
Wunstorf (red). Es war die Premiere einer Veranstaltung, die sich nun in Wunstorf etablieren soll: Der TuS Wunstorf hatte am Freitag, den 6. September 2024, zum ersten Mal zum „Wunstorfer Citylauf“ geladen. Rund 400 Teilnehmer waren gefolgt – passionierte Läufer aus der ganzen Region, aber auch manch Wunstorfer, der deswegen zum ersten Mal an einem solchen Sportereignis teilnahm.
Mit dabei auch Kevin Kröger, im Hauptjob nicht Läufer, sondern Mitarbeiter der Stadtverwaltung, der sich für die Mitteldistanz über 4.400 Meter entschieden hatte. Kröger führte beim Start das Feld an und kam nach allen Runden am Ende auch tatsächlich nach einer knappen Viertelstunde wieder als Erster ins Ziel. Doch dann kam das böse Erwachen: Bei der Siegerehrung auf der Bühne vor der Stadtkirche stand schließlich nicht er, sondern es standen andere im Rampenlicht. Kevin Kröger war disqualifiziert worden.
Der Grund für die Disqualifizierung: Kröger war bei der ersten Streckengabelung falsch abgebogen. Gestartet waren die Läufer am gemeinsamen Start/Ziel-Punkt nahe des Standesamtes zwischen Rathaus und Stadtkirche. Dann führte die Strecke geradeaus über Marktplatz und Lange Straße, später durch den Bürgerpark und über die Nordstraße zurück zum Ausgangspunkt. Am Säulenbrunnen am Marktplatz bestand daher eine Gabelung: Die Läufer sollten nach dem Start im Uhrzeigersinn laufen, doch Kröger bog sofort in die Nordstraße ab und lief damit die Runden gegen den Uhrzeigersinn.

Er sei von Streckenposten nicht darauf aufmerksam gemacht worden, sagte Kröger der Auepost. Erst als ihm plötzlich alle anderen Läufer entgegenkamen, habe er seinen Fehler bemerkt. Für die Streckenposten im späteren Verlauf muss es dabei skurril gewirkt haben, als plötzlich ein einzelner Läufer aus der entgegengesetzten anstatt aus der erwarteten Richtung kam.

Kröger kann die Disqualifizierung nicht nachvollziehen. „Ich bin trotzdem genau dieselbe Distanz gelaufen wie alle anderen“, so seine Argumentation, während er das Gespräch mit TuS-Sportvorstand und Citylauforganisator Ulrich „Uli“ Baden suchte. Aber es blieb bei der Disqualifizierung.
„Ich bin trotzdem genau dieselbe Distanz gelaufen wie alle anderen“
Kevin Kröger
Enttäuschender konnte es für Kröger persönlich kaum sein: Das Startgeld ist bezahlt, man absolviert den Lauf und ist dann sogar als Erster im Ziel – und am Ende wird man nicht einmal prominent erwähnt, von der Überreichung einer Urkunde bei der Siegerehrung ganz zu schweigen. Es wirkt nun fast so, als hätte er überhaupt nie teilgenommen, In den Ergebnislisten taucht er ganz am Ende als Letzter auf.
Baden stellt die Sache anders dar: Sehr wohl hätten die Streckenposten sofort versucht, den in die falsche Richtung abbiegenden Läufer aufzuhalten – doch der habe die Helfer, die ihn auf den Fehler aufmerksam machen wollten, einfach umlaufen und sei unbeirrt auf seinem falschen Weg geblieben.


Der Spielraum für die Offiziellen ist dabei normalerweise tatsächlich klein. Die Wettkampfregeln sagen dazu: „Ist der Schiedsrichter (…) davon überzeugt, dass ein Läufer die markierte Wettkampfstrecke verlassen und die dabei die [sic!] zurückzulegende Laufstrecke verkürzt hat, muss er ihn disqualifizieren.“
Dass Athleten falsch abbiegen und disqualifiziert werden, kommt tatsächlich immer wieder vor, sogar wenn der Fehler nicht durch den Sportler selbst verursacht wurde: Bei den Salzburger Lauffestspielen im vergangenen Jahr war falsch geleitet worden, mehrere Läufer wurden disqualifiziert. Beim Kassel-Marathon 2017 war die Gruppe an der Spitze der Teilnehmer falsch abgebogen - auch dies führte zur Nichtwertung. Bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver verpasste Eisschnellläufer Sven Kramer sogar die Goldmedaille, weil er auf die falsche Spur geschickt wurde. Bei einem Marathon in Mexiko-Stadt 2023 sollen sogar über 10.000 Läufer disqualifiziert worden sein - sie hatten allerdings auch geschummelt und z. B. den Linienbus genommen, um zum Ziel zu kommen.
Beim Folgelauf, dem Hauptlauf über 8.600 Meter, kam es zu keinen Problemen mehr, alle Läufer nahmen die korrekte Richtung. Noch während der Startphase erinnerte der Moderator über Lautsprecher aber auch noch einmal daran, zuerst geradeaus zu laufen und erst später fünfmal rechts abzubiegen.
Schade das bei dem ganzen Bericht nicht einmal die Sieger erwähnt werden die richtig herum gelaufen sind :( !
Bei offiziellen Strassenläufen sind Kopfhörer verboten, damit man u.a. die Signale von Rettungskräften und die Anweisungen von Streckenposten hören kann. Her Kröger hat sich auch in dieser Hinsicht nicht regelkonform verhalten und hätte selbst als „normaler“ Sieger disqualifiziert werden müssen.
Sehr geehrter Herr Kröger,
das ist von der Zeit her doch gut gelaufen; nur leider nicht regelkonform. Was will man da machen? Nichts; die Schiedsrichter und Streckenposten haben so entschieden.
Einfach die Wut runterschlucken und sich auf den nächsten Citylauf vorbereiten. Alles andere kostet doch nur Nerven. Viel Glück.