Der große Wunstorf-Jahresrückblick 2016

Es war viel los in Wunstorf im vergangenen Jahr. Trauriges, Schlimmes, aber auch viel Schönes, Faszinierendes oder Überraschendes. Das Stadtbild hat sich verändert, und in Sachen Sport und Kultur gab es manches Ereignis. Aber auch im normalen Arbeitsalltag von Polizei, Feuerwehr und vielen anderen Wunstorfer Helfern wurde es kaum langweilig – mancher Wunstorfer kam so 2016 sogar dem US-Präsidenten recht nahe …

Bangen ums Freibad

Die Zukunft des letzten klassischen Freibades in Wunstorf war eines der großen Themen im Jahr 2016 in der Auestadt. Nachdem das Freibad Bokeloh wegen eines Schadens nicht eröffnen konnte und sich die Suche nach der Ursache immer weiter dahinschleppte, sahen viele Wunstorfer dem Bad schon dasselbe Schicksal drohen wie dem Kernstadt-Freibad, das 2013 ebenfalls nach einem Beckendefekt nicht wiedereröffnete und demnächst ganz abgerissen wird. Doch das war in diesem Fall zu pessimistisch:

Dezember 2016: Badesaison in Bokeloh beginnt

Inzwischen wurde die Ursache für den Wasserverlust gefunden – und das Bokeloher Freibad wird im Frühjahr 2017 repariert und wiedereröffnet werden. Als Alternative blieb 2016 das Naturerlebnisbad Luthe, das Besucherrekorde verzeichnete, und einige andere unkonventionellere Möglichkeiten, sich abzukühlen. Doch ausgerechnet im Steinhuder Meer war durch eine Algenplage im Spätsommer Vorsicht angesagt.

Geschäftesterben und Neubeginn

In der Fußgängerzone hat sich 2016 einiges verändert. Ein neues Lebensmittelgeschäft machte im Herbst auf, sodass man nun auch in der Langen Straße außerhalb der Marktzeiten frisches Obst und Gemüse kaufen kann.

Neues Feinkostgeschäft in der Wunstorfer Fußgängerzone | Foto: Daniel Schneider

Das ebenfalls in der Langen Straße, Ecke Alter Markt, gelegene Modegeschäft „MS Mode“ schloss im November insolvenzbedingt die Türen. Die Räume in der Fußgängerzone stehen seitdem leer, die Wirtschaftsförderung sucht bevorzugt nach Interessenten, die an dieser Stelle wieder Textilien verkaufen möchten.

Seit dem Herbst verwaist: Ehemaliges MS-Mode-Geschäft | Foto: Daniel Schneider

Und von einem Traditionsgeschäft müssen sich die Wunstorfer 2016 ebenfalls verabschieden: Elsner-Schuh hörte zum Jahresende auf. Am 30. Dezember war der letzte Verkaufstag. Schon parallel zum Räumungsverkauf wurde mit den Umbauarbeiten begonnen, der Laden erhält einen neuen Eingangsbereich und wird künftig zwei neue Geschäfte beherbergen: Ab dem 1. März 2017 werden hier Geschenkartikel und Dessous verkauft.

Ausverkauf bei Elsner-Schuh: 2016 war das letzte Jahr für das Traditionsgeschäft | Foto: Daniel Schneider

Nach wochenlangen Anlaufschwierigkeiten wegen fehlender Genehmigungen eröffnete außerdem am 20. Dezember das neue Fitnessstudio „Limitless“. Auch am Barneplatz tat sich einiges. Ein neuer Kiosk startete zu Jahresanfang und wertete das Angebot vor Ort deutlich auf. Auch ein neuer Friseursalon füllte die Lücke, die der zum Jahresende 2015 geschlossene Friseur hinterlassen hatte. Das Industriegebiet verlor hingegen einen großen Gewerbesteuerzahler: Lidl brach im Oktober 2016 seine Zelte – genauer: sein Logistiklager – in Wunstorf ab und zog nach Hildesheim.

Veränderungen im Stadtbild, Pannen und Verzögerungen

Wunstorf ist in Bewegung, Altes musste weichen, Neues wurde und wird errichtet. Auf dem brachliegenden Gelände an der „Sölter-Kreuzung“, wo bislang das verlassene Autohaus Sölter samt Esso-Tankstelle mitten im Stadtzentrum ruhten, wurde im Herbst mit dem Abriss begonnen, um Platz zu schaffen für imposante Neubauten. An dieser Stelle will künftig u. a. die Volksbank residieren.

Tankstelle und Autohaus werden abgerissen | Foto: Daniel Schneider

Am Knick Haster Straße/Lange Straße wuchs bereits ein Wohnungsneubau in die Höhe, auch neben dem Barneplatz wurde längst Richtfest gefeiert für einen Neubau, in dem u. a. bald betreut gewohnt wird. Verschwunden ist auch ein Fachwerkhaus sowie unmittelbar daneben ein Zweckbau am Alten Markt. Mit dem Neubau von luxuriösen Wohnungen wurde dort jedoch noch nicht begonnen.

Abgerissene Gebäude am Alten Markt | Foto: Daniel Schneider

Die Halfpipe im Neubaugebiet Süd wurde im Spätsommer zerstört, ist inzwischen mit Hilfe des Rollsportvereins aber wieder instand gesetzt. Auch die Weichen für die Sanierung des Barneplatzes wurden gestellt: Die Umgestaltung des Platzes steht wieder auf der To-Do-Liste, nachdem sie fast schon wieder abgesagt worden wäre. Doch der Rat will den Platz nicht noch länger brachliegen lassen und stimmte für die alsbaldige Fortführung der Pläne.

Dauerbaustelle: altes und neues Gebäude der IGS Wunstorf

Baustelle ist auch weiterhin die evangelische Gesamtschule. Der IGS-Neubau, der die Räumlichkeiten der Schule quasi verdoppeln wird, wurde auch 2016 nicht fertig und darf allmählich als „Wunstorfs BER“ gelten; zwei Jahrgänge mit neun Klassen mussten zum laufenden Schuljahr ein Ausweichquartier im Vion-Gebäude beziehen, in dem sich auch Wunstorfs Flüchtlings-Gemeinschaftsunterkunft befindet. Noch gemächlicher schreiten weiterhin nur die Entwicklungen zur Umgehungsstraße im Norden Wunstorfs voran, deren Planfeststellung 2016 jedoch so greifbar wie noch nie schien. Abgeschlossen wurde die Sanierung des Marktplatzes, der dadurch wieder ein glanzvolles Aussehen erhielt – sogar fast im Zeitrahmen. Dafür nahm die Stadt richtig Geld in die Hand, es wurde zwar eine regionale, aber auch eine der besten Sandsteinarten verbaut – und die Geometrie des Platzes aufwändig erhalten.

Bauarbeiten auf dem Wunstorfer Marktplatz | Foto: Daniel Schneider

Noch im alten Zustand ist der Schriftzug „Leine Zeitung“ am Gebäude der Wunstorfer Dependance von HAZ/Neue Presse, doch die Traditionszeitung erschien im Dezember 2016 zum letzten Mal als Regionalbeilage in den Zeitungen des Madsack-Verlags. Seitdem erscheinen auch die Hannoversche Allgemeine und Neue Presse in einem verkleinerten Format.

Müllberge und -halden

Das Jahr 2016 begann gleich mit einer teilweisen Umstellung der Müllabfuhr. Die gelben Wertstoffsäcke holt seitdem nicht mehr Aha, sondern Remondis ab. Das führte vor allem zu Anfang des Jahres zu einigen Komplikationen, denn der neue Dienstleister hatte noch mit deutlichen Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen. So blieb im Januar der gelbe Müll in manchen Teilen Wunstorfs oft einfach liegen. Aufgetürmte Müllberge sah man dann erst wieder im April, als diesmal die Müllwerker von Aha in den Streik traten.

Asbesthalde Luthe neben den Bahngleisen und Straße | Foto: Daniel Schneider

Ebenfalls mit Hinterlassenschaften, aber in einer weit größeren Dimension, hatte die Sanierung der Wunstorfer Asbesthalde zu tun, die für die Zukunft gesichert werden musste, nachdem sich Pläne für einen Abtransport des Asbests endgültig zerschlagen hatten. Ebenfalls im Januar begannen die ersten Arbeiten, die sich über das ganze Jahr hindurchzogen. Die Halde wurde gerodet, aufgefüllt, planiert, abgedichtet. Im Wesentlichen sind die Arbeiten nun zum Jahresende abgeschlossen, asbesthaltiges Material wurde noch bis in den Herbst bewegt. Dabei kam es offenbar auch zu kleineren Zwischenfällen, die Asbestbelastung überstieg mehrere Male den zuvor festgelegten Grenzwert. Auch im kommenden Jahr wird noch an der Asbesthalde gearbeitet werden, dann wird noch die Bepflanzung vorgenommen. Auch gab es Kollateralschäden: die vorbeiführende Straße, die Luthe mit dem Wunstorfer Industriegebiet verbindet, sackte im Mai ab und wurde halbseitig gesperrt. Die Reparatur erfolgte noch in diesem Jahr.

Abgesackte und teilgesperrte Straße neben der Asbesthalde | Foto: Daniel Schneider

2016 war auch das letzte Jahr mit dem bisherigen Müllsystem. Ab 2017 sind nicht mehr die Säcke, sondern die Tonnen der Regelfall, wer bisher die Säcke nutzte, kann jedoch bis auf Weiteres beim Sacksystem bleiben. Eine gravierende Neuerung gibt es jedoch, die die Sackbenutzer nach und nach zur Mülltonne treiben könnte: Abgeholt wird der Müll ab 2017 nur noch alle 14 Tage, mit dem wöchentlichen Rhythmus ist es vorbei.

Küsters Hof

Die Zukunft der Szenekneipe in der Kernstadt beschäftigte die Wunstorfer ebenfalls das ganze Jahr hindurch. Als Anfang 2016 bekannt wurde, dass es mit dem bisherigen Betreiber in der bisherigen Form nicht weitergehen würde, formierte sich viel Protest. Gar eine Demonstration zugunsten der Gastronomie wurde abgehalten, doch der Pächter musste zum Jahresende trotzdem aufhören. Doch die Wunstorfer zeigten deutlich, wie sehr sie Küsters Hof schätzen, und so fand sich eine Lösung für den Weiterbetrieb in ähnlicher Form unter neuer Flagge.

Hinweisschild an der Einfahrt zu Küsters Hof | Foto: Daniel Schneider

Die Stadt Wunstorf hat inzwischen mitgeteilt, dass es auch mit dem Filmangebot in Küsters Hof weitergehen wird, das aktuelle Kinofilme nach Wunstorf bringt.

Feuerwehr

Auch die Wunstorfer Stadtfeuerwehr mit ihren insgesamt 10 Ortsfeuerwachen leistete 2016 wieder einiges: Knapp 350 Einsätze wurden gefahren, 90 allein in Steinhude. Hier ließ vor allem die Wasserrettung die Einsatzzahl in die Höhe schnellen. Auf die Kernstadt entfallen 150 Einsätze; hier waren es oft Brandmeldeanlagen, die zum Alarm führten. Doch es waren keinesfalls nur Fehlalarme, bei vergessenen Öfen oder anderen Unachtsamkeiten konnte die automatische Brandmeldung Schlimmeres im Vorfeld verhindern.

Die Feuerwehr Wunstorf bei einem Dachgeschossbrand in Idensen | Foto: Feuerwehr Wunstorf

Von der Bekämpfung von Großbränden oder schwereren Verkehrsunfällen blieb die Wunstorfer Feuerwehr 2016 verschont. Angebranntes Essen oder zuletzt ein Adventskranzunfall oder einen brennenden Traktor im Holzhandel konnte die Wehr schnell erfolgreich unter Kontrolle bringen. Auch als es Gefahrstoffalarm auf der Kolenfelder Deponie gab, war die Feuerwehr natürlich vor Ort. Zwei Einsätze blieben den Mitgliedern der Feuerwehr jedoch besonders im Gedächtnis: Im Februar manipulierte ein Rentner in der Neuen Straße eine Gasleitung und wollte mit einer Zeitschaltuhr ein Haus sprengen. Der Mechanismus funktionierte glücklicherweise nicht, die Feuerwehr konnte durch gezielte Überdruckbelüftung die Gefahr beseitigen.

Wunstorfer Feuerwehr während des Motorradunfalls auf der Hagenburger Straße | Foto: Daniel Schneider

Als im Juli auf der Hagenburger Straße ein Motorradfahrer unter ein Auto geriet und reanimiert werden musste, hatte die Feuerwehr erneut mit dem neuen Gaffer-Typus zu kämpfen, der, mit Smartphone bewaffnet, Handyvideos von Verunglückten macht. Schaulustige behinderten die Wunstorfer Einsatzkräfte derart ungeniert und penetrant in ihrer Arbeit, dass die Feuerwehrleute fassungslos waren. Die Stadt leitete gegen eine Person sogar ein Ordnungswidrigkeitsverfahren ein.

Die Hagenburger Feuerwehr bei einem Verkehrsunfall | Foto: Feuerwehr Hagenburg

Viel zu tun hatten auch die Kollegen im benachbarten Sachsenhagen. Kuriosester Unfall war hier sicherlich das Auto, das, statt auf dem Parkplatz zu parken, sich so zwischen den Bäumen eines Wäldchens verfuhr, dass die Feuerwehr zur Bergung anrücken musste. Ein Verwechseln von Gaspedal und Bremse wurde jedoch auch einem Supermarktkunden in Wunstorf zum Verhängnis.

Flüchtlingsansturm

Das Jahr 2016 stand wie das Jahr zuvor weiter im Zeichen der Flüchtlinge. Die Unterbringung von Schutzsuchenden war auch in Wunstorf ein hochemotionales Thema, was sich vor allem im Kommunalwahlkampf zeigte. Doch zunächst bekam die Stadtverwaltung Anfang des Jahres den Unmut mancher Anwohner zu spüren, die keine Massenflüchtlingsunterkünfte vor der Haustür haben wollten. Zunächst waren diverse Neubauten für Flüchtlinge in den Ortsteilen geplant worden, die letztlich aber doch nicht gebaut wurden. Nur die Einrichtung in Großenheidorn wurde fertiggestellt, aber nicht genutzt. So blieb es bislang bei einer Gemeinschaftsunterkunft am Luther Weg – und einem Heim für unbegleitete Jungen ebenfalls in der Oststadt, das von der Region betrieben wird.

Kuchenbacken im Café der Kulturen im Flüchtlingsheim | Foto: Die Johanniter

Wunstorf, das Flüchtlinge vor allem dezentral unterbringt und dabei vor allem Familien zugeteilt bekommt, tat indessen viel für die geflüchteten Neu-Wunstorfer, auch für die Bewohner des zentralen Wohnheims. Sowohl die betreibenden Johanniter als auch andere taten ihr Möglichstes, um den Geflüchteten das Leben so einfach wie möglich zu machen und förderten den interkulturellen Dialog mit zahlreichen Aktionen. Vor allem für die Kinder unter den Flüchtlingen wurde viel getan. Getrübt wurden die Bemühungen um die Bewältigung des Flüchtlingsandranges nur von einem Tiefpunkt im Juni – als in Kolenfeld Steine auf eine von Flüchtlingen bewohnte Wohnung flogen.

Wunstorfer Johanniter

Die Johanniter, die in Wunstorf u.a. für den Rettungsdienst verantwortlich zeichnen, brachten sich nicht nur als Betreiber eben jener Wunstorfer Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge oft positiv ins Gespräch. Auch die übrige Arbeit oder die Teilnahme an den Landeswettkämpfen forderte die Johanniter: In Erinnerung bleibt sicherlich der Einsatz beim „Deichbrand“-Rockfestival im Juli an der Nordsee, bei der die Johanniter mit 450 Sanitätern, davon 50 aus Wunstorf, im Einsatz waren und über 4.000 Mal tätig werden mussten. Auch beim Maschseefest in Hannover waren die Wunstorfer im Einsatz.

Johanniter auf dem Weg nach Frankreich | Foto: Johanniter

Im Februar halfen knapp zwei Dutzend Johanniter aus Wunstorf bei der medizinischen Absicherung des Kölner Karnevals. Ein Kamerateam des ZDF begleitete die „hartgesottenen Helfer“ dabei, der daraus entstandene Beitrag ist in der ZDF-Mediathek abrufbar (Video verfügbar bis 05.02.2017).

Patiententransport via Paris | Foto: Johanniter

Am weitesten führte die Johanniter jedoch ein ungewöhnlicher Krankentransport: ein Patient musste nach Zentralfrankreich gebracht werden. Für die 14-stündige Patientenrückführung vom Krankenhaus bis zum Heimatort des Patienten legten die Sanitäter 2.000 Kilometer in zwei Tagen zurück. Auf der Rückfahrt wurde Station in Paris gemacht – und so stand ein Wunstorfer Krankenwagen kurzzeitig vor dem Eiffelturm.

Gerichtsverfahren

Der Kampf der Bürgerinitiative gegen die Stadt um den Erhalt der Steinhuder Schulen kam 2016 zu seinem vorläufigen Ende. Gab man sich im Februar 2016 noch hoffnungsvoll, dass das Verwaltungsgericht der Rechtsauffassung der Steinhuder Eltern folgen könnte, zerschlug sich diese Hoffnung kurz darauf. Aus Kostengründen beschloss man, die Auseinandersetzung mit der Verwaltung vor Gericht nicht fortzuführen und zog die Klage zurück. Somit kommt es nicht mehr zu einem erzwungenen Bürgerentscheid zur langfristigen Erhaltung des Steinhuder Schulzentrums.

Auch die Klage gegen Unregelmäßigkeiten um die Wahl zum Regionspräsidenten kam zum Abschluss: Der Wunstorfer Axel Brockmann, der knapp dem jetzt amtierenden Hauke Jagau unterlag, war im Wahlkampf durch den Wahlleiter benachteiligt worden, wie das Gericht feststellte. Dass das die Wahl wesentlich beeinflusst haben könnte, mochte das Gericht aber nicht erkennen, sodass das Ergebnis seine Gültigkeit behielt. Statt Regionspräsident wurde Brockmann inzwischen stellvertretender Bürgermeister in Wunstorf.

Wunstorfer Polizei

Die Polizei in Wunstorf hatte es auch 2016 nicht leicht und häufte weiter Überstunden an. Insbesondere in den letzten Wochen sah sie sich mit vielen Einbrüchen auf Wunstorfer Gebiet konfrontiert. Insbesondere in den letzten Wochen, in der dunklen Jahreszeit, wurden vermehrt Einbrüche gemeldet. Auch die PKW- und Fahrraddiebstähle blieben 2016 ein Dauerbrenner in Wunstorf.

Doch es gab ebenso Positives: Als denkwürdig gilt die Fertigstellung des Erweiterungsbaus des Polizeireviers, in dem die Beamten nun in modernen Räumen arbeiten können. Die Fertigstellung wurde im Oktober mit einem Tag der offenen Tür gefeiert.

Demonstration einer Festnahme | Foto: Daniel Schneider

Viel Aufmerksamkeit in der Bevölkerung erregte ein spektakulärer Überfall, bei dem Gangster in Wild-West-Manier einen Lebensmitteltransporter überfielen, indem sie sich als Polizisten ausgaben. Auch wurden zwei Mal Tankstellen überfallen. Beim letzten Mal konnten die gerade erst 17 Jahre alten mutmaßlichen Haupttäter kurz darauf bei ihrer Flucht festgenommen werden. Aber auch kuriose Fälle hatten die Beamten zu lösen: So attackierte ein Mann in Luthe Anfang November mit einem Laserpointer ausgerechnet einen Polizeihubschrauber.

Kommunalwahlen

2016 war Wahljahr für Wunstorf. Stadtrat, Ortsräte und Regionsversammlung wollten gewählt werden. Ganz Wunstorf war großflächig mit Wahlwerbung dekoriert, und die Politiker suchten den Dialog auf der Straße. Größter Gewinner der Wahlen war durchgehend die AfD, in Steinhude erreichte sie sogar eines der besten Ergebnisse landesweit. Für die Regierungsmehrheiten auf kommunaler Ebene bedeutete das einige Veränderungen: Rot-Grün war vielerorts nicht mehr möglich, sodass die FDP mit ins Boot geholt werden musste. So auch im Wunstorfer Stadtrat, wo inzwischen eine Ampelkoalition den Ton angibt.

Schützenfest

Höhepunkt im Frühjahr waren die traditionellen Schützenfeste in den Ortsteilen. Am größten fiel dabei das Schützenfest in der Kernstadt aus. Vor allem das Kinderschützenfest, das seit einiger Zeit den Auftakt des Wunstorfer Schützenfestes bildet, brachte fast ganz Wunstorf auf die Beine und verwandelte die Auestadt in ein farbenfrohes, fröhliches Mee(h)r. Auch wer an sich nichts von dieser Tradition hält, erlebte in diesen Tagen eine herausgeputzte Stadt, in der das „Wir“ überall in der Luft zu schweben schien. Die Traditionalisten der Kompanien sorgten für Frohsinn und Gemeinschaftsgefühl.

Fahnenträger der Oststadtkompanie | Foto: Daniel Schneider

Eindrucksvoll und mit viel Zuspruch bedacht war die Rede von Ratsherrin und Kommandeurin Anke Drude, die die jahrhundertealte Historie des Schützenfestes mit der Moderne verband. Drude vermochte bewegend in Worte zu kleiden, was als Gemeinschaft gewonnen werden kann, wenn man sich auch für vermeintlich angestaubte Bräuche begeistert – wenn dies vor allem bedeutet, dass Traditionen gelebt und mit neuer Bedeutung gefüllt werden, um sie lebendig zu halten.

DLRG

Die Wunstorfer Rettungsschwimmer in Rot luden 2016 zum ersten Mal zu einem Tag der offenen Tür ein und präsentierten sich überaus facettenreich. Einen Tag lang wurde das Gelände des alten Wunstorfer Freibades wieder zum Leben erweckt, wo die Ortsgruppe weiterhin noch ihre Räumlichkeiten hat.

Ausbildung von Rettungsschwimmern bei der DLRG | Foto: DLRG Wunstorf

Für die DLRG Wunstorf war 2016 überdies im Bereich Ausbildung ein erfolgreiches Jahr: Durch die Stellung eines Landesmeisters konnte die Qualifizierung für die Bundesmeisterschaften erreicht werden. Viele Wunstorfer lernten mit den DLRGlern Schwimmen oder legten erfolgreich Schwimmabzeichen im Jugendbereich oder als Rettungsschwimmer ab.

Sport

Die Leistungen der vielen Wunstorfer Vereine im Einzelnen zu erwähnen würde den Jahresrückblick sprengen, doch ein sportliches Ereignis blieb sicherlich den meisten Wunstorfern in Erinnerung: Zu den sportlichen Höhepunkten avancierte der Besuch von Hannover 96 im Juli, als man sich zum Testspiel mit dem 1. FC Wunstorf begegnete. Im Barnestadion schien sich an diesem Tag halb Wunstorf versammelt zu haben.

Einsatz beim Testspiel am 6. Juli 2016 gegen Hannover 96: Julian Geppert, Sebastian Schirrmacher und Gürkan Öney bekämpfen den 96er Kenan Karaman. | Foto: 1.FC Wunstorf

Als Sport im weiteren Sinne, aber auch als wahre Plage entpuppte sich der Smartphone-Hype des Jahres 2016 für viele auch in Wunstorf: Die Pokémons waren los und verwandelten vor allem die Kernstadt und Steinhude in ein riesiges Outdoor-Spielfeld. Während Monsterjäger jeden Alters ihren Spaß bei der virtuellen Schnitzeljagd auf Pokémons hatten, nahmen es manche Grundstücksbesitzer weniger sportlich – und griffen zur Selbsthilfe gegen die schlimmsten Auswüchse des virtuellen Wettkampfes.

Kultur

Der Kulturbereich zeigte 2016 wieder, dass er zu den Stärken Wunstorfs zählt. Abtei und Stadttheater präsentieren sich seit diesem Jahr unter einem gemeinsamen Auftritt und machen den Zugang zu Wunstorfs kulturellen Mittelpunkten noch attraktiver. Im Stadttheater gastierten zahlreiche Bühnen.

Frontmann Oliver Perau trat mit seiner Rockformation Terry Hoax im Rahmen des Flugkraft Festivals im Rathausinnenhof am 16. Juli 2016 in Wunstorf auf. | Foto: Mirko Baschetti

Die Musikkultur blühte überdies auch in der Kneipenszene in Steinhude und der Wunstorfer Kernstadt. Ein attraktives Kinofilmprogramm wurde wieder in Kooperation mit der Stadt in Küsters Hof gezeigt. In Sachen Open Air zog das „Steinhuder Meer in Flammen“ zahlreiche Besucher aus der ganzen Region an. Nicht zuletzt begeisterten zahlreiche Bands im Rahmen des Flugkraft-Festivals.

Unfälle

Nicht nur Schönes, auch Tragisches war 2016 zu vermelden. Bei Verkehrsunfällen in und um Wunstorf starben Menschen, aber auch das Steinhuder Meer oder das Bergwerk Sigmundshall forderten Menschenleben. Im Juli kam es offenbar zu einem Badeunfall im Steinhuder Meer, den eine Frau nicht überlebte. Überschattet wurde das Jahr auch von einem Todesfall im Bergwerk Sigmundshall. Ein junger Mann, der dort im Auftrag einer Fremdfirma arbeitete, stürzte im Juni beinahe 100 Meter in die Tiefe, als er weit unter der Erde im Stollen arbeitete.

Rettungshubschrauber in Wunstorf im Einsatz (Symbolbild) | Foto: Daniel Schneider

An der Oberfläche war es der Straßenverkehr, der ebenfalls Todesopfer forderte. Eine Radfahrerin, die im Gewerbegebiet unterwegs war, geriet zwischen zwei kollidierende Autos und erlag später im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Eine Fußgängerin, die ebenfalls im Gewerbegebiet von einem LKW überrollt wurde, kam mit schweren Verletzungen davon, ebenso wie ein Junge, der von einem einem Rettungswagen ausweichenden Fahrzeug vom Fahrrad geholt wurde.

Der polizeiliche Verkehrsunfalldienst ermittelt Unfallhergang und Schuldfrage | Bild: Daniel Schneider

In Mardorf starb ein Autofahrer, als er mit seinem Wagen gegen einen Baum fuhr. Auch auf der A2 kam es im Bereich Wunstorf zu einem tödlichen Unfall. Überlebt haben zwei Motorradfahrer schwere Verkehrsunfälle in Wunstorf: Ein Harley-Fahrer erlitt einen Herzstillstand, als er auf der Hagenburger Straße von einem Auto erfasst und überrollt wurde. In der Nähe der Autobahnauffahrt Kolenfeld kollidierte ein anderer Motorradfahrer mit einem abbiegenden Auto.

Wunstorfer THW

Das THW ist in Wunstorf ebenso am Start und realisiert weitaus mehr als nur das Wunstorfer Entenrennen. Vor allem zwei Ereignisse werden den Helfern vom Zivilschutz für 2016 in Erinnerung bleiben. Im Frühjahr landete die Air Force One in Hannover – und auch THWler aus Wunstorf waren beim hohen Besuch aus den USA und an der Eröffnung der „Hannover Messe“ durch US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Merkel beteiligt. So leuchtete das THW im Rahmen der Amtshilfe für die Polizei Hannover mehrere Tage lang Einsatzstellen aus, sorgte für Verpflegung und sicherte die Stromversorgung. Unter anderem Kontrollstellen sowie das Umfeld des Hotels, in dem der US-Präsident untergebracht war, wurden vom THW mit Lichttechnik, Equipment und Strom versorgt.

Das Technische Hilfswerk im Einsatz gegen Überschwemmungen in Neustadt | Foto: Cedrik Schlag/THW OV Wunstorf

Als Sturmtief „Elvira“ Deutschland heimsuchte, war das Wunstorfer THW ebenfalls gefordert. Während Wunstorf praktisch verschont wurde, traf es Neustadt umso heftiger. Gewitter und Starkregen hatte hier für weitreichende Überflutungen gesorgt; in Wunstorfs Nachbarstadt wurden mit 30 Litern pro Quadratmeter die größten Niederschläge in Niedersachsen gemessen, was einen Dauereinsatz nicht nur für die Feuerwehren bedeutete. Die Stadt Neustadt rief die Wunstorfer zu Hilfe, woraufhin das THW ausrückte, um die Landwehrunterführung in Bahnhofsnähe trockenzulegen, in welcher zwei Autos steckengeblieben waren.

Terror in Wunstorf

In der gesamten Region Hannover wurde im Dezember infolge des Anschlags auf einen Berliner Weihnachtsmarkt die Polizeipräsenz erhöht, so auch in Wunstorf. Auch am Wunstorfer Bahnhof hingen in den Tagen nach der Attacke Fahndungsplakate, die den Täter vom Berliner Breitscheidplatz suchten. Darüber konnte fast in Vergessenheit geraten, dass es in Wunstorf 2016 schon einmal Aufregung in Zusammenhang mit Terrorismus gegeben hatte. Anfang September ging in der evangelischen Gesamtschule IGS eine Anschlagsdrohung ein – die sich jedoch schnell als dummer Scherz entpuppte.

Das Wetter

Sommer am Steinhuder Meer | Foto: Mirko Baschetti

Am Ende steht immer das Wetter. Nach ergiebigen Regengüssen im Frühjahr gab es 2016 einen durchwachsenen, aber ordentlichen Sommer, der Herbst kam pünktlich – und der erste ordentliche Schnee in der zweiten Jahreshälfte fiel Anfang November. Seitdem kehrte der Winter auch nicht wieder zurück, und obwohl es Mitte Dezember wieder deutlich kühler wurde, gab es auch 2016 keine weiße Weihnacht.

 

Die Redaktion der Wunstorfer Auepost wünscht allen Lesern einen guten Rutsch ins neue Jahr und viel Glück und Erfolg für 2017!

 

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