Gru­sel-Clowns nun auch in Wunstorf unter­wegs?

Als Clowns Ver­klei­de­te machen sich einen Spaß dar­aus, die Fik­ti­on in die Wirk­lich­keit zu holen – und ahnungs­lo­se Pas­san­ten zu erschre­cken. Was als Phä­no­men die­sen Som­mer in den USA begann, ist nun auch in Wunstorf Stadt­ge­spräch.

Gilt als Begründer der Clowns-Hysterie: Stephen Kings Roman "es" | Foto: Daniel Schneider
Gilt als Begrün­der der Clowns-Hys­te­rie: Ste­phen Kings Roman „es“ | Foto: Dani­el Schnei­der

In den USA ist es seit etwa einem vier­tel Jahr ein Phä­no­men: Gru­sel-Clowns, die nach Ein­bruch der Dun­kel­heit auf Stra­ßen, in Parks und auf öffent­li­chen Plät­zen Spa­zier­gän­ger erschre­cken. Mit Mes­sern, Base­ball­schlä­gern, Schuss­waf­fen oder gar Ket­ten­sä­gen bewaff­net, gehen sie auf Pas­san­ten los und machen regel­recht Jagd auf die­se. Kom­pli­zen fil­men das Gan­ze mit­un­ter und stel­len die ver­meint­lich lus­ti­gen Sze­nen bei You­tube als Video ins Netz. Das Gan­ze hat der­ar­ti­ge Aus­ma­ße ange­nom­men, dass McDo­nalds in Über­see aktu­ell dar­auf ver­zich­tet, sein Clowns-Mas­kott­chen Ronald auf­tre­ten zu las­sen.

Lus­ti­ge Gesel­len oder Kri­mi­nel­le?

Auch in Deutsch­land ist die­ser „Trend“ nun ange­kom­men, in meh­re­ren Städ­ten trie­ben in den letz­ten Tagen Clowns ver­gleich­ba­ren Scha­ber­nack. Die­se selt­sa­me Form der Frei­zeit­be­schäf­ti­gung scheint inzwi­schen auch nach Wunstorf zu schwap­pen. Im Bür­ger­park war am gest­ri­gen Abend offen­bar ein mit Scream-Mas­ke Mas­kier­ter unter­wegs, der die Leu­te erschreck­te. Und eben­falls in der Wunstor­fer Innen­stadt wur­de bereits ein mit Clowns­mas­ke Ver­mumm­ter gese­hen.

In Wunstorf beson­ders pro­ble­ma­tisch

Was wie ein lus­ti­ger Spaß wirkt und an Hal­lo­ween durch­aus sei­ne Freun­de fin­det, kann dann, wenn man nicht damit rech­net, für alle Sei­ten böse aus­ge­hen. Men­schen, die sich ernst­haft erschre­cken, bekom­men gesund­heit­li­che Pro­ble­me, was sich nicht nur akut aus­wirkt, son­dern auch dazu füh­ren kann, dass sie sich irgend­wann nach sol­chen Erleb­nis­sen gar nicht mehr auf die Stra­ße trau­en – erst recht, wenn sie bereits mit Ängs­ten zu kämp­fen haben. In Wunstorf als Psych­ia­trie­stand­ort, wo auch Angst­er­kran­kun­gen behan­delt wer­den und ent­spre­chend vie­le Pati­en­ten und deren Ange­hö­ri­ge unter­wegs sind, erscheint auf­ge­zwun­ge­nes Clown- und Mons­ter­lai­en­thea­ter daher beson­ders frag­wür­dig.

Recht­li­che Situa­ti­on

Das Erschre­cken an sich von Mit­bür­gern ist nicht ver­bo­ten – kann aber dann die Staats­an­walt­schaft auf den Plan rufen, wenn die Erschreck­ten durch der­lei Spä­ße in ihrer Gesund­heit ver­letzt wur­den.

Wer Men­schen sogar tät­lich angreift bzw. ver­folgt – ob aus Spaß oder nicht –, ist näher an einer Straf­tat, als er viel­leicht glau­ben mag. Bedro­hung und Kör­per­ver­let­zung sind die Straf­tat­be­stän­de, die dabei in Fra­ge kom­men.

Auf die­se Wei­se Erschreck­te kön­nen sich zudem ernst­haft ange­grif­fen füh­len, über­re­agie­ren – und den Clown oder Ver­klei­de­ten eben­falls ernst­haft ver­let­zen, wenn sie glau­ben, in Not­wehr han­deln zu müs­sen.

Info: Über­stei­ger­te Not­wehr
Not­wehr ist gesetz­lich eng gere­gelt: Wer nicht das mil­des­te zur Ver­fü­gung ste­hen­de Mit­tel wählt, um einen rechts­wid­ri­gen Angriff abzu­weh­ren, übt kei­ne erlaub­te Not­wehr aus und begeht dann mög­li­cher­wei­se selbst eine Straf­tat. Doch wer in einer Schreck­se­kun­de über­re­agiert, wird vom Gesetz trotz­dem geschützt: Das Über­re­agie­ren aus Angst oder wegen plötz­li­chem Erschre­cken in einer Not­wehr­si­tua­ti­on ist ein Para­de­bei­spiel für den soge­nann­ten Not­wehr­ex­zess: Wer sich instink­tiv wehrt und in die­ser Schreck­se­kun­de über­re­agiert, sich gegen den Angrei­fer somit stär­ker wehrt, als es eigent­lich nötig wäre, begeht sei­ner­seits dann trotz­dem kei­ne Straf­tat.

In den sozia­len Netz­wer­ken wie Face­book nimmt die Ange­le­gen­heit unter­des­sen schon eine bedenk­li­che Wen­dung. Dort wur­de dazu auf­ge­ru­fen, im Bür­ger­park Prä­senz zu zei­gen, um vor allem Kin­der zu schüt­zen. Was ver­däch­tig nach der Bil­dung einer Bür­ger­wehr klingt, ver­lief jedoch größ­ten­teils im San­de. Gera­de ein­mal zwei Per­so­nen raff­ten sich am heu­ti­gen Abend tat­säch­lich auf, um einen wach­sa­men Blick über die Grün­an­la­ge schwei­fen zu las­sen. Wei­te­re Hor­ror-Clowns oder sonst­wie Mas­kier­te wur­den in Wunstorf bis­lang nicht mehr gesich­tet.

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