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Luxusprojekt Stiftsstraße lässt noch auf sich warten

26.02.2022 • Achim Süß • 3 Min.Kommentare: 1

Das Appartement-Projekt an der Stiftsstraße liegt still, ehe die Arbeiten richtig begonnen haben. Fast drei Millionen Euro sollten ausgegeben werden, um die 235 Jahre alte Neue Dechanei in ein Luxuswohnquartier umzuwandeln. Aber das Veto der Denkmalschützer verhindert das bisher.

26.02.2022
Achim Süß
3 Min.
Neue Dechanei | Foto: Achim Süß

Wunstorf (as). Aus der historischen Neuen Dechanei auf dem Stiftshügel solle in den nächsten zehn Monaten ein Wohnkomplex „mit gehobenem Standard“ werden, berichtete die Auepost im Sommer 2020. Vorausgegangen waren die Entscheidung der Stiftskirchen-Gemeinde, das Gebäude zu verkaufen, und die Suche der Stadtsparkasse nach Interessenten. Den Zuschlag erhielt eine Hamburger Baugesellschaft, und der vereinbarte Kaufpreis von etwa 800.000 Euro wurde bezahlt.

Dr. Ludwig Büsing, der Vorsitzende des Kirchenvorstands, und die Pastoren Thomas Gleitz und Volker Milkowski nannten das Vorhaben des Hamburger Investors 2020 in einem Pressegespräch eine „richtig gute Lösung“ für das historisch wertvolle Gebäude im sogenannten Stifts-Ensemble. Milkowski damals: „Das ist eine große Chance für das Gebäude, das die Kirche ja leider nicht mehr halten konnte.“ Für den Investor beschrieb Projektentwickler Gerd Tiedemann die Pläne: Die Auflagen der Denkmalschutzbehörde sollten konsequent beachtet, die Fassaden renoviert werden, aber in der jetzigen Form erhalten bleiben. Weitgehend erneuert werde das Innere. Dafür seien die baulichen Auflagen gemildert worden, so dass für die geplanten Eigentumswohnungen aktuelle Standards angewendet werden könnten. Die Wohnungen und die beiden Penthäuser im Dachgeschoss mit insgesamt etwa 700 Quadratmetern Fläche wurden von der Immobilienabteilung der Stadtsparkasse vermarktet. Das Käuferinteresse war nach Angaben der Sparkasse sofort sehr groß. Die Realisierung sei „völlig sicher“, so Tiedemann 2020.

Ursprüngliche Pläne nicht genehmigungsfähig

Doch zumindest aktuell geht es nicht voran mit dem Projekt. Die zunächst in der Bauverwaltung bekannten Pläne seien nicht genehmigungsfähig, erklärt Stadtsprecher Alexander Stockum: Die Eingriffe in die geschützte Bausubstanz im Gartenbereich wären über das zulässige Maß hinausgegangen. Also sei keine Genehmigung erteilt worden. Vor wenigen Tagen, so Stockum am zurückliegenden Mittwoch, seien modifizierte Pläne Inhalt einer Besprechung gewesen. Bisher sind, so der Stadtsprecher weiter, nur Sicherungsarbeiten im Innern ausgeführt und die Fassade gereinigt worden. Dazu gehört offenbar auch der Abriss einer Veranda auf der Rückseite. Die von der Bauaufsicht verlangten Unterfangungen in den Räumen seien nicht angebracht worden. Ob das Vorhaben eine Genehmigung bekomme und welche Auflagen die Stadt und das Landesamt für Denkmalpflege erteilen werden, sei unklar.

Dabei war 2020 von reduzierten Auflagen gesprochen worden: „Das riesige Treppenhaus“ werde entfernt, ebenso die umfangreichen Einbauten, die unterschiedlichste Nutzer in den vergangenen 200 Jahren vorgenommen haben. Vor allem die Rückseite zur großen Wiese sollte mit drei „riesigen Erkern“, Wintergärten und Dachterrassen architektonische Maßstäbe setzen. Tiedemann 2020 wörtlich: „Das ist das Absolute!“

Die Vertreter der Kirchengemeinde loben den Hamburger als zuverlässigen Gesprächspartner, dem es wesentlich zu verdanken sei, dass der Investor zum Käufer wurde. Inzwischen läuft die Kommunikation zwischen früherem und neuen Eigentümer anscheinend jedoch etwas holprig. Das Unternehmen reagiere nicht, heißt es im Kirchenvorstand. In den vergangenen Monaten sei wiederholt versucht worden, Kontakt zu dem Unternehmen zu bekommen. Dabei ging es zum Beispiel um die Entfernung einer Baustellentoilette und um die Beseitigung eines aktuellen Sturmschadens. Die gleichen Erfahrungen macht die Redaktion der Auepost: Fragen bleiben unbeantwortet.

Das Gebäude Stiftsstraße 20/22, die Neue Dechanei, ist ein Doppelfachwerkhaus. Es wurde 1787 als Kapitelhaus errichtet, in dem sich ab 1835 die Wohnung der Dechantin des Stifts befand. Im Gebäude war auch die Stiftsschule nebst Dienstwohnung des Stiftsschulrektors untergebracht. Später war das Haus Nummer 20 Pfarrhaus und bis zur Auflösung der Superintendentur in Wunstorf Wohnhaus des Superintendenten. Später wurden dort Büros des Kirchenkreisamtes und der Diakonie eingerichtet. Das Haus Nummer 22 war Küsterhaus und wurde im 20. Jahrhundert auch von den Organisten und
Kantoren der Stiftskirche bewohnt. Später diente es der Stifts-Kirchengemeinde als Pastorenwohnung.
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Kommentare


  • NN sagt:

    Pardon, wenn ich das Wort Luxusimmobilie lese, packt mich eine kalte Wut. Anscheinend hat das schöne Althergebrachte in Sachen Architektur sich dem Geldwandel der Zeit hinzugeben, von Einigen für Einige. Traurig.

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