Kleinstadtkulinarik

Von Silvester, guten Vorsätzen, Glücksschweinen und glücklichen Schweinen

Spicy Dr. Pepper Pork

Neben vierblättrigem Kleeblatt, Schornsteinfeger und Fliegenpilz gehört auch das Schwein zur gängigen glücksverheißenden Silvesterdeko. Aber ob ein Schwein wirklich Glück bringt, ist heutzutage ja eine zu vernachlässigende Frage gegenüber der, ob das Schwein denn glücklich ist. Oder zumindest war, bis es auf unseren Tellern landet.

Ich bin, oder scheine zumindest, nicht wirklich zum Vegetarier geboren, auch wenn ich mir als Einzelperson und wir uns als Familie durchaus Gedanken machen um unseren Fleischkonsum und dessen Konsequenzen. Was ist denn die zweitbeste Lösung, wenn es gar nicht ohne geht? Wie sollte so ein Tier gelebt haben dürfen? Was wäre ein fairer Preis für sein Fleisch? Und wie bekomme ich es so klimaschonend wie möglich in den Kochtopf?

In dieser Hinsicht gab der Herbst 2019 einiges zu bedenken, denn der große Lebensmittelskandal bei einem Wurstwarenhersteller hat uns klar gezeigt, wohin uns unsere „Geiz ist geil“-Mentalität bringt. Ganz zu schweigen vom, auch oder gerade für Fleischesser nicht zu ignorierenden, Tierwohl. Wie gut haben wir es da doch, dass wir hier außerhalb der Großstadt ohne viel Aufwand bei Direktvermarktern, also landwirtschaftlichen Betrieben, unsere Wurst, Eier, Milch und Gemüse kaufen können. Wir sparen lange Transportwege (und eine Menge CO2), wissen, wo unser Essen herkommt (und wie es da ggf. gehalten wird), und der Landwirt wird für seine Erzeugnisse fairer entlohnt, als es Großabnehmer und Handelsketten tun.

Für mich klingt das schon mal ganz gut. Und wenn ich dann höre, dass ein alteingesessener Wunstorfer Fleischereibetrieb in Zukunft auf Strohschweine setzen will, dann kann ich den Fleischessern unter Ihnen auch gut und gerne meinen absoluten Menütipp für Silvester kredenzen: Spicy Dr. Pepper Pork! Das Rezept der texanischen Kochbuchautorin Ree Drummond ist ein absoluter Selbstgänger. Sowohl in der Zubereitung als auch im Geschmack. Ein Paar Burger-Buns dazu, ein Coleslaw (Krautsalat), eine gute BBQ-Sauce und ein bisschen Rucola und rote Zwiebeln als Topping und fertig ist die Laube. Und den Vegetariern unter ihren Silvester-Besuchern braten Sie einfach stattdessen ein paar der gefeierten veganen Burger aus dem Discounter um die Ecke und versprechen als Neujahrsvorsatz, die Reduzierung ihres Fleischkonsums ernsthaft in Angriff zu nehmen. Wenn man sich dafür ab und an mal richtig gutes Fleisch gönnen kann, tut es doch vielleicht gar nicht so weh, oder?

Spicy Dr. Pepper Pork (frei nach Ree Drummond)

Zutaten für ca. 10 Portionen:
1 ½ – 2 Kilo Stück Schweineschulter oder -nacken ohne Knochen
1 große Gemüsezwiebel
1 große Dose Tomaten
½ Glas Ajvar – scharf
3 EL brauner Zucker
½ Flasche BBQ-Sauce
½ Liter Dr. Pepper (ähnlich wie Cola, gibt es im Getränkeregal)
Salz und Pfeffer

1. Waschen Sie das Fleisch gründlich, tupfen Sie es trocken und reiben Sie es mit Salz und Pfeffer ein.
2. Zerteilen Sie die Gemüsezwiebel grob und geben Sie sie in einen Bräter mit Deckel. Darauf wird nun das Fleisch platziert.
3. Geben Sie die Tomaten über das Fleisch.
4. Verrühren Sie den braunen Zucker mit dem Ajvar und der BBQ-Sauce und geben Sie alles zusammen über das Fleisch (das kann nun über Nacht ziehen, oder Sie machen direkt weiter).
5. Zuletzt geben Sie ⅔ des Dr. Pepper über das Fleisch und stellen es für 6 Stunden bei 150 Grad Ober- und Unterhitze im verschlossenen Bräter in den Ofen. Schauen Sie ab und zu nach dem Fleisch und gießen Sie den verbliebenen Rest Dr. Pepper darüber. Es sollte immer Flüssigkeit im Bräter stehen. Am Ende der Garzeit können Sie das Fleisch mit zwei Gabeln auseinanderzupfen. Mischen Sie es dann mit der restlichen Flüssigkeit und lassen Sie es ruhig noch mal eine halbe Stunde im warmen Ofen ziehen.

Guten Appetit und einen guten Rutsch!

Dieser Beitrag erschien zuerst in Auepost 12/2019

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Vanessa Schön

Gestatten, Piepenkötter! Ich komme aus dem Internet. Also eigentlich aus Hagenburg, noch viel eigentlicher aus Klein Heidorn, aber irgendwie auch aus dem Internet. Jetzt zu Ihnen und generell eben auch. Noch mehr von Frau Piepenkötter gibt es unter www.frau-piepenkoetter.de.

1 Kommentar

  1. Auch wenn ich auf etliches achte, um zumindest ansatzweise umweltschonend zu leben, so wird aus keine echte “Grüne” werden, allein aus dem Grund, dass ich bekennende Fleisch-Esserin bin, obwohl ich meinen Konsum durchaus eingeschränkt habe.

    Ich kann und will #Vanessa Schön bezüglich des Kaufs vom “Fleisch auf dem (unserem) Teller” voll zustimmen.
    ABER: so einfach wie #Vanessa schreibt, ist es nicht mit dem Kauf von Fleisch, welches sich am Tierwohl ausrichtet.

    Warum?
    1. In den Discountern und Supermärkten entsprechende Produkte zu kaufen, kommt zumindest für mich aufgrund der gigantisch hohen Margen nicht infrage, bei den Öko-Bauerinnen und -bauern kommt kaum etwas von dem Geld an.
    2. Ich habe auf einem der Ökologischen Märkte in Steinhude direkt beim Erzeuger gutes Fleisch gekauft.
    Zu einem Preis, der dem in den Lebensmittelgeschäftem sehr nahe kommt.
    Mir ist durchaus bewusst, dass ökologisch vernünftige Tierhaltung mit einem hohen finanziellen Aufwand verbunden ist.

    Ich habe überhaupt nichts dagegen, für gutes Fleisch einen höheren Preis zu bezahlen, doch nicht zuletzt wegen des mir zur Verfügung stehenden geringen Budgets sind bei den nicht zu Unrecht geforderten Beträgen für mich das Machbare überschritten.

    Ich will nicht auf Fleisch verzichten.
    So werde ich mal die im Artikel erwähnte Fleischerei (wir werden wohl alle wissen, welches Geschäft #Vanessa meint) “antesten”, in Hoffnung darauf, dass die Produkte dem Tierwohl mehr als “Ware von der Stange” entsprechen und dennoch für mich und anderen mit eher kleinem Portemonnaie bezahlbar sind.

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