
Steinhude (ds). An Neustädter Parkscheinautomaten kennt man sie, doch in Wunstorf ist es Neuland: Eine sogenannte Brötchentaste – die Möglichkeit für Kurzzeitparker, einen kostenlosen Parkschein zu ziehen und sich damit für eine kleine Zeitspanne gratis auf einen Parkplatz zu stellen, um z. B. schnell beim Bäcker Brötchen zu kaufen.
Eine solche Option soll es nun bald auch in Steinhude geben, um den unkomplizierten Zugang zu Geschäften im Ortskern mit dem Auto zu unterstützen, allerdings erst einmal für ein Jahr als Versuch, zur Evaluierung. Im September werden die verschiedenen Gremien der Stadt den Vorschlag zunächst beraten – und dann könnte der Plan durch Ergänzung der Parkgebührenordnung umgesetzt werden. Im Januar 2022 könnte der Versuch starten – bis vorerst Ende 2022 hätten die Steinhuder und ihre Besucher dann die Möglichkeit zum kostenlosen Kurzzeitparken.
Hintergrund ist, dass sich der Stadtrat bereits für Kurzzeitparken mittels einer Sanduhr im Fahrzeug ausgesprochen hatte. Autofahrer hätten eine kleine Sanduhr an der Windschutzscheibe befestigen und damit parken sollen. Die Region hätte im Rahmen eines Verkehrsversuches nichts gegen diesen pragmatischen Vorschlag einzuwenden gehabt, doch die Straßenverkehrsordnung kennt zwar Parkscheiben, aber keine Sanduhren als Zeitmesser zur Parkplatzbelegungsbefristung.
Das machte die Sache rechtlich problematisch (Was wäre, wenn sich jemand eine extra-große Sanduhr ins Fahrzeug klebt?). Die Stadt hätte deswegen eigene Sanduhren anschaffen und an eine unbekannte Zahl von Parkwilligen verteilen müssen – was aus Sicht der Verwaltung organisatorisch schwierig und unwirtschaftlich wäre. Andere Kommunen bieten „Sanduhrparken“ hingegen an.
Als Alternative schlägt die Stadt nun den bereits ebenfalls aus anderen Kommunen bekannten Weg mit der „Brötchentaste“ am Parkautomaten vor. Dazu könnten die Parkscheinautomaten entsprechend umprogrammiert werden, so dass sie auf Anforderung einen kostenlosen Parkschein für 15 Minuten ausgeben. Fürs Kurzzeitparken müsste also ebenfalls der Weg zum Automaten angetreten und ein Parkschein in den Wagen gelegt werden, was möglicherweise nicht im zeitlichen Verhältnis zum eigentlichen Parkvorgang steht – aber immer noch sympathischer ist, als für zwei Brötchen einen Euro Parkgebühren aufschlagen zu müssen.
Beschließt der Stadtrat Ende September den Verkehrsversuch, könnte somit im kommenden Jahr in den Straßen Vor dem Tore, An der Friedenseiche und Graf-Wilhelmstraße dann für jeweils 15 Minuten kostenlos auf eigentlich gebührenpflichtigen Parkplätzen geparkt werden.
Ja zur „Brötchentaste“, nein zur „geizigen“ Zeitspanne, vor allem aber: Nein zur „Verortung“ des Versuchsbezirks!
Im Einzelnen: Dass sich die sog. „Brötchentaste“ bewährt hat und von den Kurzzeitparkern dankbar angenommen wird, dürfte durchaus auch ohne eine Versuchsphase als gesicherte Erkenntnis unterstellt werden. Ein Blick in die nördliche Nachbarstadt reicht hierfür schon aus!
Dass 15 Minuten äußerst knapp bemessen sind, dürfte für jede(n) nachvollziehbar sein, die bzw. der mal eben nur ein Rezept aus einer nahe gelegenen Arztpraxis abholen oder bei einem Geldinstitut etwas abgeben möchte. Die Neustädter 30-Minuten-Regelung dürfte diesbezüglich wesentlich lebensnäher sein.
Last not least: Warum soll der „Brötchentatsen-Test“ ausgerechnet in Steinhude durchgeführt werden? Meines Wissens befinden sich in den drei hierfür vorgesehenen Straßenzügen nur wenige Anlaufpunkte, die das Ziel von Kurzzeitbesuchern sind. Nicht umsonst findet man anderenorts die Parkplätze mit „Brötchentasten“-Regelung mitten im Herz der Städte; in Neustadt beispielsweise doch auch nicht in Mardorf, sondern im Zentrum der Kernstadt! Dort, wo es die meisten Bäckereien, Fleischereien, Arztpraxen und Geldinstitute gibt, dort, wo man(n)/frau auch einmal schnell einen größeren Umschlag in den Rathausbriefkasten werfen kann, dort macht meines Erachtens die „Brötchentaste“ weitaus mehr Sinn als in den drei für den Test vorgesehenen Straßenzügen Steinhudes. Ich würde mich freuen, wenn die Damen und Herren des Rates diese Überlegungen in ihre Entscheidungsfindung einbeziehen würden.