Hannover 96 – FC Bayern München 0:4

Bayerns zwölfter Streich

Die Bayern in Hannover, an einem Samstag, nur eineinhalb Wochen vor Weihnachten. Das bedeutet nicht nur eine rappelvolle Innenstadt, sondern auch eine ausverkaufte HDI-Arena. Deren Besucher konnten bei diesem Heimspiel von Hannover 96 ein Spiel beobachten, dessen Ausgang zu keiner Sekunde unklar gewesen war.

Miguels Kabinenpredigt

Han­no­ver (mj). Wie immer, wenn der FC Bay­ern Mün­chen in Han­no­ver zu Gast ist, durch­mi­schen sich Tri­bü­nen­plät­ze im rot-roten Gewand, sodass nur schwer zu sagen ist, wie vie­le Anhän­ger wel­cher Sei­te wo zu fin­den sind. So zer­setz­te die­ser Umstand auch beim heu­ti­gen Heim­spiel die Stim­mung der Rän­ge außer­halb der Nord­kur­ve. Wäh­rend die Fans der Nord­kur­ve man­tra­ar­tig und ergeb­nis­un­ab­hän­gig ihre Gesän­ge bei­tru­gen (jedoch zu kei­ner Zeit mit dem Enthu­si­as­mus glän­zen­de­rer Tage), blie­ben die übri­gen Rän­ge aus Han­no­ve­ra­ner Sicht rela­tiv ruhig. Aber auch die Bay­ern-Fans wur­den ihrem Ruf gerecht. Wäh­rend die Süd­kur­ve bei Spie­len gegen Dort­mund oder Schal­ke ähn­lich stark von Fans der Gäs­te fre­quen­tiert ist, gibt es bei den Bay­ern einen deut­li­chen, akus­ti­schen Unter­schied. Bei Spie­len gegen Dort­mund oder Schal­ke kann man im Klang tau­sen­der vehe­ment tönen­der Stim­men baden, sodass man auch als Han­no­ve­ra­ner eine Gän­se­haut bekom­men kann. Die mit­ge­reis­ten Fans der Münch­ner Bay­ern im klar abge­trenn­ten Gäs­te­block klan­gen wei­te Stre­cken hin­weg wie an Spiel­ta­gen, an denen ein paar Fans aus Greu­ter Fürth, Darm­stadt oder Ingol­stadt ihren Weg in die HDI-Are­na fan­den. Die übri­gen, im Sta­di­on ver­teil­ten Münch­ner Fans hiel­ten ihre Unter­stüt­zung dezent zurück und war­te­ten, bis ihr Team ihren Erwar­tun­gen ent­spre­chend lie­fer­te. Erst dann reagier­ten sie das ein oder ande­re Mal auf ihre zwei bis drei bekann­ten Fan­ge­sang-Schla­ger und stimm­ten enthu­si­as­ti­scher sowie stimm­ge­wal­ti­ger ein.

Ein Spiel wie im DFB-Pokal – Kleiner gegen Großer

Auf dem Platz war am 15. Dezem­ber ein deut­li­cher Klas­sen­un­ter­schied zu erken­nen. Aus neu­tra­ler Sicht konn­te man Gefal­len an der Spiel­freu­de, dem Tem­po, der Chan­cen­viel­falt, der Ruhe am Ball, dem Pass­spiel und – vor allem ande­ren – der tech­ni­schen Sicher­heit und Fines­se der Münch­ner Bay­ern fin­den. Aus Han­no­ve­ra­ner Sicht war der Man­gel all des­sen im Spiel der 96er jedoch schwe­rer mit anzu­se­hen. Man kann im Nach­hin­ein schwer sagen, dass Han­no­ver tat­säch­lich ein schlech­tes Spiel gemacht habe, wenn man fol­gen­de Aspek­te mit­ein­be­zieht: man spielt gegen den FC Bay­ern, ein Team vol­ler Stars auf ihrem fuß­bal­le­ri­schen Gebiet, gegen die man in den letz­ten 11 Par­ti­en jedes Mal ver­lo­ren hat­te. Man steht selbst gera­de auf dem vor­letz­ten Platz, in der bekann­ten schwe­ren zwei­ten Sai­son nach einem Auf­stieg. Man ist in einem Abwärts- oder viel­mehr einem Erfolgs­lo­sig­keits-Trend gefan­gen, zu dem sich auch noch unglück­li­che Situa­tio­nen (bspw. der unge­recht­fer­tig­te Elf­me­ter zum Aus­gleich in der vori­gen Woche gegen Mainz) dazu­ge­sel­len. Man hat so man­ches Ver­let­zungs­pech weg­zu­ste­cken (bspw. Bebou, der bis zur Rück­run­de aus­fällt). All dies berück­sich­tigt, hat Han­no­ver 96 ein den Umstän­den ent­spre­chen­des Spiel gezeigt. Micha­el Esser hielt eini­ge Tor­schüs­se der Münch­ner auf her­aus­ra­gen­de Wei­se, zeig­te sich aber im Spiel­auf­bau und bei Abschlä­gen nahe­zu nach­läs­sig – was auf den Rän­gen zu wie­der­hol­tem Auf­stöh­nen führ­te. Die Innen­ver­tei­di­ger Feli­pe, Wim­mer, Anton und spä­ter Elez war­fen sich in die Zwei­kämp­fe und müh­ten sich gegen die Münch­ner Offen­si­ve ab. Sie mach­ten aber selbst­ver­ständ­lich den ein oder ande­ren Feh­ler, der auf dem geg­ne­ri­schen Niveau sofort bestraft wur­de. Gen­ki Hara­gu­chi zeig­te, dass ihm der rech­te defen­si­ve­re Flü­gel mehr und mehr liegt, indem er manch ein erfolg­rei­ches und ziel­stre­bi­ges Dribb­ling ansetz­te. Ande­rer­seits hat­te er aber im eins gegen eins mit Kings­ley Coman – der beein­dru­ckends­te Münch­ner an die­sem Tag – nur sel­ten eine ech­te Chan­ce. Schweg­ler und Walace beacker­ten den Rasen regel­recht und waren fast über­all auf dem Platz zu fin­den. Genia­le Offen­siv­mo­men­te wie die der Bay­ern konn­ten sie jedoch nicht kre­ieren. Die Dop­pel­spit­ze mit Niclas Füll­krug und Hen­drik Wey­d­andt lief die bay­ri­sche Defen­si­ve durch­weg inten­siv an, ver­such­ten lan­ge Bäl­le fest zu machen und acker­ten auch für etwai­ge Bal­ler­obe­run­gen zurück in die Defen­si­ve. Tor­chan­cen? Ein Kopf­ball von Hen­drik Wey­d­andt.

Taktische Veränderungen ohne jegliche Auswirkung

Auch André Brei­ten­rei­ter ver­such­te durch sei­ne tak­ti­schen Ide­en auf das Spiel ein­zu­wir­ken. Er begann das Spiel mit zwei unter­schied­li­chen For­ma­tio­nen: einem 5–3‑2 wenn die Bay­ern in Ball­be­sitz waren, wobei dann Asa­no, Walace und Schweg­ler das defen­si­ve Mit­tel­feld besetz­ten, und einem 3–4‑3 in der eige­nen Vor­wärts­be­we­gung (nun mit Asa­no als drit­te Spit­ze und den Außen­ver­tei­di­gern als Flü­gel­spie­ler). Nach der Halb­zeit­pau­se wech­sel­te er mit Lin­ton Mai­na für Taku­ma Asa­no zu einem 4–4‑2 und nach dem vier­ten Tref­fer zu einem defen­siv sta­bi­le­ren 5–4‑1-System. Bei der Leis­tung der Spie­ler auf dem Platz haben die tak­ti­schen Knif­fe jedoch zu kei­nem Moment eine Aus­wir­kung auf den Spiel­ver­lauf gehabt. Denn ein Umstand konn­te der Mann­schaft an die­sem Sams­tag ganz klar vor­ge­wor­fen wer­den: der man­geln­de Ein­satz in den Zwei­kämp­fen. Natür­lich rennt man den Bay­ern die meis­te Zeit auf dem Platz hin­ter­her. Aber wenn man im sel­te­nen Fal­le mal die Gele­gen­heit bekommt, sich um einen Ball strei­ten zu kön­nen, dann soll­te man dies gegen die Bay­ern mit volls­tem Ein­satz und volls­ter Über­zeu­gung tun. Genau die­se Din­ge waren auf dem Platz auf Han­no­ve­ra­ner Sei­te nicht zu beob­ach­ten. Dass Han­no­ver so ver­liert, war dem­nach von den ers­ten Minu­ten an klar. Dass Han­no­ver so hoch ver­liert, war im Kon­text der letz­ten Wochen auch wie­der ein Quänt­chen Glück. Der FC Bay­ern Mün­chen zeig­te näm­lich eine spie­le­ri­sche Vor­stel­lung, die ihnen in die­ser Sai­son bis­lang erst sel­ten gelun­gen war. Dar­an trägt Han­no­ver 96 natür­lich eine gewis­se Mit­schuld – aber die in die­ser Sai­son des öfte­ren zu Tage tre­ten­de Wan­kel­mü­tig­keit der Bay­ern der letz­ten Mona­te (wie gegen Düs­sel­dorf oder Frei­burg) begeg­ne­te den 96ern lei­der nicht.

Auch die auf den Rän­gen laut­hals als unzu­rei­chend quit­tier­te Leis­tung des Schieds­rich­ters war lei­der nicht der Fak­tor die­ser heu­ti­gen Nie­der­la­ge, son­dern viel­mehr eine Mög­lich­keit den Frust über das Spiel aus 96-Sicht zum Aus­druck zu brin­gen. Und so bleibt nur zu hof­fen, dass irgend­wo im Han­no­ve­ra­ner Köcher noch Pfei­le ste­cken, die in den bei­den letz­ten Spie­len der Hin­run­de gegen Frei­burg und Düs­sel­dorf zu zähl­ba­ren Tref­fern füh­ren.

- Anzeige -

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.