
Neustadt/Wunstorf (red). Seit vergangenem Mittwochvormittag herrscht verkehrstechnisch Ausnahmezustand in Neustadt und Umgebung. Ein Feuer direkt unter einer Straßenbrücke über die Bahnstrecke Wunstorf–Nienburg sorgte für erhebliche Beeinträchtigung auf Straßen und Schienen.
Gegen 9.30 Uhr am Mittwoch stieg dichter schwarzer Rauch auf über der B6, das Feuer war weithin zu sehen. Der Brand war eine Verkettung mehrerer Unglücksfaktoren: Bauarbeiter hatten bei einer Sondierungsbohrung versehentlich eine Hochdruck-Gasleitung getroffen und beschädigt. Das austretende Gas entzündete sich, es kam zu einer großen Explosion. Dabei geriet ein LKW in Brand, der ebenfalls unter der Brücke abgestellt war.
Die beiden Arbeiter, die die Bohrung vorgenommen hatten, konnten sich rechtzeitig vor der Explosion in Sicherheit bringen, sie blieben unverletzt. Da über Notruf Explosionen gemeldet wurden und die Lage noch unklar war, wurde ein sogenannter MANV-Alarm ausgelöst: Eine große Zahl von Verletzten wurde befürchtet.
Als die alarmierte Feuerwehr eintraf, stand der LKW schon in Vollbrand. Die Flammen schlugen über die Brücke hinweg. Sowohl Der Straßenverkehr auf der B6 als auch die Züge auf der Bahnstrecke waren durch Feuer und starke Rauchentwicklung gefährdet. Der befürchtete Massenanfall von Verletzten konnte jedoch widerrufen werden.

Die ersten Löschmaßnahmen der Feuerwehr waren nur aus sicherer Distanz möglich: Der Gasaustritt war noch nicht gestoppt, ebenfalls stand die Oberleitung der Bahnstrecke noch unter Strom. Auch die Oberleitung war durch das Feuer bereits in Mitleidenschaft gezogen worden.
Somit wurde seitens der Feuerwehr zunächst ein stationärer Wasserwerfer aufgebaut, der ohne Personal bedient werden kann. Im Einsatz waren schließlich 80 Feuerwehrleute aus Neustadt, Eilvese und Poggenhagen, dazu kamen Tanklöschfahrzeuge aus Mardorf, Mariensee, Mandelsloh, Nöpke, Otternhagen und Schneeren sowie weitere Spezialeinheiten. Ein Notfallseelsorger sowie das Bahn-Notfallmanagement, Energieversorger und die untere Wasserbehörde der Region waren ebenfalls vor Ort. Neustadts Erste Stadträtin sowie Verwaltungsmitarbeiter machten sich vor Ort ein Bild von der Lage. Im Einsatz waren außerdem Landes- und Bundespolizei.

Nachdem die Gaszufuhr unterbrochen und die Bahnoberleitung geerdet war, konnte das Feuer schließlich mit Schaumeinsatz bekämpft werden. Da im Norden der Strecke keine Hydranten verfügbar waren, mussten zur Wasserversorgung Tanklöschfahrzeuge eingesetzt werden. Der Brand konnte nun relativ schnell unter Kontrolle gebracht werden.
Fatal hatte sich jedoch bereits die Hitzeentwicklung auf das Brückenbauwerk ausgewirkt. Die Straßenbrücke trug derartigen Schaden davon, dass Fachberater des THW hinzugezogen werden mussten, um die Statik zu prüfen.
Genau genommen sind es zwei Brücken, die hier direkt nebeneinander liegen und das Brückenbauwerk bilden. Dies Brücken decken jeweils eine Fahrtrichtung der zweispurigen Bundesstraße ab, die hier über die Bahngleise führt.

Auf Anforderung der Neustädter Feuerwehr traf schließlich das THW aus Wunstorf ein. Weitere THW-Einheiten wurden alarmiert, um die Brücke zu sichern und die Bahnstrecke sowie möglichst die B6 wieder freigeben zu können. Die Baufachberater des THW begutachteten die Statik des Bauwerks. Bergungsgruppen entfernten bis in die Nacht mit schwerem Gerät instabile Betonteile. Der Zugtrupp des THW aus Wunstorf übernahm vor Ort die Führung aller THW-Einheiten.
Im Rahmen des Einsatzes bildeten sich für das THW, das mit 31 Helfern im Einsatz war, zwei Schwerpunkte heraus. Die Baufachberater des THW-Ortsverband Hannover/Langenhagen und externe Statiker bewerteten die Stabilität der beschädigten Straßenbrücken und legten notwendige Maßnahmen fest. Zur Überwachung des Bauwerks wurde ein Einsatzsicherungssystem des THW-Ortsverband Springe angefordert, das bis zum Folgetag minimale Bewegungen der Brücke überwachte.

Während die Deutsche Bahn an den Oberleitungsschäden arbeitete, entfernten die Bergungsgruppe aus Wunstorf und die schwere Bergungsgruppe aus Lehrte unsichere Betonteile an der Brücke. Bei den Abbrucharbeiten wurden sie von einer Räumgruppe des THW-Ortsverband Stadthagen unterstützt. Die Fachgruppe Notversorgung/Notinstandsetzung aus Wunstorf stellte die Kraftstoff- und Verbrauchsmaterialversorgung an der Einsatzstelle sicher.
Bahnlinie und B6 wurden in diesem Bereich zunächst voll gesperrt. Das wirkte sich unmittelbar und stark auf den Verkehr in Neustadt und der Region aus. Bahnverbindungen waren unterbrochen, Züge fielen aus und in Neustadt verstopften die Straßen infolge des Umleitungsverkehrs.
Am zurückliegenden Donnerstag konnte bereits ein Gleis der Bahnstrecke wieder freigegeben werden, als sichergestellt war, dass keine Teile von der Brücke auf den Gleiskörper herunterfallen können. Doch für die B6 gibt es keine gute Nachrichten: Die Straße wird im betroffenen Bereich nicht mehr für den Verkehr freigegeben, bevor nicht ein Neubau errichtet ist. Das gilt auch für die mit auf der Brücke neben der B6 verlaufenden Nordstraße in Neustadt.
Die Bundesstraße, die einen Großteil des Fernverkehrs aus Richtung Nienburg nach Hannover und umgekehrt leitet, bleibt für den Verkehr gesperrt. Im November soll eine Behelfsbrücke die Strecke wieder befahrbar machen.
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