Hintergrund

Heidnischer Kult, Volksfest oder christlichen Ursprungs?

Die Osterfeuer

Am Ostersamstag fanden sie traditionell wieder in der Region statt, einige auch einen Tag später am Ostersonntag: die Osterfeuer. Auch wenn es wie in diesem Jahr eher schlechtes Wetter gab, mit Kälte, Regen und vor allem viel Wind, erfreuten sie sich wieder ausgesprochener Beliebtheit.

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Zusschauer vor den meterhoch schlagenden Flammen des Osterfeuers | Foto: Daniel Schneider

Heidnischer Kult, Volksfest oder christliche Symbolik?

Osterfeuer gehören in unserem Landstrich zu einer tief verwurzelten Tradition. Woher diese stammt, und warum man Osterfeuer überhaupt begeht, das ist jedoch nicht eindeutig zu bestimmen. Der christliche Bezug ist naheliegend, und manche Osterfeuer weisen eindeutig christliche Merkmale auf, doch Osterfeuer hatten und haben insgesamt einen eher profanen Charakter.

Vom Osterfeuer in der Liturgie der katholischen Kirche ist es daher zu unterscheiden: Ländliche Osterfeuer, meist am Karsamstag, sind ein weltlicher, regionaler Brauch. Die Osterfeuer in ihrer heutigen Form lassen sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen – als Europa schon längst christianisiert war. Ein christlicher Ursprung kann nicht belegt werden, aber auch ein heidnischer Ursprung ist nicht gesichert. Dass die Osterfeuer bereits in vorchristlicher Zeit stattfanden, das Vertreiben des Winters symbolisieren sollten und der astronomische Frühlingsanfang gefeiert wurde, ist zwar nicht ausgeschlossen, lässt sich aber allenfalls vermuten.

Gemeinschaftsfest

Osterfeuer haben einen vergleichbaren Stellenwert wie Altstadt- oder Schützenfest: Die Menschen kommen zusammen, sind Teil der Gemeinschaft, man trifft Freunde und Familie. Osterfeuer sind wie andere Feste im Jahr auch identitätsstiftend. Gerade für die kleinsten der kleineren Ortschaften, in denen sonst keine großen Veranstaltungen ausgerichtet werden, sind sie oft einer der wenigen Anlässe, bei denen einmal das ganze Dorf zusammenkommt – und sich einmal zeigt, wie überraschend viele Menschen doch in der Nachbarschaft leben.

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Der Qualm des Mesmeroder Osterfeuers zieht über den Kaliberg | Foto: Daniel Schneider

Aber es ist nicht nur Brauchtum, das jährlich begangen wird, Die Osterfeuer haben auch einen ganz praktischen Nutzen: Das Material zum Verbrennen, Baum- und Strauchschnitt, kann im Vorfeld angeliefert werden oder wird eingesammelt.

Kein Osterfeuer direkt in Wunstorf

In Wunstorf findet seit zwei Jahren kein Osterfeuer mehr in der Kernstadt statt – weil es zunehmend an solidarischem Zusammenhalt fehlte. Zunächst die Feuerwehr, später auch die Johanniter stellten ihre Bemühungen zur Ausrichtung ein, da die Verkäufe den Aufwand nicht amortisierten; die Ausgaben wurden immer höher. Schlecht besucht waren die Wunstorfer Osterfeuer direkt in der Stadt keineswegs, im Gegenteil, es waren richtig große Veranstaltungen auf dem Schützenplatz. Immer mehr Besucher brachten sich aber selbst Getränke und Verpflegung mit. Daraus erwuchs dann ein Müllproblem: Eines, das die Kosten sprengte und die ehrenamtlichen Organisatoren undankbarerweise zu unfreiwilligen Müllsammlern werden ließ.

Aber auch in Nachbargemeinden ist Derartiges zu beobachten: In Bad Nenndorf direkt findet seit einigen Jahren ebenfalls kein zentrales Osterfeuer mehr statt – hier waren es vor allem Anwohnerproteste, die dem Feuer den Garaus machten. Manche Bewohner störten sich an dem Trubel und vor allem der Rauchentwicklung zu Ostern. Davon profitieren nun die anderen Osterfeuer in der Samtgemeinde, die ihrerseits mehr Besucher aus Bad Nenndorf anziehen.

Ländliche Stärke

In Dorfgemeinschaften funktioniert das Miteinander offenbar besser: Alle Ortsteile von Wunstorf – eben außer der Kernstadt – brennen ein Osterfeuer ab. Und auch rund um Wunstorf gehören die Osterfeuer zu den festen Ritualen in den kleineren Ortschaften. Wer am Karsamstag durchs Calenberger Land fährt, sieht überall die Feuer brennen. Inmitten weiter Felder, am Horizont begrenzt nur von Deister und Kaliberg, strahlen sie eine besonders ursprüngliche Atmosphäre aus.

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Foto: Daniel Schneider

Faszination Feuer

Feuer übt eine besondere Faszination aus, ist mehr als die anderen Elemente Freund und Gefahr zugleich. Beim Osterfeuer kommt noch eine romantische, aber auch lehrreiche Komponente hinzu: Feuer wird auf ungeahnte Weise greifbar, die Energie, die ein großes Feuer entwickelt, unmittelbar erfahrbar.

Sich am Feuer wärmen, die Hitze auch in respektvollem Abstand noch spüren, den Funkenflug beobachten – oder die Mitmenschen, auf deren Gesichtern sich der Flammenschein spiegelt, das schafft verzaubernde Momente. Aber auch der Qualm, Bier- und Bratwurststände oder Musikbeschallung sorgen je nach Angebot für wohlig-sentimentale oder fröhlich-ausgelassene Atmosphäre.

Auch wenn die Kern-Wunstorfer ihr Osterfeuer nun vermissen: Das Brauchtum in der Region lädt geradezu dazu ein, einmal über die Ortsgrenzen hinaus zu schauen und die vielen kleineren und größeren Osterfeuer zu entdecken.

Die Termine der aktuellen Wunstorfer Osterfeuer sind im Veranstaltungskalender aufgelistet.

Entzündung



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Die Entzündung des Osterfeuers. Einer der wenigen Anlässe, bei denen die Feuerwehr für den Brand sorgt | Foto: Feuerwehr Sachsenhagen


Aus der Ferne

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Osterfeuer aus der Ferne | Foto: Daniel Schneider

Magischer Flammenschein

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Bei Einbruch der Dunkelheit entfalten Osterfeuer ihre ganze Magie | Foto: Daniel Schneider

Rauchentwicklung

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Die Rauchentwicklung verdunkelt schnell den eben noch blauen Himmel | Foto: Daniel Schneider

Auf die Windrichtung achten

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Wichtig: Nie in Windrichtung stehen | Foto: Daniel Schneider

Funkenflug

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Funkenflug über dem Osterfeuer | Foto: Daniel Schneider

Starke Hitzeentwicklung

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Die Hitzeentwicklung ist so stark, dass man gebührenden Abstand halten muss | Foto: Daniel Schneider

Blick ins Osterfeuer

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Blick ins Osterfeuer | Foto: Daniel Schneider

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