Redaktion

Was uns diesen Monat in der Redaktion bewegt hat

Ein Shitstorm für die Auepost

Nicht-Greta

Eine Graphik mit einem verstört blickenden jungen Mädchen mit Mundschutz. Dazu die nüchternen Zahlen, wie viele Menschen im Verhältnis zur Bevölkerungszahl durch die Coronavirus-Pandemie in unserer Region verstorben sind. In der Form, wie wir viele Faktenlagen serienhaft in Bildform auf Facebook zusammentragen.

Das reichte aus. Und schon hatte die Auepost ihren allerersten Shitstorm. Unser Fehler war definitiv, die Graphik im zeitlichen Zusammenhang zu den Gedankenspielen eines grünen Oberbürgermeisters zu veröffentlichen, welcher die These in den Raum geworfen hatte, dass man möglicherweise Menschen rette, die kurz darauf sowieso gestorben wären. Offensichtlich in diesem Kontext wurde nun auch unsere Graphik gelesen – und rief ähnliche Reaktionen hervor. Nur Morddrohungen gingen anders als beim Tübinger Stadtoberen bislang noch nicht ein.

Fakten: Corona-Tote
Das Corpus delicti

Das war auch gar nicht nötig. Erschreckt hat uns bereits genug, dass ausgerechnet auch mancher Wunstorfer Lokalpolitiker ein sehr individuelles Verständnis von Presse zu haben scheint. An einer Stelle wurde erst eine Aussage in unsere Zahlen hineingelesen, die so nicht haltbar ist, und uns dann nahegelegt, Fakten als Meinung zu kennzeichnen. Andere verlangten wiederum, dass wir uns Fakten letztlich ausdenken sollten, um eine politisch korrektere Aussage zu transportieren. Oder verlangen Zensur. Von Fakten.

Das alles wegen korrekter Zahlen in Kombination mit einem Foto, das als Ausspielung von Alt gegen Jung gedeutet wurde. Das Mädchen als Symbol für den Ärger der Jugend gegenüber den Alten, „die ja sowieso sterben“. Dabei sah die junge Dame für uns eher ängstlich aus. Und dass man in jedem Mädchen mit Zöpfen Greta zu erkennen glaubt, sagt wohl mehr über den Betrachter aus als über das Foto. Auf das viel Naheliegendere, dass wir stolz darauf sein können, die Mortalitätsrate inmitten einer Viruspandemie so niedrig gehalten zu haben, darauf kam interessanterweise kaum jemand. Die Mehrheit will das mögliche Schlechte sehen.

Unabhängig davon wollten wir weder die eine noch die andere Aussage treffen. Aber natürlich haben wir uns trotzdem etwas dabei gedacht: Nämlich dass man einer traumatisiert zu werden drohenden jungen Generation auch vor Augen führen muss, dass COVID-19 in der Region trotz alltagsbestimmender Auswirkungen aktuell nicht tödlicher ist als das normale statistische Sterberisiko. Gerade weil es durch Maskentragepflicht, Abstandsregeln und Verbote oft als dramatischer eingeschätzt wird. Und dass man Anordnungen hinterfragen darf, wenn sich selbst Virologen über ihren Sinngehalt streiten. In Niedersachsen kam die Maskenpflicht schließlich nicht, weil man sie für richtig hielt, sondern weil andere Bundesländer vollendete Tatsachen geschaffen hatten. Das ist unser Verständnis von Debattenkultur, von Dialog und Demokratie. Nicht das Verbieten von Diskussionen.

Kommentar auf Facebook
Eine der netteren Reaktionen | Screenshot: Auepost

Lange vor Beginn der Pandemie haben wir umfassend informiert, größten Aufwand bei Aufbereitung und Darstellung von Hintergründen und Zahlenmaterial betrieben. Zur Kenntnis genommen wird es nicht. Es scheint viel einfacher, sich auf ein einzelnes Foto zu stürzen, etwas hineinzudeuten und sich dann zu entrüsten. Verharmlosung der Gefahr, Nichtsehen von Zusammenhängen, schlechter Journalismus, Populismus, Zynismus, Clickbaiting. Mit diesen Vorwürfen müssen wir leben. Traurig ist, dass man es offenbar extra dazusagen muss: Jeder Tote durch COVID-19 ist ein Toter zu viel. Jeder schwer an COVID-19 Erkrankte ist ein schwer Erkrankter zu viel. Fakten zu transportieren und den Rahmen für Meinungsbildung zu bieten bleibt trotzdem unsere Kernaufgabe.

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Auepost Redaktion

Recherchieren, sichten, redigieren, schreiben: Die Redaktion der Wunstorfer Auepost trägt täglich die Neuigkeiten aus der Auestadt zusammen.

2 Kommentare

  1. Eine furchtbar lächerliche Rechtfertigung, eines völlig daneben gegangen Beitrags. Ihr macht es leider nicht besser, sondern schlimmer.

  2. Ein lächerlicher Versuch sich zu rechtfertigen – anstatt, dass ihr die Größe habt, Euren Fehler einzugestehen und zuzugeben, dass ihr sch***e gebaut habt, benehmt ihr Euch wie kleine Kinder “Wir haben alles richtig gemacht – Schuld sind die anderen, die uns falsch verstanden haben.”
    Und da ihr in Eurem Bericht hier sowieso alles verdreht, was auf Facebook in den Kommentaren gesagt wurde und nichts draus gelernt habt, ist hier jedes weitere Wort eigentlich zu viel, denn ihr werdet es nicht verstehen.
    Vielleicht nehmt ihr Euch einfach nochmal die Zeit, die Kommentare auf Facebook zu lesen und Euch in die Leute hinein zu versetzen, die das Bild gesehen haben und dann ihre Kommentare dazu geschrieben haben und versucht zu verstehen, warum es so rübergekommen und verstanden worden ist. Und dann lest Euch doch bitte nochmal diesen Bericht durch und überdenkt, was ihr aus den Kommentaren und den Reaktionen auf das Bild gemacht habt.
    Ich neige ja dazu Euch zu glauben, dass keine böse Absicht dahinter steckte und dass es nur falsch rübergekommen ist, weil die Aufbereitung der Zahlen, wie sie in Relation gesetzt waren und die Präsentation doch ein wenig missverständlich waren. IHR wisst, wie ihr es gemeint habt und WAS ihr Euch dabei gedacht habt, aber das weiß der Betrachter (ohne Erklärung) nicht und versucht zu verstehen, was ihr damit sagen wollt. Ihr habt das Bild einfach unkommentiert in den Raum gestellt und habt die Leser damit allein gelassen – und habt Euch darauf verlassen, dass es so verstanden wird, wie ihr es gemeint und gedacht habt. Funktioniert nur leider nicht immer so, da nicht alle Menschen gleich ticken.
    Was ihr hier daraus gemacht habt ist eine Pure Trotz-Reaktion, weil ihr Euch missverstanden fühlt – das ist durchaus verständlich, aber hier leider fehl am Platze – denn ihr habt ja auch einen gewissen Anspruch, wie ihr als “Wunstorfer Auepost” wahrgenommen werden wollt – und dieser Bericht läßt ein wenig die Professionalität vermissen, die ihr sonst an den Tag legt und er scheint eher von Ärger, Frust und Enttäuschung diktiert worden zu sein, weil ihr Euch falsch verstanden fühlt. Wie gesagt verständlich, aber fehl am Platze.
    Denkt nochmal drüber nach, schlaft nochmal ne Nacht drüber und seht, was ihr weiter draus macht, aber was hier läuft ist so absolut nicht in Ordnung.

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