„Flieger-Horst“ Koschinsky schießt scharf

Zwi­schen Pan­zern und Pazi­fis­ten

Ja super, das Frei­bad in Bokel­oh ist end­lich wie­der offen – und dann komms­te nicht hin, weil gera­de halb Nie­der­sach­sen zum Bun­des­wehr­tag anreist.

Für die Bun­des­wehr war der Tag ein Rie­sen­er­folg – für Wunstorf lei­der eine Image­ka­ta­stro­phe. Wer’s bis jetzt noch nicht wuss­te, dem hat es sich spä­tes­tens an die­sem Wochen­en­de ins Hirn gebrannt: Wenn du durch Wunstorf willst, dann stehs­te gefühlt von Luthe bis an die hol­län­di­sche Gren­ze. Und von aus­wärts waren nicht weni­ge da, wenn ich mir die Num­mern­schil­der so anschaue. Sogar aus der Schweiz war jemand ange­reist.

Hät­te man mit der Bewer­bung zum Tag der Bun­des­wehr nicht war­ten kön­nen, bis die Nord­um­ge­hung gebaut ist? Die soll ja bald ste­hen, ver­spricht die Poli­tik. Nein, dar­auf will sich wohl auch die Bun­des­wehr nicht ver­las­sen.

Statt Frei­bad also Flie­ger­horst: Rent­ner, Jugend­li­che und Fami­li­en mit klei­nen Kin­dern stau­nen über Tech­nik und Strahl­kraft der Maschi­nen. Da kom­men mir dann doch Zwei­fel, ob die Frie­dens­ak­ti­vis­ten viel­leicht recht haben, wenn sie sagen, dass hier eine zu ein­sei­ti­ge Super-Wer­be­ver­an­stal­tung läuft, um neu­es Kano­nen­fut­ter für die Trup­pe zu gewin­nen. Da ist zwar der Vati, der mal Euro­figh­ter gucken gehen will und den Soh­ne­mann als Ali­bi nur mit­schleppt, im End­ef­fekt wer­den dann aber doch die Jüngs­ten fürs Mili­tär begeis­tert.

Beleh­run­gen brau­che ich aber auch nicht. Ja, die Bun­des­wehr ist kein Kanin­chen­züch­ter­ver­ein und der A 400 M ist, trotz anders­lau­ten­der Mel­dun­gen, durch­aus kein Feri­en­flie­ger. Wir sind zwar in Wunstorf, aber nicht völ­lig blö­de. Natür­lich ver­an­stal­tet die Bun­des­wehr die­sen Tag nicht nur, damit alte Säcke wie ich Flug­zeu­ge foto­gra­fie­ren kön­nen und alle einen schö­nen Tag haben. Son­dern macht knall­hart Mar­ke­ting. Aber ob sich jemand als jun­ger Mensch wirk­lich für eine Bun­des­wehr­kar­rie­re ent­schei­det, nur weil er mit den Eltern als Grund­schü­ler mal Flug­zeu­ge gucken war?

Da frag ich mich eher: Schnaps trin­ken und rau­chen darf man erst ab 18, und wenn du mit 20 Jah­ren eine Tank­stel­le über­fällst, wirst du immer noch wie ein Jugend­li­cher behan­delt. Aber zur Bun­des­wehr darf man schon mit 17? Und wenn die jun­gen Leu­te dann ihren Zeit­ver­trag unter­schrie­ben haben und an maro­dem Gerät aus­ge­bil­det wur­den, wer­den sie mit schlech­ter Aus­rüs­tung in Kri­sen­ge­bie­te geschickt. Aber für Bun­des­wehr­ta­ge wird das Geld raus­ge­hau­en.

Trotz­dem: Lasst die Leu­te selbst ent­schei­den und sich selbst infor­mie­ren – und ja, dazu gehört auch, mal auf Tuch­füh­lung mit der Trup­pe zu gehen, auch wenn ein Tag der offe­nen Tür bei schöns­tem Son­nen­schein natür­lich nicht die Rea­li­tät abbil­det. Und bit­te kei­ne nai­ven For­de­run­gen, den Flie­ger­horst dicht­zu­ma­chen. Denn dann wür­de der eben woan­ders gebaut. Für noch mehr Geld und mit noch mehr Belas­tun­gen für die Umwelt.

Eine Welt ohne Krieg ist eine schö­ne Uto­pie, aber lei­der nun mal welt­fremd. Bun­des­wehr abschaf­fen steht nicht zur Debat­te. Und die Ansicht, wir wären von Freun­den umge­ben, ist doch auch ein biss­chen kurz gedacht und ange­staubt. Sol­len die Freun­de dann allein die Arbeit machen, wenn Aggres­so­ren vor der Tür ste­hen? Die Mei­nung darf man ger­ne haben, aber man muss sie mir nicht als Hand­zet­tel ins Gesicht hal­ten. Und das auch noch im Russ­land-Fan-Shirt. Schö­ner kann man den Wider­spruch in der eige­nen Argu­men­ta­ti­on nicht zur Schau tra­gen.

Ach, noch was, lie­be Flie­ger­horst-Besu­cher, von denen ich dach­te, dass es sie nicht mehr gibt: Knall­kur­ze Her­ren­ho­sen und wei­ße Ten­nis­so­cken in San­da­len. Spä­tes­tens da wünsch ich mir einen Bun­des­wehr­ein­satz auch im Innern.

Mit mili­tä­ri­schem Gruß
Horst Koschin­sky

- Anzeige -

3 Kommentare
  1. Mike Scholle meint

    Ich wuss­te gar nicht, dass ihr auch Come­dy Bei­trä­ge ver­öf­fent­licht.

  2. Domenique Voigtländer meint

    Oh man das war jetzt mal ein tag so schlim…und alle pis­sen sich gleich ein…seit doch mal froh das in der toten stadt wunstorf über­haupt noch was los ist man man man

  3. Grit Decker meint

    Wie­der ein schö­ner Bei­trag vom „Grant­ler“.
    Und Erleich­te­rung über sei­ne Gruß-For­mu­lie­rung.

    Stellt’s Euch vor, er hät­te „Mit deut­schem Gruß“ gewählt:
    dann wohl nicht aus­schließ­lich bei mir ein ent­setz­tes AUA!

    Die­se höchst frag­wür­di­ge For­mel aus dunk­len- sehr dunk­len Zei­ten über­lässt Gran­tel-Horst dann dan­kens­wer­ter­wei­se den Rechts­po­pu­lis­ten…

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.