Hannover 96 – Eintracht Frankfurt 0:3

Ein Ergebnis, das nicht das Spiel, sondern individuelle Klasse abbildet

Miguels Kabinenpredigt

Perfektes Wetter, ein ordentlich besuchtes Stadion, eine ausgezeichnete Stimmung, Kampf, Leidenschaft und schöne Spielzüge. Am Sonntag bekam man in der HDI-Arena das volle Paket. Lediglich das Ergebnis stimmte aus 96-Sicht nicht.

Han­no­ver (mj). Der fuß­ball­be­geis­ter­te Zuschau­er hat­te vor dem Spiel wenig Grund zur Freu­de, wenn er sich auf dem Weg Rich­tung Masch­see befand. Im letz­ten Heim­spiel wur­den zwar lang­ersehn­te drei Punk­te ein­ge­fah­ren – jedoch gegen die meis­te Zeit zu zehnt spie­len­de Nürn­ber­ger, die momen­tan fuß­bal­le­risch in der­sel­ben Attrak­ti­vi­täts­ka­te­go­rie wie Han­no­ver 96 zu suchen sind. Im Aus­wärts­spiel gegen Hof­fen­heim vor einer Woche wäre man haus­hoch abge­schos­sen wor­den, wür­de nicht Micha­el Esser nach wie vor glau­ben, dass er sich für die Natio­nal­mann­schaft bewer­ben kön­ne und so regel­mä­ßig Cham­pi­ons-League-Niveau an den Tag legt. Die strah­len­de Son­ne samt blau­em Him­mel bis zum Hori­zont ließ die vor­herr­schen­de Furcht der Fans, die vom Water­loo­bier­gar­ten, von der Masch­see­pro­me­na­de oder von der Sta­di­on­brü­cke aus auf die Are­na zupil­ger­ten, vor der Frank­fur­ter Offen­si­ve und dem womög­lich erneut zu beob­ach­ten­den Klas­sen­un­ter­schied etwas auf­hel­len.

Unverhoffte Augenhöhe

Und auf ein­mal trau­ten die Zuschau­er auf den Rän­gen ihren Augen nicht mehr. Die in rot geklei­de­ten 96er zeig­ten einen gegen über­le­gen ein­zu­schät­zen­de Frank­fur­ter muti­gen und ein­satz­freu­di­gen Offen­siv­fuß­ball. Nichts von der Ide­en­lo­sig­keit der ver­gan­ge­nen Wochen, nichts mit dem ängst­li­chen Hin-und-her-Geschie­be in der eige­nen Abwehr­rei­he und nur sel­te­ne Ball­ver­lus­te in den ers­ten Minu­ten.

Duracell-Hase Doll, der auch heu­te wie­der die Coa­ching­zo­ne durch­pflüg­te, stell­te über­ra­schend offen­siv und tem­po­ba­siert auf. Neben den Antrei­bern Baka­lorz und Schweg­ler mar­schier­ten Ost­rzo­lek und Hara­gu­chi über den defen­si­ven wie offen­si­ven Flü­gel. Im Offen­siv­ver­bund rotier­ten Mül­ler, Wey­d­andt und Asa­no um die Wet­te. In dem 5–3‑2- (in der Defen­si­ve) bzw. 3–4‑3-System (in der Offen­si­ve) fiel vor allem Hara­gu­chi mit sehr ansehn­li­chen und größ­ten­teils effek­ti­ven Dribb­lings und Ball­be­haup­tun­gen auf. Bereits in der Hin­run­de zeig­te er auf dem defen­si­ven Flü­gel sei­ne bes­ten Auf­trit­te, scheint aber mit dem Asi­en-Cup und dem Trai­ner­wech­sel end­lich sein eigent­li­ches Poten­ti­al abru­fen zu kön­nen. So agier­te Han­no­ver 96 vor allem in der ers­ten Hälf­te – teils auch in der zwei­ten – abso­lut auf Augen­hö­he. Die drei Tore, die sich Han­no­ver in den weni­gen Momen­ten, in denen die sonst stark agie­ren­de Drei­er­ket­te um Wim­mer, Anton und Feli­pe des­ori­en­tiert wirk­te, ein­fing, spie­gelt die Leis­tung von 96 kei­nes­falls wider.

HDI-Arena-Einlass
Ein­lass zum Spiel gegen Frank­furt | Foto: Miguel San­chez

Gewon­nen hat am heu­ti­gen Sonn­tag die indi­vi­du­el­le Klas­se der Frank­fur­ter rund um ihre Offen­siv­macht Jovic, Rebic und Hal­ler, die mit drei schnell und ziel­stre­big vor­ge­tra­ge­nen Aktio­nen drei Tref­fer erziel­ten. Rund drei wei­te­re hielt Micha­el Esser in für ihn mitt­ler­wei­le typi­scher Welt­klas­se-Manier.

Leistung = Stimmung

Die Stim­mung im Sta­di­on zeich­ne­te sich vor allem in der ers­ten Halb­zeit als über­ra­schend gut ab. Stimm­ge­wal­ti­ge Frank­fur­ter tru­gen ihren Teil dazu bei, wäh­rend der Rest des Publi­kums von dem Gesicht, dass die Mann­schaft auf dem Platz zeig­te mit­ge­ris­sen wur­de. Das mitt­ler­wei­le fra­gi­le Kon­strukt der Fan­be­geis­te­rung in schwarz-weiß-grün wur­de jedoch durch die mehr als ärger­li­chen Gegen­tref­fer Stück für Stück abge­tra­gen, bis am Ende das übli­che Bild zu sehen war: Nie­der­ge­schla­ge­ne Spie­ler in rot auf dem Platz, schon zahl­reich geleer­te Tri­bü­nen­plät­ze, aber immer­hin ein aner­ken­nen­der Applaus der noch ver­blie­be­nen Fans im Sta­di­on.

Hoffnung auf Attraktivität, nicht auf den Klassenerhalt

Wenn man die Ohren im Sta­di­on spitzt, hört man, dass es für die meis­ten Fans als sicher gilt, dass Han­no­ver 96 am Ende der Sai­son abstei­gen wird. Wenn man ehr­lich ist, wird der heu­ti­ge Auf­tritt die­se Ver­mu­tung bei den Wenigs­ten wider­le­gen, doch geht man viel­leicht wie­der etwas beschwing­ter ins Sta­di­on, wenn einem solch attrak­ti­ver und auch beherz­ter Fuß­ball gezeigt wird. Zudem muss man sich bewusst machen, dass Han­no­ver 96 seit vie­len Wochen mit einer B‑Besetzung in der Offen­si­ve spielt. Kein Füll­krug, kein Saren­ren-Bazee, kein Mai­na, kein Bebou. Zumin­dest die bei­den Letzt­ge­nann­ten keh­ren in abseh­ba­rer Zeit zurück, wodurch sich das Ver­gnü­gen beim Zuse­hen eines Spiels von Han­no­ver 96 even­tu­ell noch stei­gern lässt. Vor­aus­ge­setzt, Han­no­ver trägt auch in den nächs­ten Wochen das Gesicht wie im jet­zi­gen Spiel gegen Frank­furt: eines mit Lei­den­schaft und Spiel­freu­de im Blick.

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