Sanierung der Fulgurit-Halde beginnt

Die Asbestzementschlammhalde auf dem ehemaligen Werksgelände der Firma Fulgurit wird dauerhaft gesichert. „Im Januar beginnt mit der Entfernung des Aufwuchses auf dem Deponiekörper die Sanierung der Altlast“, kündigte der Umweltdezernent der Region Hannover, Prof. Dr. Axel Priebs, an. Ende des Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Asbesthalde Luthe | Foto: Stadt Wunstorf
Asbesthalde Luthe | Foto: Stadt Wunstorf

Rund 160.000 Kubikmeter asbesthaltiger Schlamm und Scherben lagern im Wunstorfer Stadtteil Luthe: Rückstände aus der Asbestzementproduktion des 1990 geschlossenen Werkes, die seitdem nur provisorisch gesichert wurden. „Ohne eine aufwändige Abdichtung der Oberfläche geht von dieser Altlast eine Gefahr aus. Das Sickerwasser, das sich aus dem Niederschlagswasser durch Kontakt mit dem Abfallmaterial bildet, ist stark alkalisch und verändert den pH-Wert im Grundwasser erheblich, wodurch aus dem Untergrund der Halde natürlich im Boden vorhandenes Arsen gelöst wird. Durch Verwitterung und Verwehung droht überdies eine Freisetzung von Asbestfaser“, erläuterte Priebs die Notwendigkeit der Haldensanierung. Die Region Hannover als Auftraggeberin der Arbeiten rechnet mit Gesamtkosten in Höhe von rund 3,7 Millionen Euro. Das Land Niedersachsen beteiligt sich mit ca. 1,6 Millionen Euro.

Bevor damit begonnen werden kann, die Halde vollständig an der Oberfläche abzudichten, werden zunächst bis Ende Februar die oberirdischen Teile der Vegetation – überwiegend Büsche, vereinzelt Bäume – entfernt und entsorgt. Im Anschluss wird eine zwischenzeitlich festgestellte Bodenverunreinigung durch ausgetretenes Mineralöl beseitigt. Rund 1000 Kubikmeter Boden müssen dafür im Vorfeld der Halde abgetragen werden. Aufgrund der teilweise sehr steilen Böschungen der Deponie, die keinen Aufbau von standsicheren Dichtungssystemen erlauben, sind dann zunächst Umlagerungen von Asbestzementschlamm und Asbestzementscherben zur Profilierung der Halde notwendig. Um die Materialbewegungen gering zu halten, werden an der zur Eisenbahnstrecke gewandten Seite sowie auf der Südseite der Halde zusätzlich Stützwände aus Gabionen (Steinkörben) errichtet.

Nach der Profilierung wird auf dem gesamten Haldenbereich eine Kunststoffdichtungsbahn (KDB) aus Polyethylen ausgerollt und wasserdicht verschweißt. Über der KDB wird eine Drainagematte verlegt und Boden aufgeschüttet. Durch diese technischen Barrieren wird die Versickerung von Niederschlagswasser unterbunden. Stattdessen wird das Oberflächenwasser über einen Entwässerungsgraben in ein Versickerungsbecken abgeleitet. Die gesamte Halde mit der rund einen Meter dicken Rekultivierungsschicht wird abschließend begrünt.

Alle zur Sicherung der Asbestzementschlammhalde notwendigen Arbeiten finden in einem durch Zäune gesicherten, sogenannten „Schwarzbereich“ statt, zu dem nur berechtigte Personen in entsprechender Schutzkleidung Zugang haben. Beim Verlassen dieses Bereichs muss eine Schleuse mit Dusch- und Waschmöglichkeiten zur Dekontaminierung passiert werden. Während der Sanierungsmaßnahme werden Messungen von Asbestfasern in der Luft an der Halde und im Umfeld durch ein dafür zugelassenes Unternehmen vorgenommen. Art und Umfang werden in Absprache mit dem Staatlichen Gewerbeaufsichtsamt Hannover festgelegt und im Baufortschritt angepasst. „Wir wollen insbesondere für die in der unmittelbaren Nachbarschaft lebenden Menschen einen größtmöglichen Schutz gewährleisten“, sagte Prof. Priebs.

Der Erfolg der Sanierung wird durch eine systematische Kontrolle des Grundwassers überprüft. Dazu werden im Anstrom- und Abstrom der Halde neue Messstellen eingerichtet. In einem Zeitraum von zunächst fünf Jahren wird das Grundwasser vierteljährlich auf Schadstoffe (MKW, PAK sowie Metalle wie Arsen, Blei, Cadmium oder Chrom) überprüft. Die Intaktheit der Oberflächenabdichtung wird über regelmäßige Sichtkontrolle im Zuge der Pflege- und Wartungsarbeiten sichergestellt.

Mit der Sanierungsuntersuchung und der Sanierungsplanung wurde die Arbeitsgemeinschaft iwb Ingenieure (Braunschweig) und ukon Umweltkonzepte (Hannover) beauftragt. Alle Unterlagen können im Internet unter www.hannover.de eingesehen werden. Suchbegriff: Fulgurit.

Die Projektsteuerung für die Detailplanung und die Umsetzung der Sanierungsmaßnahme hat die Dr. Kerth + Lampe Geo-Infometric GmbH (Detmold) übernommen, die als Oberbauleitung fungiert. Alle Büros und beauftragten weiteren Fachfirmen verfügen über umfangreiche Erfahrungen in der Altlastensanierung und die dazu erforderlichen Referenzen und Qualifikationen.

Hintergrund: Einer der großen Produktionsstandorte für Erzeugnisse aus Asbest war die 1912 gegründete Firma Fulgurit mit Sitz in Luthe. Asbest wurde wegen seiner vielen praktischen Eigenschaften in so großen Mengen wie kaum ein anderer Werkstoff verwendet – bis er in Deutschland im Jahr 1993 verboten wurde, weil er erwiesenermaßen Krebs auslösen kann. Die Fabrik in Luthe war zu diesem Zeitpunkt schon drei Jahre geschlossen. Zurückgeblieben sind die Rückstände aus der Herstellung: über 160.000 Kubikmeter vorwiegend Asbestzementschlamm, die sich seitdem an der heutigen Adolf-Oesterheld-Straße zu einer nur provisorisch ummantelten Halde türmen.

Nachdem es aus verschiedenen Gründen nicht möglich war, das Material auf geeignete Deponien zu entsorgen, hat die Regionsversammlung im Mai 2014 beschlossen, die Halde auf dem ehemaligen Fulgurit-Werksgelände dauerhaft zu sichern. Dafür wurden umfangreiche Untersuchungen vorgenommen und detaillierte Planungsgrundlagen von Fachleuten erarbeitet.

Weitere Informationen
http://www.hannover.de/Leben-in-der-Region-Hannover/Umwelt/Abfall-Bodenschutz/Altlastensanierung/Fulgurit-Halde

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1 Kommentar
  1. […] (ds). Anfang des Jahres wurde mit den Abholzarbeiten begonnen, um die Asbesthalde dauerhaft an Ort und Stelle für die Zukunft zu sichern. Die provisorische Lagerstätte wird damit faktisch zu einer Art geschlossenen Deponie – […]

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