Hannover 96 – Fortuna Düsseldorf 0:1

Geschenke zu Weihnachten? Leider nicht im Spiel gegen Düsseldorf

Miguels Kabinenpredigt

Han­no­ver (mj). Sams­tag, 22. Dezem­ber 2018. Kurz vor Hei­lig­abend. Ein Tag, an dem Spie­ler im 96-Dress vor­zei­tig Geschen­ke an den Groß­teil der 32.000 Fans im Sta­di­on hät­ten ver­tei­len kön­nen. Das weih­nacht­li­che Bemü­hen sah man den Spie­lern und auch den Fans selbst auf den Rän­gen an, es fehl­te jedoch lei­der am Ver­mö­gen für die­ses Vor­ha­ben.

Tat­säch­lich! Die mit­ge­reis­ten Düs­sel­dor­fer Fans bewie­sen, was ver­gan­ge­ne Woche den Münch­ner Fans auf den Rän­gen vor­ge­wor­fen wer­den konn­te. Näm­lich dass letz­te­re nicht für ihre laut­star­ke Stim­mung berühmt sind. Die Düs­sel­dor­fer hiel­ten bereits wäh­rend der warm­ma­chen­den Übungs­ein­hei­ten der Spie­ler ordent­lich gegen die laut­star­ke Han­no­ve­ra­ner Nord­kur­ve gegen. Als Auf­stei­ger mit zwei vor­aus­ge­gan­ge­nen Sie­gen im Gepäck fiel dies den rot-wei­ßen Anhän­gern sicher­lich auch etwas leich­ter als den schwarz-weiß-grü­nen. Mit dem Druck zum Sie­gen ver­dammt zu sein, wenn man die Weih­nachts­fei­er­ta­ge ohne Trai­ning ver­le­ben möch­te (Dro­hung des Chef­trai­ners bei weni­ger als drei Punk­ten aus den letz­ten bei­den Spie­len des Jah­res), merk­te man den 96ern wie schon gegen Frei­burg an, dass sie unbe­dingt mal wie­der einen Sieg von Nahem sehen woll­ten.

Auch die Fans auf den Rän­gen waren vor allem im Gegen­satz zum Spiel gegen die Münch­ner Bay­ern fro­he­ren und lau­te­ren Mutes, dass an die­sem Tag etwas sel­ten Gewor­de­nes gelin­gen könn­te – gegen einen direk­ten Kon­tra­hen­ten um den zu ver­hin­dern­den Abstieg, einem fri­schen Auf­stei­ger mit einem Team, das nicht zur Kader­spit­ze der Liga gehört.

Überragende Laufleistung des Cheftrainers

In der ers­ten Spiel­hälf­te sah man auf dem Platz eine gewis­se Über­le­gen­heit der 96er. Deut­lich mehr Ball­be­sitz, ver­meint­lich mehr gewon­ne­ne Zwei­kämp­fe und deut­lich mehr Schüs­se aufs geg­ne­ri­sche Tor – und das obwohl über Top-Stür­mer Niclas Füll­krug nur ein Tag zuvor die Mit­tei­lung her­aus­kam, dass er für den Rest der Sai­son auf Grund einer Knie­ver­let­zung aus­fie­le. Vor allem Über­ra­schung-New­co­mer Hen­drik Wey­d­andt über­zeug­te mit viel Lauf­wil­len und einem deut­li­chen Drang zum Tor – lei­der jedoch nicht all­zu sehr mit gewon­ne­nen Zwei­kämp­fen. Han­no­ver ließ sehr wenig von der Offen­si­ve der Düs­sel­dor­fer zu und konn­te selbst gele­gent­lich vor.dem geg­ne­ri­schen Tor auf­tau­chen. Eine Groß-Chan­ce ent­wi­ckel­te die ins­ge­samt (in den letz­ten Spie­len immer mehr zu Tage tre­ten­de) unkrea­ti­ve Offen­si­ve aber nicht. Wey­d­andt und Wood lie­fen viel, konn­ten Bäl­le in gefähr­li­chen Regio­nen aber kaum fest­ma­chen. Hara­gu­chi und Albor­noz lie­fen viel über die Flü­gel, brach­ten Flan­ken (vor allem von Albor­noz geschla­gen) fast nie an den Mann.

Am meis­ten Lauf­ki­lo­me­ter riss dabei mit Abstand Chef­trai­ner André Brei­ten­rei­ter ab.

Der Jun­ge Flo­rent Mus­li­ja, der heu­te auf der 10er-Posi­ton wir­beln durf­te, trau­te sich das ein oder ande­re Mal ein Dribb­ling zu, brach­te aber nahe­zu kei­nes die­ser durch. Am meis­ten Lauf­ki­lo­me­ter riss dabei mit Abstand Chef­trai­ner André Brei­ten­rei­ter ab. Wie oft die­ser inner­halb sei­ner „Coa­ching-Zone“ zum Spiel­feld­rand, auf sei­nen Platz auf der Bank und wie­der zurück zum Spiel­feld­rand lief, dabei manch­mal ruhig beob­ach­te­te, manch­mal wild ges­ti­ku­lier­te, ist nur schwer mit­zu­zäh­len gewe­sen.

In der zwei­ten Spiel­hälf­te änder­te sich das Spiel auf dem Platz ein wenig zu Unguns­ten der Han­no­ve­ra­ner. Wäh­rend Düs­sel­dorf defen­siv wei­ter­hin äußerst gut stand und die Han­no­ve­ra­ner nach wie vor nicht mit Krea­ti­vi­tät auf­war­ten konn­ten, wur­de die Düs­sel­dor­fer Offen­si­ve stär­ker. Allen vor­an Ken­an Kara­man, letz­te Sai­son noch in den Rei­hen der 96er, der zwar nicht unbe­dingt spie­le­risch glänz­te, aber zwei, drei Mal plötz­lich gefähr­lich vor dem Han­no­ve­ra­ner Tor auf­tauch­te. Mit Micha­el Esser im Tor hat­te man auf den Rän­gen aber zu kei­nem Moment das Gefühl, dass heu­te ein Gegen­tor fal­len könn­te. Die Hoff­nung, dass 96 selbst ein mitt­ler­wei­le eher glück­li­ches Tor schie­ßen könn­te, hielt dabei an.

Schockstarre trotz angenehm winterlicher Temperaturen

Dann gelang doch noch der berühm­te „Lucky Punch“ – jedoch für die aus Han­no­ve­ra­ner Sicht fal­sche Mann­schaft. Micha­el Esser brach­te bei einem von hin­ten her­aus auf­bau­en­den Pass in der 92. Minu­te den Ball direkt in die Füße der Düs­sel­dor­fer, die dar­auf­hin rasch umschal­te­ten. Die 96-Defen­si­ve atta­ckier­te Oli­ver Fink nicht beherzt genug und ermög­lich­te ihm so eine her­vor­ra­gen­de Schuss­po­si­ti­on. Leicht abge­fälscht, zap­pel­te der Ball im rech­ten unte­ren Eck, wobei Micha­el Esser gera­de in die­ser Sekun­de sei­ne her­vor­ra­gen­den Refle­xe auf der Linie ver­mis­sen ließ. Völ­lig über­rascht von die­sem spä­ten Rück­stand starr­ten alle 96-Spie­ler auf dem Platz weg­ge­tre­ten umher, wäh­rend die gesam­te Düs­sel­dor­fer Mann­schaft wie wild zur Ein­wech­sel­bank stürm­te und zusam­men fei­er­te. Ein Bild, das man auf der ande­ren Sei­te der Mit­tel­li­nie sehr sehr lan­ge nicht mehr sehen konn­te.

Die­se Schock­star­re der 96er lös­te sich auch nicht, als der Ball für zwei wei­te­re Minu­ten wie­der roll­te. Anstatt jeden Ball hoch auf den 1,95 Meter gro­ßen Wey­d­andt ins Zen­trum des geg­ne­ri­schen 16ers zu schla­gen, wur­de sich der Ball teil­wei­se unbe­hol­fen in der mitt­ler­wei­le umge­stell­ten Vie­rer­ket­te hin- und her­ge­scho­ben. Das gan­ze Aus­maß der letz­ten Wochen zeig­te sich im anschlie­ßen­den Moment des Abpfiffs. Jeder Spie­ler der Han­no­ve­ra­ner auf dem Platz stand allein, jeder in einer indi­vi­du­el­len Ges­te der Ver­zweif­lung, die alle das­sel­be aus­sag­ten: „Wir rei­ben uns jede Woche 90 Minu­ten auf. Mal mehr und mal weni­ger mit­ein­an­der, mal mehr und mal weni­ger für uns allein. In kei­nem Spiel wer­den wir belohnt und in kei­nem Spiel haben wir das Glück auf unse­rer Sei­te.“

Man merk­te es den Spie­lern an, dass sie sich nach einem Sieg ver­zeh­ren, aber nicht mehr so recht wis­sen, wie die­ser errun­gen wer­den könn­te. Auch die Fans auf den Rän­gen, die in ihrer Spiel-Ana­ly­se tra­di­tio­nell sehr schnell und meist sehr selbst­si­cher in der Ermitt­lung der Grün­de für Tal­fahr­ten oder Nie­der­la­gen sind, wis­sen lang­sam aber sicher kei­nen Rat mehr, wo eben­je­ne Grün­de zu fin­den sind. Das ein­zig Gute an die­ser gesam­ten Situa­ti­on bleibt, dass man trotz erst zwei­er Sie­ge in die­ser Spiel­zeit „nur“ drei Punk­te Abstand auf den Rele­ga­ti­ons­platz und somit momen­tan auf Stutt­gart hat und auch nicht den letz­ten Platz der Tabel­le beklei­det. Ob äuße­re Fak­to­ren – wie Trai­ner­wech­sel oder Spie­ler­trans­fers – oder inne­re Fak­to­ren – wie Team­buil­ding­maß­nah­men oder tak­ti­sche Umstel­lun­gen – die­se Mann­schaft wie­der auf die Erfolgs­spur füh­ren kön­nen, wird die Zeit und auch die Füh­rungs­rie­ge von Han­no­ver 96 zei­gen müs­sen.

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