Wunstorfer Auepost
[Anzeige]

Güterzuglärm: Anwohner gründen Interessengemeinschaft

08.09.2022 • Daniel Schneider • Aufrufe: 1944

Die Belastungen durch die Salzwasserzüge auf der Wunstorfer Kleinbahnstrecke erreichen ein Ausmaß, das die Anwohner der Strecke nicht mehr tolerieren wollen. Nun formiert sich Widerstand, eine erste Interessengemeinschaft hat sich gegründet.

08.09.2022
Daniel Schneider
Aufrufe: 1944
Carsten Möller, der neue Geschäftsführer auf Sigmundshall, macht sich bei einem Ortstermin mit den Anwohnern am 17. August an der Fritz-Reuter-Straße ein Bild davon, wie laut sie im Leerlauf ist | Foto: Achim Süß

Wunstorf (ds). Es brennt entlang der Kleinbahnstrecke – in den Ohren der Anwohner. Seit die K+S AG mit den regelmäßigen Transporten von Abwässern über den Schienenweg begonnen hat, um das ehemalige Bergwerk Sigmundshall in den kommenden Jahrzehnten zu verfüllen, ist entlang der Strecke nicht mehr viel so, wie es vorher war. Denn woran bei den ursprünglichen Planungen niemand gedacht hat: Nicht nur die vorbeifahrenden Züge sind es, die zu Lärmemissionen und Belastungen führen, sondern vor allem die stehenden: Betriebsbedingt müssen die Züge teilweise über Stunden auf freier Strecke warten – bei auch laufendem Dieselaggregat. Lokgeräusche werden zum Dauerton, Vibrationen lassen Behausungen erzittern. Bauliche Lärmschutzmaßnahmen, über die seitens der Stadt nachgedacht worden war, wurden wieder auf Eis gelegt.

Stadt und Unternehmen haben den Anwohnern unterdessen mitgeteilt, dass die Züge künftig bereits ab 4 Uhr morgens rollen sollen. Das war der letzte Stein des Anstoßes, um sich nun organisiert gegen die Situation zur Wehr zu setzen. Die Anlieger haben sich zu einer „Interessengemeinschaft Zuglärm“ (IGZ) zusammengeschlossen und formieren sich gegen die Belastungen an der Bahnstrecke durch Wunstorf.

„Dramatische Situation“

Man wendet sich nun auch an die Landespolitik, um auf die „dramatische Situation“ aufmerksam zu machen: In einem Brief an die Landtagsabgeordneten Wiebke Osigus (SPD) und Sebastian Lechner (CDU), der der Auepost vorliegt, heißt es etwa: „Die Lärmbelästigungen haben ein Ausmaß angenommen, das wir nicht mehr hinnehmen können und wollen. Nach 6 Uhr ist kaum an Schlaf zu denken, das Arbeiten im Home-Office ist stark eingeschränkt, abendliche Entspannung im Garten ist unmöglich geworden, Kinder werden im Schlaf gestört.“

Auch bei langsamer Vorbeifahrt der Züge entstehen enervierende Geräusche | Quelle: privat

Die IGZ führt an, dass Lärmmessungen teils über den zulässigen und zumutbaren Grenzwerten lagen und tieffrequente Schwingungen dabei noch gar nicht berücksichtigt wurden. Gegebene Zusagen zu Fahrplänen der Züge seitens K+S sowie des Streckenbetreibers, der landeseigenen SInON, würden nicht eingehalten.

von Daniel Schneider
[Anzeigen]
Auepost wird unterstützt von:

Kommentare


  • Dr. Anton Seifenfuß sagt:

    Dass die Leute ihre Häuser an einer Bahnstrecke gebaut haben, sollte ihnen bewusst gewesen sein, als sie diese an eben dieser Bahnstrecke gebaut haben.
    Ich kann mich schließlich auch nicht über die Touristen in Steinhude beschweren, die waren schon da, als ich dorthin zog.
    Aber vielleicht gründe ich auch eine Interessengemeinschaft. Aber dann für mehr Wasser im Meer, damit ich besser Bootfahren kann – und die nenne ich dann MMW: „Mehrmeerwasser“

  • centro del margine sagt:

    So albern erscheinen mir die Beschwerden der Anwohner nun wirklich nicht! Wenn Zusagen der Betreiber nicht eingehalten werden, sind Fragen und Proteste notwendig. Es geht hier um profitorientierte, wirtschaftliche Interessen eines Konzerns – gegen die Lebenswelt von Menschen. Preisfrage: Wer hat man das beim Kali-Bergbau jemals als Problem gesehen?

  • Birgit sagt:

    Es sollte doch eigentlich egal sein, wer zuerst ansässig war, Häuser oder Bahn. Wenn die Wohnqualität durch äußere Einflüsse derart wie oben beschrieben abnimmt und sogar Krankheitsbilder auftreten können, ist es höchste Zeit zur Abbhilfe. Das vermehrte Aufkommen dieser Züge war wohl damals noch nicht Planungs- und Ausführungsgegenstand. Und zu Steinhude: Jawohl, die Touristen waren schon immer da. Das ist aber kein Argument für ruhiges Wohnen und eine Art Alles-Hinzunehmen-Charakter. Gleichwohl ist die Arroganz gewisser, das Steinhuder Meer nutzender Leute, hinsichtlich des durch Klimawandel eingetretenen Niedrigwassers und ihrem „Nutzungsanspruch“ Desselbigen, unerträglich. Die Frage ist auch, ob es dem Steinhuder Meer nicht mal guttut, auf Wassersportausübende wie insbesondere Segler, zu verzichten.

  • Grobi05 sagt:

    @ Herr Dr. Seifenfuß! Wenn man nicht an dieser Strecke wohnt, kann man auch nicht wirklich nachvollziehen, was die Anwohner durchmachen müssen. Es ist auch nicht der Lärm, der durch das Fahren verursacht wird, gemeint. Dagegen kann man nichts tun. Aber das die Züge stundenlang dort mit laufendem Dieselmotoren stehen, dass geht einfach zu weit! Ich habe es schon sehr oft beim Spazierengehen gehört. Warum müssen die Motoren laufen? Weiterhin scheinen hier Absprachen, die getroffen worden sind, nicht eingehalten zu werden! Gründen sie lieber ihre Initiative (bin gespannt gegen wen Sie diese richten- vielleicht an den Klimawandel, der einfach zu schnell fährt-) und machen sie sich bitte nicht über die Anwohner lustig, die auch ein Recht haben, ihren Feierabend im Garten zu genießen.
    Wenn man hier irgendwo unterschreiben kann, bin ich dabei, auch als nicht Anwohner. Viel Erfolg !

  • Basti g. sagt:

    Können die Züge im Stadtgebiet nicht langsam fahren

  • Max Maurer sagt:

    Sehr geehrte AnwohnerIn, der geringfüge Lärm ist hinnehmbar. Die Züge fahren schon bevor überhaupt Häuser in den betroffenen Teilen standen. Mit abweichenden Fahrplänen und Zugtypen hätte man rechnen müssen. Im Nachhinein über alles und jeden Beschwerde einlegen ist ziemlich rückschrittig.
    Aufrichtige Grüße, Max.

  • SA sagt:

    Gründet mal eure Interessengemeinschaft. Unterschreibt irgendwelche Petitionen… dann wurd bestimmt alles besser!

    • Gundula sagt:

      Bestimmt! Vor allem für die anderen, die sehen, dass es immer noch jemanden gibt, den es noch schlimmer erwischt hat.

  • Basti g. sagt:

    Züge sind generell immer laut ! Schlimmer als Lärm sind die Vibration durch die betonschwellen die nicht mehr federn wie die alten holzschwellen

  • CC sagt:

    Jeder, der sich mit dem System Eisenbahn näher beschäftigt, wird feststellen, dass Lokomotiven / Züge im Gegensatz zu Autos bei Stillstand nicht einfach abgeschaltet werden können. Das Dieselaggregat der Lokomotive speist einen Generator, der wiederum einen Kompressor antreibt. Der Kompressor wird benötigt um die Druckluftleitung, die von der Lokomotive bis zum letzten Waggon durchgehend verläuft, mit einem bestimmten Druck zu versorgen. Mit diesem Luftdruck werden dann die Bremssysteme der einzelnen Waggons gesteuert.

    Ein Ausschalten der Lokomotive ist somit aus Gründen der Betriebssicherheit nicht immer möglich bzw. mit einem höheren Aufwand in Bezug auf Zugsicherungsarbeiten verbunden, was wiederum andere Nachteile mit sich bringen würde. Hinzu kommt, dass die Züge eine bestimmte Hauptstrecke passieren müssen. Für diesen Vorgang gibt es pro Tag nur einige wenige und vor allem kurze Zeitslots – Diesen Umstand hat keiner zu verschulden, sondern er ist der geographischen Lage geschuldet.

    Ich kenne persönlich mehrere Lokführer und auch andere Beteiligte. Viele von denen machen sich wirklich Gedanken, um die Lärmemissionen möglichst gering und somit die Belastung der Anwohner in einem tolerablen Rahmen zu halten. Leider führen häufige Probleme der Infrastrukturbetreiber zu erheblichen Wartezeiten und gestörten Betriebsabläufen.

    Zur Wahrheit gehört auch, dass Lokführer oder andere Betriebsbedienstete von Anwohnern massiv bedrängt, beschimpft und denunziert werden. Zum Teil werden Lokomotiven und Züge sogar mit Fäkalienbeuteln beworfen. Lokführer werden ohne Einverständnis gefilmt und Anwohner betreten sicherheitskritische Bereiche der Gleisinfrastruktur und bringen sich selbst in Lebensgefahr.

    Ich hoffe, dass die gegründete Interessengemeinschaft mit Weitsicht, Bedacht und Kompromissbereitschaft auf den Plan tritt. Man sollte nicht vergessen, dass die beteiligten Unternehmen, besonders in aktuellen Krisenzeiten, verlässliche Arbeitgeber sind, die vielen Familien die Existenz sichern. Auch das lokale Werk war bestimmt Arbeitgeber für viele ortsansässige Familien.

    Zu guter Letzt möchte ich sagen, dass ich die Belastungen durch Lärm und Vibrationen nachvollziehen kann (bin selbst in Gleisnähe aufgewachsen) – Nichts desto trotz, sollte jedem Hausbesitzer klar sein, dass vorübergehend stillgelegte bzw. wenig genutzte Gleise nun mal reaktiviert bzw. wieder stärker genutzt werden können…

  • Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

    Kontakt zur Redaktion

    Tel. +49 (0)5031 9779946
    info@auepost.de

    [Anzeigen]

    Artikelarchiv

    Auepost auf …