Andreas Lange steigt komplett aufs Fahrrad um

Einer von zwei Wunstorfer „Stadtradel-Stars“ heißt 2017 Andreas Lange, kommt aus Luthe und hat am Montag seinen Autoschlüssel bei der Stadtverwaltung abgegeben. Im Rahmen der Aktion Stadtradeln fährt er nun 21 Tage lang nur mit Rad und dem ÖPNV – privat, in der Freizeit, aber auch zur Arbeit nach Hannover.

Andreas Lange sieht den kommenden Tagen optimistisch entgegen | Foto: Daniel Schneider

Der diesjährige Stadtradel-Wettbewerb begann am gestrigen Sonntag, den 28. 5., und läuft bis zum 17. Juni. Auch Wunstorf beteiligt sich wieder an der deutschlandweiten Aktion des Klima-Bündnisses, einem kommunalen Netzwerk für den Klimaschutz.

Info: Stadtradeln für Wunstorf
Die Stadt Wunstorf und die Region Hannover beteiligen sich vom 28.05. bis 17.06.2017 am deutschlandweiten Wettbewerb „Stadtradeln“ des Klima-Bündnisses, dem größten kommunalen Netzwerk zum Klimaschutz. Mitglieder des Stadtrates und der Ortsräte sowie Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, drei Wochen lang kräftig in die Pedale zu treten und möglichst viele Fahrradkilometer beruflich sowie privat für Wunstorf zu „sammeln“. Alle 21 Städte und Gemeinden der Region Hannover treten in einem eigenen Regionswettbewerb um den Titel der fahrradaktivsten Kommune und des fahrradaktivsten Kommunalparlaments gegeneinander an. Auch die Kommunalpolitik ist wieder aufgerufen, tatkräftig in die Pedale zu treten. Immerhin konnten die Wunstorfer regions- und niedersachsenweit den ersten Platz in der Kategorie „fahrradaktivstes Kommunalparlament“ erradeln. Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt ruft daher alle Kommunalpolitiker sowie Bürger auf, beim Stadtradeln für den Klimaschutz mitzuradeln und ein deutliches Zeichen für mehr Radverkehr zu setzen. Eberhardt selbst fährt regelmäßig mit dem Fahrrad zum Rathaus.

Die Kampagne soll vor allem Aufmerksamkeit auf das Fahrradfahren lenken. Ziel ist, in 21 Tagen so viel wie möglich Fahrrad zu fahren. Nach einer Registrierung kann man als Bürger für seine Stadt Kilometer sammeln – und sich z. B. einem Team anschließen, um gemeinsam Punkte zu erfahren.

Andreas Lange übergibt seinen Autoschlüssel an Bürgermeister Eberhardt | Bild: Auepost

Im vergangenen Jahr hat die Stadt Wunstorf erstmals teilgenommen. Über 200 Radfahrer machten 2016 mit – und erradelten eine Strecke, die einmal um den Äquator gereicht hätte. „Da ist dieses Jahr mehr drin“, ist sich die städtische Klimaschutzmanagerin Karina Lehmann jedoch sicher.

„Stadtradel-Star“

Einige Teilnehmer gehen jedoch noch weiter: Sie gehen mit gutem Beispiel voran und verzichten in der Zeit des Wettbewerbs komplett aufs Autofahren. Das bedeutet, 21 Tage komplett auf Autofahren zu verzichten, keinen eigenen Wagen zu nutzen, aber auch kein Taxi. Nur der öffentliche Personennahverkehr, Busse und Bahnen, bleiben erlaubt – und natürlich das Fahrrad. Das Rad soll dabei natürlich das primäre Verkehrsmittel sein.

„Sonntagmorgens, wenn man Brötchen holt […] sieht man dann doch viele, die mit dem Auto vorfahren“Andreas Lange

Für Wunstorf ist es in diesem Jahr vor allem Andreas Lange, Ortsratsherr aus Luthe, der das Experiment wagt. Er wird dafür im Aktionszeitraum gänzlich auf sein Auto verzichten und übergab am Montag im Beisein der Presse seine Autoschlüssel an Bürgermeister Eberhardt. Auch „Stadtradel-Star“ Nr. 2, Heike Leitner, hält die Fahne der Auto-Abstinenz hoch, urlaubt jedoch gerade in den USA – und fährt nun dort in Colorado ausschließlich mit dem Fahrrad.

Die Klimaschutzmanagerin der Stadt Wunstorf, Karina Lehmann, hatte neben vielen Infos auch einen Fahrradcomputer für Andreas Lange. Im Umschlag landet später sicher verwahrt der Autoschlüssel | Bild: Auepost

Fahrradfahren löst Probleme

Nicht nur gut fürs Klima, auch Verkehrsprobleme löst das Radfahren, ist sich Andreas Lange sicher. Befragt zu seiner Motivation, als Stadtradel-Star zu fungieren, sagt er, dass ein Großteil der Probleme im Straßenverkehr wohl nicht bestünde, wenn mehr Leute Fahrrad fahren würden.

Themenschwerpunkt: Radfahren in WunstorfLange selbst fährt gerne und viel, aber nicht exzessiv Fahrrad. Er zählt sich nicht zu den Fahrradenthusiasten, sondern zu den ganz normalen Alltagsradlern. Dennoch ist Andreas Lange manchem Fahrradfahrer bereits ein Begriff, denn er war es, der die interaktive Fahrradtour „Einmal Luthe und zurück“ initiierte: Mittels einer „Fahrrad-App“, einer geführten Google-Navigation auf dem Smartphone, lassen sich Sehenswürdigkeiten von Luthe und manches Lehrreiches während einer kleinen Fahrradtour entdecken.

Kein Fan von Fahrradstreifen

Beim „Glaubenskrieg“ zwischen Fahrbahnradlern und Fahrradwegbevorzugern positioniert sich Lange klar: Er zieht einen guten Radweg einem nur aufgemalten Schutzstreifen auf der Fahrbahn jederzeit vor. Denn die Distanz zwischen Radfahrern und Autofahrern ist bei Letzteren oft zu gering. Auch wenn es statistisch wohl anders aussähe – subjektiv fühlten sich viele auf einem Radweg sicherer. Das würde auch gerade für Kinder gelten, die z. B. ab 10 Jahren den Gehweg nicht mehr benutzen dürften und mit den Rädern auf die Straße müssten, wenn nur Schutzstreifen vorhanden sind. Und das Subjektive ist es letztlich, was darüber entscheidet, ob jemand gern Rad fährt oder es lieber stehen lässt.

„Keiner steigt wegen einem Fahrradstreifen aufs Rad, das verhindert eher“Andreas Lange

Die Aufmerksamkeit als Stadtradel-Star nutzte Lange gleich für ein wenig fahrradpolitisches Engagement. In Luthe hätte man den Radfahrstreifen auf der Nienburger Straße nicht so gerne. Ein ausgebauter Radweg wäre hier besser gewesen. Bürgermeister Eberhardt blieb nur der Einwurf, dass Rad-Schutzstreifen auf der Fahrbahn aktuell Stand der Technik, Vorgabe des Gesetzgebers und der Rechtsprechung seien.

Mit dem Rad zur Arbeit nach Hannover

Dass Radfahren auf Schutzstreifen nicht viel Spaß mache, könne man vor allem in Hannover erleben, wenn man mit zugeparkten, zugestellten und zugebauten Fahrradspuren konfrontiert sei.

Info: Kohlendioxid durch Straßenverkehr
Etwa ein Fünftel der klimaschädlichen Kohlendioxid-Emissionen in Deutschland entstehen im Verkehr: 161 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2), davon werden allein 149 Mio. im Straßenverkehr emittiert. Bereits 7,5 Mio. Tonnen CO2 ließen sich vermeiden, wenn nur ca. 30 % der Kurzstrecken bis sechs Kilometer in den Innenstädten mit dem Fahrrad statt mit dem Auto gefahren würden. Die Stadtradeln-Kampagne dient der Förderung des Null-Emissions-Fahrzeugs Fahrrad im Straßenverkehr, um u. a. Luftschadstoffe und Lärm zu reduzieren und die Lebensqualität in Städten und Gemeinden deutlich zu verbessern. Radelinteressierte können sich auf www.stadtradeln.de über die Kampagne informieren und sich dort registrieren.

Dennoch fährt Lange, der in Hannover arbeitet, nun die nächsten Tage konsequent auch auf den Radspuren. Das Fahrrad nimmt er morgens mit in den Zug nach Hannover, und dort geht es dann auch durch den Stadtverkehr. Auf dem Rückweg wird auf den Zug schon einmal verzichtet, die 25 Kilometer lassen sich auch mit dem Fahrrad bewältigen. Mit Zug und Rad braucht Lange etwa eine dreiviertel Stunde – das ist schneller als manche Anfahrt mit dem Auto im Berufsverkehr.

Doch vor allem auf der Rückfahrt wären die Züge auch nicht das Optimum: in den vom Tag aufgeheizten Bahnen mit dem Rad im Feierabendverkehr zu stecken, das sei auch kein Vergnügen. Also wird Lange den Rückweg von der Arbeit in den kommenden drei Wochen durchaus bisweilen komplett radeln – und dabei auch nur etwa eine Stunde und 15 Minuten brauchen.

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