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NATO-Großübung: Das bedeutet sie wirklich für Wunstorf

22.05.2023 • Daniel Schneider • Aufrufe: 5177

Wie laut wird es im Juni wirklich in Wunstorf? Das ist die häufigste Frage zur Nato-Übung Air Defender 2023. Am vergangenen Dienstag wurde sie von LTG-62-Kommodore Christian John und Wunstorfs Bürgermeister Carsten Piellusch in einer gemeinsamen Pressekonferenz beantwortet. Die Auepost war dabei.

22.05.2023
Daniel Schneider
Aufrufe: 5177
Kommodore John und Bürgermeister Piellusch informieren | Foto: Dirk Dombrowski

Wunstorf (ds). Dass die Menschen an Militärmanöver und Tiefflüge nicht mehr gewöhnt sind, das hat ein Vorfall am 1. Mai gezeigt: Als zwei Eurofighter außerplanmäßig zum Abfangen eines unbekannten Flugzeuges auch über die Region Hannover flogen und dabei einen Überschallknall auslösten, war den meisten nicht klar, was sie da gerade gehört hatten. Auch in Wunstorf, das mit dem Lufttransportgeschwader (LTG) 62 den zentralen Militärtransportflughafen in Deutschland beherbergt, konnten viele das Geräusch nicht einordnen und erschraken heftig.

Nun steht die Nato-Großübung „Air Defender 2023“ an, die bislang größte Luftübungsoperation des Verteidigungsbündnisses, und die Frage lautet: Wird es nun genauso laut oder noch viel lauter werden wie am 1. Mai über der Stadt? Was sich Mitte Juni auch über der Stadt abspielen wird, das scheint für die Wunstorfer schwierig abzuschätzen. Denn der Fliegerhorst spielt eine zentrale Rolle bei der NATO-Übung, und während die NATO-Übung in Deutschland zwei Wochen dauert, wird in Wunstorf ganze vier Wochen lang geflogen, mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten.

Wunstorf ist kein Übungsbereich

Ein wenig mehr Licht ins Dunkel brachte am Dienstag nun Oberst Christian John, der Kommodore des LTG 62 auf dem Fliegerhorst Wunstorf, der gemeinsam mit Wunstorfs Bürgermeister Carsten Piellusch in einer Pressekonferenz auf dem Fliegerhorst über das zu erwartende Geschehen informierte. Denn obwohl Wunstorf zentrale Bedeutung hat für das Gelingen der Operationen, werden die Manöver selbst nicht über der Stadt geflogen.

Die Übungsräume in Deutschland auf Infomaterial der Bundeswehr | Foto: Daniel Schneider

Das eigentliche Übungsgebiet verteilt sich auf drei unterschiedliche Lufträume in Deutschland: Über Nord- und Ostsee, im Nordosten sowie im Südwesten Deutschlands. Wunstorf selbst zählt nicht zu den Übungsgebieten.

„Wir sind kein Übungsraum für Kampfflugzeuge“

Carsten Piellusch

„Wir sind kein Übungsraum für Kampfflugzeuge“, hatte Piellusch bereits vor kurzem klargestellt, das wurde nun noch einmal unterstrichen. Vielmehr ist Wunstorf der Verlegeflughafen für die Übungen: Das Material, das vor allem aus den USA eingeflogen wird, werde in Wunstorf zwischengelagert und dann von hier aus weiter zu den Standorten in den Übungsgebieten verteilt.

Auf dem Fliegerhorst wird es im Juni betriebsamer | Foto: Daniel Schneider

Auch das verursacht Fluglärm, ist aber nicht mit Kampfjetoperationen oder gar Manövern im Tiefflug zu vergleichen. Es werde keine Tiefflüge und keine taktischen Übungen über Wunstorf geben, kündigte Kommodore John an. Allerdings beginnen die Luftverlegeoperationen in Wunstorf schon früher: Die sogenannte Phase eins startet bereits am 30. Mai. Dann werden die ersten vorbereitenden Transportflüge beginnen, die in direktem Zusammenhang mit der Air-Defender-Übung stehen.

Wunstorf ist Anlauf- und Tankstelle der NATO-Übung

Zwei Wochen vor Übungsbeginn werden aus den USA die ersten riesigen C-17 Globemaster III, die zu den größten Militärflugzeugen der Vereinigten Staaten zählen, für die Transporte über den Atlantik nach Wunstorf genutzt. Die Maschinen gehören zur U.S. National Guard und sind in verschiedenen US-Bundesstaaten stationiert. Das in Wunstorf eintreffende Material wird dann mit den eigenen A400M der Bundeswehr weiter zu den Übungszonen in Deutschland geflogen, auch die dann in Wunstorf stationierten US-Transportflugzeuge C-130 sind mit im Einsatz.

Die A400M werden von Wunstorf aus an der Übung teilnehmen | Foto: Dirk Dombrowski

Die Flüge werden sukzessive zunehmen, bis Phase zwei erreicht ist. Auch im Anschluss an die Übungen, wenn die Rückverlegung der Kräfte und des Materials in die USA ansteht, wird in Wunstorf weiter geflogen werden. Erst am 30. Juni ist der Einsatz beendet.

Phase zwei: 12. bis 23. Juni

Dreizehn Tage nach den ersten Transportflügen, am 12. Juni, beginnt die eigentliche Nato-Übung. Die Maschinen vom Fliegerhorst Wunstorf werden dann von Wunstorf aus ebenfalls zu den Übungen starten. Nun nicht mehr für die vorbereitende Logistik, sondern als Teil der Übungsszenarien. Der A400M werde dabei vor allem für Luftbetankung der Kampfjets gebraucht, sagte John. „Die C-130 kann keine Jets betanken, das können nur wir.“

Den Treibstoff für die Kampfflugzeuge, der in der Luft weitergegeben wird, tanken die Militärtransporter selbst in Wunstorf nach: Dazu wurde auf dem Fliegerhorst ein zusätzliches Feldtanklager errichtet: Das Spezialpionierregiment 164 aus Husum hat es in den vergangenen Tagen gebaut, wobei auch die Exoskelett-Technik zum Einsatz kam. 2,4 Millionen Liter Treibstoff fasst die Anlage.

Die Wunstorfer Maschinen werden vor allem auch zur Luftbetankung gebraucht | Foto: Daniel Schneider

Die Flugbewegungen werden daher im Zeitraum vom 12. bis 23. Juni kumulieren – denn die Flieger aus Wunstorf werden in allen drei Übungszonen gebraucht. Während in den Übungszonen zeitlich versetzt operiert wird, wird in Wunstorf also gleichermaßen „durchgeflogen“. Aber die Wunstorfer Piloten sind während der Übungen nicht nur fliegende Tankstelle, sondern trainieren vielseitig: Der Einsatz unter simulierten Gefechtsbedingungen oder das Absetzen von Einheiten in Zielgebiete gehören dazu.

In den beiden Wochen des Luftstreitkräftemanövers wird über der Stadt daher reger Flugbetrieb herrschen – auch am Wochenende. Das ist ein weiterer Unterschied zu den Übungsräumen im Norden, Osten und Süden, in denen die Kampfflugzeuge außerhalb der Werktage am Boden bleiben.

Zu Auswirkungen auf den zivilen Luftverkehr kann es dabei dann durchaus kommen. Mit Flugausfällen wird aber nicht gerechnet, jedoch mit kleineren Flugverschiebungen – einige Flüge könnten mit Verspätung abheben, wenn die Militärfliegerei Vorrang hat. Eingestellt werden muss der reguläre Passagierflugbetrieb in Deutschland deswegen aber nicht. Es sei jedoch sinnvoll, im entsprechenden Zeitraum seine Flugdaten im Blick zu behalten, lautet der Rat von Christian John.

Wie viele Maschinen fliegen in Wunstorf?

Von Wunstorf werden insgesamt 16 Transportflugzeuge im Einsatz zu den Übungsgebieten sein: Fünf deutsche A400M, zehn amerikanische C-130 Hercules und eine rumänische C-27 Spartan werden am Fliegerhorst starten und landen. Von den insgesamt über 220 an der NATO-Übung teilnehmenden Luftfahrzeugen agieren also nur knapp acht Prozent von Wunstorf aus. Aber auch der reguläre Flugbetrieb außerhalb des Manövers läuft weiter.

Kommodore Christian John zu den Flugbewegungen in Wunstorf | Aufnahme: Daniel Schneider

Sicherlich werde es so sein, dass es mehr Flugaktivitäten als an einem normalen Tag gebe – aber es würden normale Flüge sein, wie man sie vom A400M in Wunstorf kenne, sagte Kommodore John. „Der Flugbetrieb wird intensiver sein, aber er wird nicht zu intensiv werden“, so der LTG-62-Chef. Er gehe davon aus, dass es erträglich sein werde, pflichtet auch Piellusch bei.

„Der Flugbetrieb wird intensiver sein, aber er wird nicht zu intensiv werden“

Oberst Christian John

Kampfflugzeuge seien nicht stationiert, allerdings könne man „durchaus mal eines sehen“ – weil Wunstorf auch als Ausweichflughafen fungiert. Das sei auch auch im restlichen Jahr der Fall, das gehöre zum üblichen Betrieb, so Oberst John. Auf einen erneuten Überschallknall wird man in Wunstorf im Juni also wohl vergeblich warten können.

Die Bundeswehr unterhält zu Fragen zum Flugbetrieb ein eigenes Bürgertelefon. Wer Sorgen, Wünsche oder Beschwerden zu Flugoperationen der Luftwaffe hat, kann sich unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 - 862 073 0 direkt ans Luftfahrtamt der Bundeswehr wenden.
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Kommentare


  • Basti g. sagt:

    Und wieviel Kerosin wird verbraucht ? 600000 Liter oder mehr ? Bestimmt mehr danke fürs vorbild

    • Zugezogen sagt:

      Dann kleb dich doch an einer Tragfläche fest.
      Der „Generation Z“ geht es einfach zu gut, jedoch ganz ohne eigenen Anteil daran.
      In Zeiten des internationalen Säbelrasselns gibt es noch immer Mitbürger/innen, die es nicht verstehen: Sich selbst den pazifistischen Idealen und in Gänze dem Klimawandelgegängel hinzugeben, bedeutet am Ende die Aufgabe der eigenen Freiheit.

  • Kurt sagt:

    ….. und wie viele humanitäre Einsätze diese Maschinen fliegen ist wohl nicht erwähnenswert? Wie viel Leid dadurch gemildert wird?

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