Der Kompanieführer

Friedlies trifft … Friedhelm Haake

Gebürtige Wunstorfer und Schützenfestbegeisterte kennen Friedhelm Haake als einen der Urväter der Altstadtkompanie. Für mich als Neu-Wunstorferin sind die Bürgerkompanien jedoch (noch) ein Buch mit sieben Siegeln.

Friedhelm Haake
Fried­helm Haa­ke in Uni­form. | Foto: pri­vat

Ich schaue mir gern den Schüt­zen­um­zug am Sams­tag an – aber war­um gibt es Män­ner und Frau­en in grü­ner Schüt­zen­klei­dung und dann die Damen und Her­ren in schwar­zen Anzü­gen mit Zylin­der? So rich­tig befrie­di­gen­de Ant­wor­ten habe ich auf die Schnel­le in der Ver­gan­gen­heit nicht bekom­men. Nun aber hat mich Fried­helm Haa­ke auf­ge­klärt.

Die Bürgerkompanien

Die Mit­mar­schie­ren­den in der klas­sisch-fest­li­chen schwar­zen Klei­dung, das sind die Bür­ger­kom­pa­ni­en. Vier davon gibt es (Süd­stadt, Alt­stadt, Nord­stadt und Ost­stadt), und in einer davon, der Alt­stadt­kom­pa­nie, ist Fried­helm Haa­ke eine Insti­tu­ti­on. Die Alt­stadt­kom­pa­nie hat sich 1966 gegrün­det. Ein­zi­ges Ziel die­ses Zusam­men­schlus­ses der Bewoh­ner der Alt­stadt war und ist es, das Schüt­zen­fest und den Umzug zu bele­ben. Zur sel­ben Zeit grün­de­ten sich auch die Nord- und Süd­stadt­kom­pa­nie, die Ost­stadt­kom­pa­nie kam spä­ter dazu. Mit­glied einer Bür­ger­kom­pa­nie kann jeder Wunstor­fer wer­den. Es gibt weder einen Mit­glieds­an­trag noch eine Sat­zung noch einen Mit­glieds­bei­trag. Ein­zi­ge Vor­aus­set­zung ist der Spaß am Schüt­zen­fest­fei­ern (und dazu gehört auch das Mit­mar­schie­ren bei den Umzü­gen). Haa­ke selbst ist schon seit 1970 dabei. Und hat kein ein­zi­ges Jahr davon bereut.

Ursprüng­lich waren die Kom­pa­ni­en ein rei­ner Män­ner-Zusam­men­schluss. Seit 1979 sind auch Frau­en dabei. Also immer­hin schon seit 40 Jah­ren. Aber war­um tra­gen Kom­pa­nie-Mit­glie­der stets schwar­ze Anzü­ge? Die Ant­wort ist eigent­lich ganz ein­fach. Frü­her war das Schüt­zen­fest das ein­zi­ge gro­ße Fest in Wunstorf. Und zu die­sem Fest hol­te man auch den bes­ten Anzug aus dem Schrank.

Das Städtische Schützenfest

Eine Kom­pa­nie trifft sich außer­halb des Schüt­zen­fes­tes meist nur zu weni­gen Ter­mi­nen. Der wich­tigs­te davon ist die Jah­res­haupt­ver­samm­lung. Auf die­ser wer­den auch das Kom­pa­nie­ko­mi­tee sowie Offi­zie­re, Fah­nen­trä­ger und Britz­meis­ter gewählt. Die­se Teams (in der Alt­stadt setzt es sich aus 13 Per­so­nen zusam­men) berei­ten das Schüt­zen­fest vor und ent­sen­den einen Ver­tre­ter in den Arbeits­kreis Schüt­zen­fest der Stadt Wunstorf. Eine Beson­der­heit beim Wunstor­fer Schüt­zen­fest ist, dass die Stadt dazu ein­lädt – und nicht (wie in den meis­ten Städ­ten und Gemein­den) der Schüt­zen­ver­ein. Der Stadt­rat ist Gast­ge­ber, Ver­wal­tung und Bau­hof sind tra­gen­de Säu­len bei Orga­ni­sa­ti­on und Durch­füh­rung.

Der Höhe­punkt des Jah­res ist dann natür­lich das Schüt­zen­fest Anfang Juni. Am Don­ners­tag davor wird das soge­nann­te Stand­quar­tier her­ge­rich­tet. Hier trifft sich die Kom­pa­nie, um dann gemein­sam am Sams­tag und am Sonn­tag mit Musik­be­glei­tung, dem dazu­ge­hö­ri­gen Schüt­zen­ver­ein und wei­te­ren ein­ge­la­de­nen Ver­ei­nen zur Stadt­kir­che zu mar­schie­ren.

Wer schießt wann wie worauf?

Aber was unter­schei­det denn nun eigent­lich einen Schüt­zen­ver­ein von einer Bür­ger­kom­pa­nie, will ich wis­sen. Auch das ist schnell erklärt: Die Schüt­zen­ver­ei­ne tref­fen sich ganz­jäh­rig und neh­men auch an regio­na­len und über­re­gio­na­len Schieß­sport­ver­an­stal­tun­gen teil. Eine Bür­ger­kom­pa­nie kommt ursprüng­lich nur zur Vor­be­rei­tung und zum Fei­ern des Schüt­zen­fes­tes zusam­men. Ein paar gesel­li­ge Ver­an­stal­tun­gen haben sich im Lau­fe der Jah­re jedoch ein­ge­schli­chen.

Vor dem Schüt­zen­fest gibt es ver­schie­de­ne Schieß­ter­mi­ne. Auf die Schei­be des Bür­ger­kö­nigs kann jeder Wunstor­fer Bür­ger schie­ßen (jeder kann drei Schüs­se abge­ben) – eine Mit­glied­schaft in einer Bür­ger­kom­pa­nie oder einem Schüt­zen­ver­ein ist dabei kei­ne Pflicht. Aus­ge­wer­tet wer­den die Schieß­schei­ben erst am Sonn­tag­mor­gen des Schüt­zen­fes­tes. Der oder die Schüt­zen­kö­ni­gin wird dann am Sonn­tag nach dem Bür­ger­früh­stück im Fest­zelt bekannt gege­ben. Doch gut zu schie­ßen reicht nicht: Neben dem bes­ten Schieß­ergeb­nis muss der neue König auch an bei­den Tagen beim Aus­marsch dabei gewe­sen sein. „Es ist schon pas­siert, dass der bes­te Schüt­ze nicht König wur­de, weil er nicht mit­mar­schiert ist“, weiß Haa­ke aus sei­ner lan­gen Zeit bei der Alt­stadt­kom­pa­nie zu berich­ten.

Einst Heu, heute Getränkemarken

In den Anfän­gen des Schüt­zen­fes­tes im Jah­re 1708 hat­te der Schüt­zen­kö­nig das Recht, für ein Jahr die soge­nann­te Schüt­zen­wie­se (der heu­ti­ge Stand­ort der Feu­er­wehr) zu mähen. Heu­te erhält der König neben der Schüt­zen­ket­te Geld und Geträn­ke­mar­ken. Der Jugend­kö­nig wird nach dem Kin­der­um­zug am Frei­tag vom Jugend­par­la­ment geehrt. Neben dem Schüt­zen­kö­nig gibt es auch noch ver­schie­de­ne ande­re Schieß­wett­be­wer­be. Dazu aber bald an ande­rer Stel­le mehr …

Auch wenn das Wunstor­fer Schüt­zen­fest für Fried­helm Haa­ke nicht weg­zu­den­ken ist, so ist er damit natür­lich nicht aus­ge­las­tet. Denn das Schüt­zen­fest fin­det schließ­lich nur ein­mal im Jahr statt. Haa­ke arbei­tet auch aktiv in der Fech­t­ab­tei­lung des TuS Wunstorf und im Fecht­ver­band Nie­der­sach­sen und segelt gern auf dem Stein­hu­der Meer.

Was ist Wunstorf für Friedhel Haake?

W – unstor­fer Schüt­zen­fest, „schöns­tes Fest der Regi­on“
U – mland, für Rad­tou­ren ide­al
N – ähe zu Han­no­ver
S – egeln auf dem Stein­hu­der Meer
T – ägli­ches Ver­kehrs­cha­os
O – rts­um­ge­hung (wann?)
R – ent­ner­treff beim Frei­tags­markt
F – ech­ten beim TuS Wunstorf

 

Sie ken­nen auch jeman­den, den ich mal vor­stel­len soll­te? Der oder die in Wunstorf aktiv ist? Dann bit­te eine E‑Mail an mich: reschke@auepost.de

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