erhalten, wie der Vollzeitkollege.

  2. Grit Decker meint

    Wie gehabt:
    auch zu diesem Thema gibt’s etliche unterschiedliche Positionen und Sichtweisen. Und für jeden Standpunkt, der vertreten wird, lassen sich Pro- und Contra-Argumente finden.

    Nicht ausschließlich, weil ich eine Frau bin -womit ich grundsätzlich sehr einverstanden bin-, „mistet“ mich die seit jeher unterschiedliche Entlohnung für genau die gleiche Qualifikation und geleistete Arbeit mächtig an. Dazu muss ich keine „Kampf-Emanze“ sein.

    Nach meinem Dafürhalten sind die sattsam vorgetragenen Gründe, aus denen heraus wir „Weiber“ 😉 in einem Job weniger verdienen als die „Kerls“ 😉 Verar*** vom Feinsten.

    Ich kann (und will!) nicht verstehen, dass wir, weil wir z.B. Mutter werden -also mehr Ausfallzeiten als die Angehörigen des männlichen Geschlechts haben, in niedrigere Lohnklassen eingestuft werden.

    Besonders augenfällig ist dieses Ungleichgewicht in höheren Positionen. Dass (mich) das nicht erstaunt, liegt klar auf der Hand:
    Wir Frauen werden bei der Besetzung derartiger Stellen bis dato nicht angemessen berücksichtigt… *groll stinke sauer*

  3. Stefanie Kao meint

    Horst Koschinsky, die Herangehensweise in dem Artikel finde ich auch nicht sonderlich differenziert. Ja, Männer verdienen auch bei gleicher Qualifikation häufig mehr als Frauen.

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