LutheStadtgespräch

Musikerpaar

Balkonmusik während der Krisenzeit

Während für viele Menschen mittlerweile durch die gelockerten Corona-Bestimmungen etwas Normalität einkehrt, ist für Berufsmusiker Sascha Büttner noch kein Alltag in Sicht. Zwar kann er in Absprache mit seinem Vermieter zuhause üben oder dazu, als Musiker des Heeresmusikkorps, in die Kaserne fahren, aber Auftritte vor Publikum scheinen noch in ferner Zukunft zu liegen.

Luthe (al). Als im März von Bund und Ländern strenge Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen verabredet und erlassen wurden, überredete seine Frau Ann-Catrin ihn dazu, einem über Facebook verbreiteten Aufruf des Niedersächsischen Musikverbandes zu folgen und am Sonntag, dem 22. März um 18 Uhr Beethovens „Ode an die Freude“ vom Balkon aus zu spielen. Das sorgte in der Nachbarschaft für etwas Überraschung, zumal der Schwalbenweg in Luthe eine ruhige Gegend ist, in der eher selten Musik von Balkonen zu hören ist.

Nachdem eine Woche später nochmals ein Aufruf des Verbandes folgte, zusätzlich das Lied „Von guten Mächten treu und still umgeben“ zu spielen, dessen Text vom evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer stammt, setzte das Musikerpaar Büttner die Sonntagskonzerte anschließend einfach fort. Denn das sonntägliche Spiel ist, wenn auch jeweils mit dem gebotenen Abstand, eine Gelegenheit für viele Nachbarn sowie deren Bekannte, für ein paar Minuten in größerer Runde zusammenzukommen. Bereits nach kurzer Zeit wurde die Nachbarschaft an der Liedauswahl beteiligt und zur Abgabe von Musikwünschen aufgerufen.

Was für den musikalischen Laien erst einmal einfach klingt, ist durchaus eine Herausforderung, denn die gewünschten Stücke müssen vorab auf das Spiel mit Tuba und Querflöte angepasst werden. Sascha Büttner macht das gerne. Den Leuten Freude zu machen, sei sein Job, beschreibt er seine Motivation, und freut sich über den wachsenden Zuspruch, da immer einmal wieder ein neues Gesicht im verstreuten Publikum auftaucht. Es ist allerdings auch ein Publikum, das eigentlich keiner wirklich kennt, denn wer alles zuhört und applaudiert, ist in dem Wohngebiet nicht feststellbar.

Oftmals werden über Videoanruf auch weiter entfernt wohnende Verwandte zugeschaltet. Diese können sich dann nicht nur über das Konzert an sich, sondern auch über Stücke zu besonderen Anlässen wie Geburtstagen oder dem Muttertag freuen – und auch darüber, den acht Monate jungen Sohn Carl beim Zuhören zu sehen. Er dürfte im Übrigen auch der einzige Zuschauer sein, der mitbekommt, wenn beim Vorspiel einmal etwas nicht ganz glatt geht, zumal er auch gleichzeitig der Grund für eine unvorhergesehene Unterbrechung ist, wenn Schnuller oder Stofftier einmal nicht an der richtigen Position sind. Die Zuschauer in den Gärten jedenfalls sind mit dem mittlerweile 20 Minuten langen Programm sichtlich zufrieden.

Über ein Ende der Konzerte haben die beiden sich noch keine Gedanken gemacht. Solange es allen Spaß macht, wollen sie auch weiter musizieren.

 

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4 Kommentare

  1. Eine der richtig schönen Aktionen, die uns die alle ziemlich nervenden doch unumgänglich Einschränkungen zum Schutz vor dem Covid-19 auslösenden SARS-cov2- Virus zu verschönern und dadurch ein Stückchen besser aushaltbar machen lassen.

    Leider wird’s auch hier Menschen geben, die sich durch die bisweilen etwas (!) lautere Musik derart “gestört” fühlen, dass sie den sich daran Erfreuenden das kleine Vergnügen der Auszeit miesmachen werden.
    Das zu kommentieren werde ich mir besser verkneifen, dass würde nämlich alles andere als freundlich uns somit druckfähig werden…

  2. Diese Aktion hat zwei Vorteile:
    1.: Die Menschen werden aufgemuntert und
    2.: nicht mit alltäglichem Standard-Radio-Geplärre zugekleistert.
    Mein Vorschlag an die beiden für nächsten Sonntag: “Üb immer Treu` und Redlichkeit”.
    In dieser Zeit der teilweise widersinnigen und völlig überzogenen Beschränkungen sollten sich insbesondere viele Landes-und Bundes-Politiker/innen darüber Gedanken machen.
    Gruß vom Gilbert

  3. Insgesamt möchte sich den Aussagen von #Gilbert zustimmen.

    Was mich so ein bisschen (!) kneift, sind die “überzogenen Beschränkungen”.

    Eine totale Anhängerin dieser bin ich nicht, doch ich bin mir des noch immer dünnen, sehr dünnen Eises bewusst auf dem wir uns in Bezug auf das Coranavirus bewegen.
    Ich kann das nur mantraartig wiederholen.

    Ich bin auf meine eigene Person bezogen, nicht sehr besorgt- obwohl ich der sogenannten Hochrisiko-Gruppe angehöre.

    Weil der Egotripp nicht der Meinige ist, liegt mir sehr am Wohlergehen der Mitmenschen, so dass ich die teils massiven Einschränkungen mittrage und aushalte.

    Ohne einen auf “Frauen von und zu Klugsch***” machen zu wollen:
    Werden wir im Einhalten der Maßnahmen (zu) nachlässig, riskieren wir eine zweiten Welle.
    Der mit der zwangsläufig einhergehende Lockdown wird dann über wesentlich längere Zeit bestehen bleiben, als der erste.
    Dafür muss ich nicht die Glaskugel befragen…

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