Horst granteltKolumne

Horst Koschinsky sieht kein Licht mehr am Ende des SUVs

Ich will ein Auto und keinen Panzer

Koschinskys SUV

Okay, wir leben in Wunstorf, haben mit dem Fliegerhorst die Bundeswehr direkt vor der Haustür und Soldaten als Nachbarn. Aber müssen wir deswegen wirklich gleich alle auch privat einen Panzer fahren? Wenn in Wunstorf Autoschau in der Fußgängerzone oder dem Wirtschaftswochenende ist, dann stehen fast nur noch diese aufgeblasenen SUVs herum. Und die können meinetwegen auch gern noch viel länger rumstehen – ich will sie jedenfalls nicht.

Ich kann die Autohändler ja verstehen. SUVs verkaufen sich halt wie frische Brötchen von Hanisch. Es muss ja nicht gerade ein Kleinwagen sein, obwohl selbst die inzwischen in SUV-Optik gebaut werden. Es muss noch nicht mal ein Elektroauto sein. Aber ein ganz normales Auto? Eines, das nicht aussieht, als hätte jemand versucht, es aufzublasen und dabei vergessen, die Fenster ebenfalls zu vergrößern? Gibt es wirklich keine vernünftigen Fahrzeuge mehr?

Okay, Greta Thunberg hätte beinahe den Friedensnobelpreis bekommen – und Wunstorfer Autokäufer blasen das Klima durch den Auspuff und fahren die Lebensgrundlagen der künftigen Generationen über den Haufen. Aber das ist gar nicht mal das Hauptproblem: Tut mir leid, da mag das Fahrgefühl und das subjektive Sicherheits- und Ich-hab-den-Dicksten-Gefühl im Verkehr noch so toll sein … ich muss jedes Mal lachen, wenn ich diese lächerlich wirkenden Karosserien sehe. Vor allem, wenn hinterm Steuer ein kleinköpfiger Fahrer hockt, der den Gesamteindruck abgibt, als hätte man eine Murmel in einen Eierkarton gelegt.

Inzwischen komme ich aus dem Lachen kaum noch heraus, denn die Dinger stehen überall. 3 Tonnen Auto, damit die Mutti von nebenan ihre 2 Magermilchjoghurts sicher nach Hause fahren kann. Mitten in der Stadt. Mitten in Wunstorf. Der Stadt der tausend roten Ampeln. Der Stadt, wo die Durchschnittsgeschwindigkeit im fließenden Verkehr selten über 5 km/h beträgt.

Richtig lustig wird’s aber erst, wenn die Leute versuchen, mit ihren SUVs in die schmalen Wunstorfer Parklücken zu kommen. Ich warte jeden Tag darauf, jemanden zu sehen, wie er am Nordwall über die Heckklappe aussteigt.

Mit fetten Grüßen
Horst Koschinsky


Zuerst erschienen in Auepost 11/2019

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Horst Koschinsky

FREIER AUTOR. Mitunter miesepetrig und mit bissigen Kommentaren gesegnet. Im Herzen aber harmlos und liebenswürdig.

1 Kommentar

  1. Kann diese SUV-Manie auch nicht nachvollziehen, aber ändern kann ich es auch nicht, von daher: Mir doch egal! Zum letzten Satz: habe auch noch keinen über die Heckklappe aussteigen sehen, aber EINsteigen weil man dringend wieder weg muss sieht auch klasse aus wenn man feststellt: hätte ich den Kofferraum doch erst NACH dem einsteigen eingeräumt! ;-D

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