
Wunstorf (red). Am gestrigen Mittwoch, dem 12. August 2026, schien es nur ein Thema zu geben: die partielle Sonnenfinsternis über Deutschland. Auch in Wunstorf waren die Menschen vom erwarteten Naturschauspiel fasziniert. Die vergangenen Tage drehte sich deshalb gefühlt alles nur um eine Frage: Wo kann man noch Sonnenfinsternisbrillen kaufen? Denn dass es keine gute Idee ist, womöglich noch über längere Zeit einfach so in die Sonne zu schauen, das durfte als allgemein bekannt gelten. Überall war vor Netzhautschäden gewarnt worden, die drohten, wenn ohne entsprechende Vorsichtsmaßnahmen in die Sonne gesehen würde.
Wer wirklich sehen wollte, wie der Mond einen großen Teil der Sonne verdeckte, brauchte eine solche Schutzbrille sowieso. Wer ohne Spezialequipment etwas zu erkennen versuchte oder zu fotografieren versuchte, sah meist nichts von der Sonnenfinsternis, denn das starke Licht überstrahlte den Verdeckungseffekt in der Regel, auch auf Fotos war oft nur eine Überbelichtung zu sehen, die Sonne schien auf den ersten Blick gar nicht verdeckt zu sein.

Sehr viele waren am Mittwochabend um 20 Uhr herum unterwegs – kurz nach 20 Uhr hatte die partielle Sonnenfinsternis ihren größen Ausdehnungsgrad erreicht. An Feldwegen und in Feldern rund um Wunstorf mit freier Sicht zum Horizont saßen viele Beobachter mit Picknickdecken und Ähnlichem in der Natur.
Man schaute vor allem zur Sonne, doch drumherum gab es noch viele weitere interessante Effekte: Mit Einsetzen der Verdunkelungsphase veränderte sich das Farbenspiel am Himmel merklich: Ein eigenartig bräunlicher Ton füllte den zuvor klaren blauen Horizont. Die zunehmende Sonnenfinsternis wurde nicht nur sichtbar, sondern auch spürbar: Fast schlagartig wurde es kühler, die Abschirmung des Sonnenlichtes wirkte bei der wahrgenommen Außentemperatur wie ein kleiner Temperatursturz.


Wer die Sonnenfinsternis fotografierte, sah auf den Bildern dann außerdem einen oder scheinbar sogar mehrere Monde, die in Wirklichkeit aber nicht am Himmel vorhanden waren. Dabei handelt es sich um einen Bildfehler, der in Kameras entsteht: Eine Lichtreflexion der aufgenommenen Sonne legt sich als zusätzliches Element mit auf das Bild. Normalerweise sind solche Kameralinseneffekte auf Sonnenbildern dann ebenfalls rund wie die Sonne – sie fallen deshalb nicht weiter auf, man ist solche Bilder gewohnt. Am Donnerstagabend während der teilweisen Sonnenfinsternis wurde jedoch nur die momentane Sonnenform gespiegelt: Die teilverdeckte Sonne wurde als reflektierende Sichel sichtbar, während die Sonne selbst aufgrund der Überbelichtung weiterhin rund wirkte. Was man auf den Bildern als Reflexionen sieht, ist deshalb tatsächlich die verdeckte Sonne – im Mondschatten, und nicht der Mond.
Noch faszinierender war der Blick weiter weg von der Sonne, zu den Rändern des Horizonts. Dort schien auf den ersten Blick eine zweite Sonne hinter den Schleierwolken durchzuscheinen. Fast in Regenbogenfarben leucheten die Wolken auf, Rot- und Grüntöne vermischten sich in einer eigenartigen Komposition am Himmel.

Dies war im Gegensatz zu den Linsenreflexionen auch mit bloßen Auge und nicht nur durch ein Kameraobjektiv zu sehen. Es war eine sogenannte Nebensonne, ein besonderes Phänomen des Sonnenlichts in der Erdatmosphäre.

Wenige Minuten später war die partielle Sonnenfinsternis vorbei – und der Himmel nahm wieder seine übliche Sonnenuntergangsstimmung an.
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