Ralfs Radweg: Von Wunstorf nach Australien mit dem Fahrrad

„Verschollen“ in der Türkei

Was macht eigentlich Ralf Völkers?

Wer gedacht hatte, in den kommenden Tagen noch mehr von der Türkei berichtet zu bekommen, wird nun enttäuscht sein. Weltreiseradler Ralf Völkers kürzt seine Reise ab und lässt den Großteil der Türkei, den Iran und weitere Länder aus. Seit vorgestern ist er bereits in Thailand unterwegs.

Bud­dhis­ti­scher Tem­pel in Thai­land | Foto: Ralf Völ­kers

Wunstorf/Bangkok (ds). In Wunstorf haben gera­de die Schul­fe­ri­en begon­nen, vie­le Fami­li­en fah­ren jetzt in den Urlaub. Doch Ralf Völ­kers ist schon lan­ge unter­wegs – und hat inzwi­schen mehr als ein Land bereist.

Ver­gan­ge­ne Woche jedoch Sor­gen in der Redak­ti­on: Der Kon­takt zum Welt­rei­ser­ad­ler war abge­bro­chen, auf das letz­te Lebens­zei­chen aus der Tür­kei folg­te lan­ge nichts mehr. Am letz­ten Wochen­en­de dann die Ent­war­nung: Alles gut, ver­schol­len war der Wunstor­fer nur im Stra­ßen­ge­wirr von Istan­bul. Völ­kers hat­te sich eine aus­ge­dehn­te Aus­zeit gegönnt, in aller Ruhe die Metro­po­le am Bos­po­rus erkun­det. Das vol­le Pro­gramm: Hagia Sophia, Blaue Moschee, die Prin­zen­in­seln.

Fast 10 Tage hat­te er so in Istan­bul zuge­bracht, war viel her­um­ge­lau­fen und hat­te Istan­bul erlebt. Obwohl das Fahr­rad ein­mal Pau­se hat­te, war es anstren­gend in der rie­si­gen Stadt – und viel teu­rer als gedacht. Doch dann reich­te es Völ­kers. Nicht nur von Istan­bul hat­te er genug, son­dern gleich von der gan­zen Tür­kei. Dabei hät­te die Rou­te nach dem ursprüng­li­chen Plan eigent­lich wei­ter durch Vor­der­asi­en geführt, durch die Tür­kei, am Schwar­zen Meer ent­lang, Rich­tung Geor­gi­en, Arme­ni­en und Aser­bai­dschan, um dann vom ira­ni­schen Tehe­ran oder gar Abu Dha­bi aus einen Flug Rich­tung Süd­ost­asi­en zu neh­men. Dar­aus wird nun nichts mehr. Baku und das Kas­pi­sche Meer wird Völ­kers eben­so wenig besu­chen wie den Iran.

Mit dem Fahrrad über den Wolken

Statt­des­sen mach­te er gleich von Istan­bul den gro­ßen Sprung Rich­tung Süd­ost­asi­en: vom Istan­bu­ler Ata­türk-Flug­ha­fen ging es am Mon­tag­mit­tag direkt nach Thai­land: Gut 9 Stun­den spä­ter lan­de­te Völ­kers in Bang­kok – und „ver­lor“ dabei wei­te­re Stun­den, denn Thai­lands Zeit­zo­ne liegt 4 Stun­den vor jener der Tür­kei.

Zuvor muss­te aller­dings das Fahr­rad noch ins Flug­zeug – und auch das wur­de viel teu­rer als gedacht. Durch die kurz­fris­ti­ge Buchung ging die Auf­ga­be als Luft­fracht ordent­lich ins Geld. Obwohl die net­te Dame am Schal­ter sogar nur 10 statt eigent­lich 20 Kilo berech­ne­te, waren es dann allein für das Rad noch ein­mal 320 Dol­lar, die zusätz­lich zum Flug­ti­cket anfie­len – das hat­te 400 Euro gekos­tet.

Im Flug­zeug nach Thai­land – am Mon­tag noch mit deut­schem Natio­nal­tri­kot | Foto: Ralf Völ­kers

Das Rad hat den Flug übri­gens gut über­stan­den, obwohl der Gepäck­trä­ger zunächst leicht ver­bo­gen aus­sah – auch, weil Völ­kers sich zuvor auf einem Istan­bu­ler Basar 7 Meter Luft­pols­ter­fo­lie zum Ein­wi­ckeln besorgt hat­te. Auf einem Trol­ley ging es damit dann über den Flug­ha­fen.

Ab nach Thailand

Der Grund für die spon­ta­ne Plan­än­de­rung war eine Mischung aus Bauch­ent­schei­dung und hand­fes­ten Grün­den. Nach der vol­len Dröh­nung Istan­bul hat­te Völ­kers erst­mal genug von dem Tru­bel, und die Aus­sicht, unend­li­che wei­te­re Kilo­me­ter wei­ter Qua­si-Auto­bahn zu fah­ren, in einem Land, das auf Rad­fah­rer nicht wirk­lich ein­ge­rich­tet ist, dürf­te die Ent­schei­dung unter­stützt haben. In den Städ­ten wur­den in den letz­ten Jah­ren zwar auch vie­le Rad­we­ge gebaut – doch sie wer­den prak­tisch immer zweck­ent­frem­det. Rad­fah­rer haben hier einen eher schwe­ren Stand.

Scheiß auf die Regen­zeit!“Ralf Völ­kers

In Thai­land dage­gen hielt sich bereits eine Freun­din aus Idensen auf – und das König­reich in Süd­ost­asi­en ist für Völ­kers wie ein klei­ner Urlaub inner­halb sei­ner Rei­se, denn hier war er in der Ver­gan­gen­heit bereits vier­mal zu Gast, hier fühlt er sich wohl.

Regenzeit, Fußball und militärische Ehren

Im Tele­fon­ge­spräch mit der Aue­post am Don­ners­tag berich­te­te Völ­kers von den ers­ten Ein­drü­cken als Fahr­rad­fah­rer in Thai­land. Wegen der exzel­len­ten Sprach­qua­li­tät, die bes­ser klingt als man­ches Gespräch inner­halb von Wunstorf, kom­men wir kurz ins Grü­beln: Hat uns Völ­kers etwa alle gefoppt und sitzt in Wirk­lich­keit die gan­ze Zeit in sei­nem Häus­chen am Bür­ger­park am PC und pho­to­shoppt dort sei­ne Rei­se­vi­de­os zusam­men? Natür­lich nicht, doch Han­dy­tech­nik ist in Thai­land tat­säch­lich das gerings­te Pro­blem: Für 20 Euro gibt es einen Monat Pre­paid-Inter­net-Flat – und der Sim­lock des iPho­nes wird mal eben so gleich mit­ent­sperrt. Da ist man vor Ort ganz prag­ma­tisch.

Seit ges­tern ist Völ­kers nun wie­der mit dem Rad unter­wegs, nach­dem er es den Anfang der Woche in Bang­kok ruhig ange­hen ließ. In den Sky­train vom Flug­ha­fen aus durf­te er mit dem Fahr­rad aber nicht – „too big“, hieß es vom Per­so­nal. Also ging es direkt aufs Rad. Das Spiel Deutschland–Südkorea hat­te er sich mit ein paar ande­ren Deut­schen abends im Hotel ange­se­hen – inklu­si­ve Gers­ten­saft im 3‑Liter-„Bier-Tower“. Seit Mitt­woch­abend drückt er nun die Dau­men für die Bel­gi­er – und muss sich kei­ne Sor­gen mehr machen, wo er unter­wegs das nächs­te Spiel der deut­schen Mann­schaft schau­en kann.

Die ers­ten 170 Kilo­me­ter war er am frü­hen Don­ners­tag­nach­mit­tag schon gefah­ren, bis zum Abend woll­te er Rich­tung Süden noch ein paar wei­te­re schaf­fen – denn, und auch das ist neu, es wird durch die Nähe zum Äqua­tor nun schlag­ar­tig dun­kel. Völ­kers schwärmt regel­recht von Thai­land: Die Men­schen sind freund­lich, die Fahr­bah­nen gut, und selbst auf 3‑spurigen Stra­ßen wird Rück­sicht auf Rad­fah­rer genom­men. Gewöh­nungs­be­dürf­tig ist nun aller­dings der Sei­ten­wech­sel: In Thai­land herrscht Links­ver­kehr. Sogar die Ord­nungs­hü­ter in ihren stram­men Uni­for­men und dunk­len Son­nen­bril­len haben ein Herz für Rei­ser­ad­ler: Als Völ­kers an einen gesperr­ten Stra­ßen­ab­schnitt kommt, salu­tie­ren die Poli­zis­ten – und win­ken ihn durch.

Wet­ter­tech­nisch kommt er nun aber von der Trau­fe in den Regen – denn in Thai­land ist gera­de Regen­zeit. Statt gefühl­ten 35° Hit­ze sind es nun 40° – und das bei einer kleb­ri­gen Schwü­le.

Was macht eigent­lich Ralf Völ­kers? 1 von 8
Atatürk-Flughafen Istanbul
Foto: Ralf Völ­kers

1. Atatürk-Flughafen Istanbul

... mit dick verpacktem Fahrrad
Foto: Ralf Völ­kers

2. … mit dick verpacktem Fahrrad

Auf Bangkoker Straße
Foto: Ralf Völ­kers

3. Auf Bangkoker Straße

Nahversorgung und Mittagstisch auf Thailändisch
Foto: Ralf Völ­kers

4. Nahversorgung und Mittagstisch auf Thailändisch

Thailändische Küche
Foto: Ralf Völ­kers

5. Thailändische Küche

94 % der Thailänder sind Buddhisten
Foto: Ralf Völ­kers

6. 94 % der Thailänder sind Buddhisten

7. Video: In Istanbul

8. Video: Regenzeit in Bangkok

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3 Kommentare
  1. Grit Decker sagt

    Manch­mal mache ich dem mir selbst­ge­ge­be­nen Spitz­na­men (wie­so: naja- da ist wohl „Schwei­gen Gold“ *grins*) „Schnarch­na­se“ alle Ehre:

    die Rei­se­be­rich­te lesen sich so unter­halt­sam, dass ich oben genann­tes bin, da wäre ich mit Sicher­heit gut bera­ten gewe­sen, mich der Lek­tü­re von Anfang an zu wid­men.

    So bleibt Ver­säum­tes als­bald nach­zu­ho­len, wenn’s denn die vor­he­ri­gen Berich­te noch zu fin­den gibt…

    Dumm­heit wird bestraft“ ‑und die­ser mit­un­ter ner­vi­ge Spruch trifft halt die­ses Mal völ­lig gerecht­fer­tigt mich.

  2. Mirko Baschetti sagt

    Über den Link https://www.auepost.de/schlagwort/ralfsradweg/ sind alle Bei­trä­ge über „Ralfs Rad­weg“ abruf­bar. 🙂

  3. […] Der vie­le Ver­kehr, die vie­len Mopeds. Es wur­de immer schlim­mer. Es kam zum zwei­ten „Tür­kei-Moment“: Statt wei­ter mit Fäh­ren von Insel zu Insel zu hop­pen und sich inmit­ten eines […]

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