Meine „McBestellung“ – Wunstorfs Schnellrestaurants werden immer effizienter

Horst grantelt: Meine „McBestellung“ – Wunstorfs Schnellrestaurants werden immer effizienter

Früher war alles ganz einfach, wenn man ins Schnellrestaurant ging: Ran an die Theke, Bestellung vortragen, bezahlen, fertig. Meinetwegen auch mit dem Auto durch den Drive-in, wenn man wirklich gar keine Kalorien durch lästiges Aussteigen zu verschwenden hatte. Inzwischen braucht man aber wohl so eine Art Burger-Führerschein.

Bei Burger King sehe ich dauernd Leute, die den Mitarbeitern ihr Smartphone ins Gesicht halten. Kein „Guten Tag“, kein „Hallo“, da wird kein einziges Wort mehr gewechselt, einfach nur der Gutschein-Code abgelesen, und kurz darauf wird das Essen hingestellt. Wie die Zombies. Auch beim Wunstorfer McDonald’s hat nun der Fortschritt Einzug gehalten, denn gegenüber vom Jobcenter wurde nicht nur renoviert (wer hat euch erzählt, dass Violett und Gelb eine harmonische Farbkombination sind?), sondern auch ein neues Thekensystem eingeführt: Vor einigen Jahren standen die ersten Prototypen in Berlin, nun sind sie auch an der Aue angekommen: Bestell-Terminals, die wie übergroße Smartphone-Displays wirken, an denen sich jeder sein Wunschmenü zusammenstellen und auch gleich bezahlen kann. An der Theke wird dann mit der ausgedruckten Nummer das Essen nur noch abgeholt.

Alternativ kann man auch weiterhin an der Theke bestellen, doch die ist nun streng geteilt: Rechts nur noch bestellen, links nur noch abholen. Henry Ford hätte sich das nicht besser ausdenken können. Burgerbestellungsabfertigung wie am Fließband. Das „McDrive“-Prinzip gilt damit jetzt auch für Fußgänger: Bestellt und abgeholt wird an verschiedenen Stationen. Viel geordneter und effizienter werden die Massen so zum Abfüttern durchgeschleust. Keine fünf Schlangen mehr, in der trotzdem jeder unzufrieden ist, weil es bei der Schlange nebenan doch schneller vorangeht. Und Oma Ilse bremst nicht mehr alles aus, weil sie bei der Bestellung erst die Lesebrille rauskramen, sich zwischen gefühlten 200 Nugget-Soßen entscheiden und am Ende das Kleingeld passend abzählen muss.

Diese Rationalisierung, bei der der Kunde immer mehr zum ehrenamtlichen Mitarbeiter wird, sollte man aus Prinzip hassen. Nicht nur das leere Tablett selbst wegbringen, sondern nun auch noch selbst die Bestellung zusammenstellen und sich selbst abkassieren. Aber wissen Sie was? Ich find’s genial. Am Terminal in Ruhe aussuchen, was man wirklich haben will, ohne die Ungeduld der Leute im Rücken zu spüren. Keine Bestellungen mit Händen und Füßen mehr, wenn die Sprachkenntnisse hinter der Theke nur bis „Ketchup oder Mayo?“ reichen. Keine vergesssenen Teile mehr, weil ein Mitarbeiter zwischen Kasse, Pommesbecken, Burgerrutsche und schon dem nächsten Kunden hin- und herjongliert.

Nur an die Vorstellung, dass vor mir schon alle anderen auf den Terminals rumgetatscht haben, bevor sie sich ebenfalls mit denselben Fingern ihren Burger reinschieben, muss ich mich noch gewöhnen. Und schneller kommt die Bestellung dadurch irgendwie auch nicht, man wartet jetzt nur woanders. Ihr habt durch das neue System doch nicht etwa Personal eingespart?

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