Hannover 96 – 1. FC Nürnberg 2:0

Kein geplatzter Knoten – aber vielleicht ein angeschnittener?

Miguels Kabinenpredigt

Han­no­ver (mj). Bereits in der Stra­ßen­bahn wur­de via Nach­rich­ten­bild­schirm ver­sucht, das Han­no­ve­ra­ner Fan­herz für das Heim­spiel gegen den direk­ten Kel­ler-Kon­kur­ren­ten aus Nürn­berg zu gewin­nen. Man sol­le gemein­sam mit der Mann­schaft auf dem Platz für den lang­ersehn­ten Heim­sieg im eige­nen Sta­di­on kämp­fen und sie anfeu­ern. Auch die Sta­di­on­spre­cher in der HDI Are­na schwo­ren auf das „Spit­zen­spiel“ der unte­ren Kel­ler­re­gio­nen ein – jedoch ohne dass dies das besag­te Fan­herz tat­säch­lich zu berüh­ren ver­moch­te. Dies gelang aus­schließ­lich einem klei­nen roten Papp­kar­ton aus der Tasche eines ganz in schwarz geklei­de­ten Man­nes.

Zuschau­er, die eine hal­be Stun­de vor Anpfiff das Sta­di­on betra­ten, muss­ten sich am Sams­tag so füh­len, als ob das Spiel bereits abge­pfif­fen wäre. Die Rän­ge zeig­ten im gesam­ten Sta­di­on mal klei­ne­re, zum Teil aber auch sehr gro­ße Lücken, die sich teil­wei­se erst kurz vor Anpfiff zu ins­ge­samt ca. 34.000 Zuschau­ern schlos­sen.

Dass es den­noch ein beson­de­res Spiel mit­ten im Abstiegs­kampf der Bun­des­li­ga war, zeig­te auch die auf­ge­heiz­te Stim­mung im Gäs­te­block. Dort wur­den kurz vor Anpfiff Rauch­ben­ga­los gezün­det, die zunächst die Süd­tri­bü­ne ein­hüll­ten. Im Lau­fe des Spiels kom­plet­tier­ten die Gäs­te­fans ihre Sil­ves­ter­bat­te­rie durch diver­se Leucht­ben­ga­los, um ver­mut­lich ihren Blick auf die miss­li­che Lage ihrer Mann­schaft auf dem Platz ver­hin­dern zu kön­nen.

Han­no­ver begann eine Ecke muti­ger als noch in der Vor­wo­che gegen star­ke Leip­zi­ger, was sicher­lich auch an den defen­si­ven sowie offen­si­ven Qua­li­tä­ten des Geg­ners lag. Unver­än­dert zeig­te sich der sich noch frisch im Trai­ner­amt befin­den­de Tho­mas Doll. Auch in sei­nem zwei­ten Heim­spiel für 96 ges­ti­ku­lier­te und vor allem diri­gier­te er 90 Minu­ten lang am Sei­ten­rand. Sogar die ein oder ande­re Lauf­ein­heit absol­vier­te er inner­halb sei­ner Coa­ching­zo­ne.

Ein Strohhalm, aber kein Feuerwerk

Die Stim­mung in dem zumin­dest optisch nicht wirk­lich vol­len Sta­di­on war auch durch san­ges-moti­vier­te Fans aus Nürn­berg den­noch ordent­li­cher Aus­prä­gung, erhielt aber vor allem auf Sei­ten der Han­no­ve­ra­ner erst in der 11. Minu­te einen aus den ver­gan­ge­nen Wochen her­aus über­fäl­li­gen Wach­rütt­ler: der Nürn­ber­ger Simon Rhein grätsch­te mit gestreck­ter Soh­le in die Bei­ne von Juli­an Korb. Nach kur­zer Bera­tung zwi­schen Schieds­rich­ter Tobi­as Welz und sei­nem Lini­en­rich­ter, wur­de die in die­sen Sekun­den vor­herr­schen­de Hoff­nung der 96-Fans mit einem Griff an die Gesäß­ta­sche erfüllt und der Nürn­ber­ger mit der roten Kar­te zum früh­zei­ti­gen Duschen geschickt. Von da an glaub­ten die in 96-Far­ben geklei­de­ten Rän­ge im Sta­di­on an eine bereits ver­lo­ren geglaub­te Mög­lich­keit: einen Heim­sieg.

Vor der HDI-Arena
Vor der HDI-Are­na | Foto: Miguel San­chez

Durch zwei ver­dien­te Tref­fer von Win­ter­leih­ga­be Nico­lai Mül­ler konn­te die­ser sogar ohne Gegen­tref­fer ein­ge­fah­ren wer­den. Das Ergeb­nis täusch­te aber kaum einen Fan in der anschlie­ßen­den pri­va­ten Spiel­ana­ly­se auf dem Heim­weg rund um die HDI Are­na oder in der Stra­ßen­bahn über das spie­le­ri­sche Geschick der Mann­schaft hin­weg. Zwar ver­schaff­te sich das Han­no­ve­ra­ner Team durch die­sen Sieg eine mini­mal grö­ße­re Chan­ce auf einen poten­ti­el­len Nicht­ab­stieg, doch zeig­ten die Spie­ler auf dem Platz noch lan­ge kei­nen Bun­des­li­ga-rei­fen Fuß­ball­abend.

Die offensive Schwäche bleibt bestehen

Die Defen­si­ve um Korb, Anton, Akpo­gu­ma (muss­te durch Kevin Wim­mer ver­letzt aus­ge­wech­selt wer­den) und Ost­rzo­lek zeig­te sich vor allem im Abfan­gen poten­ti­ell gefähr­li­cher Päs­se wei­test­ge­hend sta­bil, auch wenn bei Nürn­ber­ger Aktio­nen über den Flü­gel eine teil­wei­se unver­ständ­li­che Pas­si­vi­tät in den Zwei­kämp­fen an den Tag gelegt wur­de. Die Offen­si­ve kam zu deut­lich mehr Tor­chan­cen als noch gegen Leip­zig, doch konn­ten die Han­no­ve­ra­ner gegen unter­be­setz­te­re und defen­siv schwä­che­re Nürn­ber­ger nur sel­ten einen erkenn­ba­ren Plan im Offen­siv­ver­bund auf­wei­sen – was auch in die­sem Spiel wie­der an man­geln­den Lauf­we­gen und zumin­dest nicht immer vor­han­de­ner Lauf­be­reit­schaft lag. Wey­d­andt und Jona­thas lie­fen die Nürn­ber­ger vor allem bei geg­ne­ri­schem Ball­be­sitz inten­siv und aus­dau­ernd an, hat­ten in der eige­nen Offen­si­ve aber oft unglück­li­che Aktio­nen. Bei­den gelang jedoch jeweils eine Tor­vor­la­ge für die bei­den Tref­fer durch Nico­lai Mül­ler. Gen­ki Hara­gu­chi zeig­te sich nach sei­ner Rück­kehr vom Asi­en­cup über den lin­ken Flü­gel selbst­be­wusst, konn­te aber sel­ten ent­schei­den­de Aktio­nen für sich gewin­nen bzw. in Rich­tung Tor initi­ie­ren. Die Qua­li­tä­ten eines im Moment noch ver­letz­ten Ihlas Bebou oder Lin­ton Mai­nas wer­den von jedem Lieb­ha­ber attrak­ti­ven Offen­siv­fuß­balls schmerz­lich ver­misst.

Eine selten gewordene Stadionrunde

Trotz des Sie­ges fiel dem ein oder ande­ren Fan ein wei­te­res nega­ti­ves Kri­te­ri­um rund um Han­no­ver 96 auf. Bei dem lang ersehn­ten Stand einer Füh­rung von 2:0 im eige­nen Sta­di­on, der zu bes­se­ren Tagen ein froh­lo­cken­des und aus­ge­las­se­nes Sta­di­on her­vor­zu­ru­fen ver­moch­te, blieb die HDI Are­na in Zei­ten von größ­ten­teils erfolg­lo­sem Bun­des­li­ga-Fuß­balls und vor allem in Zei­ten von Kon­flik­ten zwi­schen Fan­grup­pie­run­gen und Ver­eins­füh­rung erschre­ckend ruhig. Als das 2:0 fiel, stell­ten die Nürn­ber­ger Anhän­ger ihre Unter­stüt­zung für ihren FC ein. Nach der obli­ga­to­ri­schen Fei­er über das gefal­le­ne Tor wur­de es auch in Rei­hen der 96-Anhän­ger ver­hält­nis­mä­ßig ruhig, wodurch man auch hät­te mei­nen kön­nen, man sähe die 54. Minu­te bei einem Stand von 0:0 im Kampf zwei­er Teams aus mitt­le­ren Tabel­len­re­gio­nen. Nach dem Schluss­pfiff trot­te­ten nie­der­ge­schla­ge­ne Nürn­ber­ger in Rich­tung des Gäs­te­blocks, wäh­rend die Han­no­ve­ra­ner Spie­ler seit sehr lan­ger Zeit mal wie­der eine Run­de durch das Sta­di­on schrit­ten, um sich für ihren Sieg ange­mes­sen beklat­schen zu las­sen. Der sich als Rea­list ein­schät­zen­de Fan wird ver­mut­lich nicht davon aus­ge­hen, dass sich die­ses Bild in die­ser Sai­son noch häu­fig zei­gen wird. Und den­noch könn­te die Lücke zu den vor­de­ren Tabel­len­plät­zen abhän­gig vom Aus­gang des gesam­ten Spiel­ta­ges klei­ner und eine Hoff­nung eines so man­chen Fans, Funk­tio­närs und Sport­lers auf den Liga­ver­bleib grö­ßer gewor­den sein.

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2 Kommentare
  1. Klaus Pengel sagt

    Die haben gegen Nürn­berg gewon­nen. Du mei­ne Güte, was für ein Erfolg

  2. Michael Ungermann sagt

    Not gegen eldend. Die Hoff­nung stirbt zuletzt

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