Stadtgespräch

Binnendünen

Dünen-Renaturierung in Mardorf

In Mardorf sollen die einst charakteristischen Sanddünen wieder sichtbar werden, um Lebensraum für seltene Arten zu schaffen. Dafür werden nun aber 200 Bäume gefällt.

Weiße Düne Mardorf
„Weiße Düne“: Auch der Mardorfer Badestrand weist mit seinem Namen auf die ursprüngliche natürliche Dünenlandschaft hin | Foto: Daniel Schneider

Mardorf (red). In Mardorf beginnt kommende Woche der 3. Bauabschnitt am Weißen Berg. Am Uferweg werden rund 200 Bäume entfernt. Die Hölzer haben einen Durchmesser zwischen 20 und 50 Zentimetern. In diesem Bereich sollen schrittweise wieder offene Grasflächen und Magerrasen innerhalb eines lichten Eichen-Kiefern-Waldes entstehen. Landschaftsbildprägende Gehölze sowie Bäume, die für den Artenschutz wichtig sind, bleiben dabei erhalten. Die Arbeiten schließen auch archäologische Untersuchungen ein und sollen bis Ende Januar 2021 abgeschlossen sein.

Binnendünen mit vielen offenen Sandflächen und nur wenigen Bäumen waren noch vor fünfzig Jahren charakteristisch für das Landschaftsbild am Nordufer des Steinhuder Meers. Obwohl bis zu 20 Meter hoch, sind die heute aufgeforsteten oder landwirtschaftlich genutzten Sandberge kaum noch erkennbar. Mit einem Renaturierungsprojekt will die Region Hannover den ursprünglichen Zustand einiger Dünen wiederherstellen.

Binnendüne als Biotop

„Ziel der Maßnahme ist es, den selten gewordenen Biotoptyp offene Binnendüne wieder am Nordufer entstehen zu lassen, der dann wertvollen Lebensraum für hoch spezialisierte Pflanzen- und Tierarten bietet“, erläutert Sonja Papenfuß, Leiterin des Fachbereichs Umwelt der Region Hannover. Auch für die Besucher des Naturparks seien die zwei bereits abgeschlossenen Bereiche der Dünenlandschaft eine Besonderheit. Auf Informationstafeln am renaturierten ersten Abschnitt nahe der Badestraße wird das Projekt erläutert. Dort hat sich inzwischen Magerrasen und Heidevegetation etabliert.

Binnendünen am Steinhuder Meer: Binnendünen sind während der Eiszeiten durch Wind entstanden. Nach dem Abtauen der Eismassen blieb in Niedersachsen eine flachwellige Landschaft zurück, die von einer lückenhaften Tundrenvegetation bedeckt war. Starke Westwinde konnten nahezu ungebremst die feinkörnigen Bodenpartikel wie Sand und Schluff davontragen. Mancherorts entstanden flache, bis in die Nähe des Grundwasserspiegels reichende Senken. Auch das Steinhuder Meer ist teilweise auf solche Ausblasungen zurückzuführen. Die verwehten Sande lagerten sich vor allem an der Nordkante des Steinhuder Meeres als Binnendünen ab. Abhängig von der damals vorherrschenden Windrichtung und -stärke bildeten sich verschiedene Formen aus: unregelmäßige Dünen, gut ausgebildete Längsdünen oder u-förmige Parabeldünen. Die meisten Binnendünen wurden in den vergangenen 200 Jahren aufgeforstet oder unterliegen einer landwirtschaftlichen Nutzung. Zahlreiche Namen wie Hespenberg, Diepholzberge, Schwarze Berge und Weißer Berg weisen noch heute auf die Entstehung hin.

Mit Umsetzung des dritten Teilbereichs werden damit in Mardorf seit 2018 Dünen mit einer Gesamtfläche von etwa vier Hektar renaturiert worden sein. Um den Binnendünen-Charakter zu erhalten, sind nach Abschluss der jeweiligen Arbeiten Pflegemaßnahmen erforderlich, da sich sonst Ruderalpflanzen, Neophyten und Pioniergehölze wieder ansiedeln und die konkurrenzschwache Magerrasenvegetation verdrängen. Die laufenden Kosten für diese Pflegearbeiten werden von der Region Hannover getragen. Das Projekt „Freistellen bewaldeter Binnendünen“ mit geschätzten Gesamtkosten in Höhe von 240.000 Euro wird zu 100 Prozent aus EU-Fördermitteln finanziert, um Lebensraum für seltene Arten wie Zauneidechsen, Schlingnattern, Kreuzkröten und Bienenwölfe zu schaffen.

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