KulturStadtgespräch

Sanierung bis zum Sommer

Bedeutendes Raumkunstwerk: Experten bewerten Stiftskirche neu

Die Stiftskirche im Zentrum gehört wie die Idenser Sigwardskirche zu den bedeutenden Sakralbauten in der Stadt. Die aktuelle Sanierung der Basilika auf dem Stiftshügel hat Erkenntnisse zu Tage gefördert, die die Bedeutung noch steigern: Experten betrachten das Ensemble als „eines der frühesten und vollständigsten Raumkunstwerke“ aus der Zeit König Georgs V.

Baustelle Stiftskirche
Baustelle in der Stiftskirche | Foto: privat/Richter

Wunstorf (red). Zum 1.150-jährigen Bestehen des Stifts hat die Klosterkammer Hannover mit Experten für mittelalterliche Archäologie eine aufwändige Sanierung des Kirchenbaus begonnen, die vorbereitenden Dokumentationsarbeiten bereits 2018. Das Inventar der Stiftskirche wurde neu erfasst, die Archive zur Baugeschichte überprüft. Im Frühjahr 2020 wurde die bewegliche Ausstattung ausgelagert, die großen Ausstattungselemente wie Hauptaltar, Kanzel und Orgel wurden zum Schutz während der Bauarbeiten sorgfältig verkleidet.

Alle wesentlichen baulichen Elemente werden gereinigt und konserviert, die komplette elektrische Anlage ausgetauscht, ebenso die Warmluftheizung. Risse und Schäden an den Wänden und in den Gewölben werden ebenso beseitigt wie die Zementbeschichtung aus den 1960er Jahren. Stattdessen soll ein Kalkputz aufgetragen werden. Die Sanierung nähert sich dem Ende, wenn bis zum Frühjahr alle Oberflächen gereinigt und die Wände gestrichen sind. Für den Sommer zur geplanten Jubiläumsfeier versprechen die Fachleute „neuen Glanz“.

Entdecktes Portal
Das im nördlichen Seitenschiff entdeckte Portal | Foto: privat/Richter

Unbekanntes Portal freigelegt

Klosterkammer und Denkmalpfleger stellen seit Monaten eine Dokumentation zur Baugeschichte der Stiftskirche zusammen – auch deshalb, weil manche Aspekte als nicht genügend untersucht angesehen werden. Dabei spielen aktuelle Funde eine wichtige Rolle. Im Innern und auch bei Grabungen außen sind Mauerzüge entdeckt worden, die die Experten für Fundamente von Gebäudeteilen halten, die bisher nicht in der Forschung beachtet worden sind. Mehr noch: Im nördlichen Seitenschiff haben die Bauexperten ein bisher nicht bekanntes Portal freigelegt.

Die Entdeckungen veranlassen Kunsthistoriker und Archäologen dazu, das Stiftsensemble und dessen Beziehung zur „Marktsiedlung“ im Bereich der heutigen Langen Straße neu einzuordnen. Einerseits bestätigen sie die Einschätzung, dass der Turm der älteste Teil der Kirche ist. Die Ursprünge stammen aus dem 11. Jahrhundert, das Bauwerk ist aber mehrfach umgestaltet worden. Der heute prägende Teil der Stiftskirche – die dreischiffige Basilika – ist offenbar im 12. Jahrhundert neu errichtet worden.

Viele Umgestaltungen

Im 14. Jahrhundert, so schreiben Dr. Markus Blaich vom Landesamt für Denkmalpflege und Dr. Jörg Richter von der Klosterkammer in einer aktuellen Veröffentlichung, hat ein Großbrand die Basilika schwer beschädigt. Die beiden Experten und ihre Mitarbeiter haben jetzt massive Schäden im Mauerwerk entdeckt. Danach steht fest, dass die Dachstühle abbrannten und die Gewölbe zum Zeil einstürzten. Beim Neuaufbau sind bedeutende Veränderungen verwirklicht worden. Auch im 19. Jahrhundert haben Schäden Reparaturen und Veränderungen ausgelöst. So wurde die komplette Ausstattung neugestaltet.

Das Fazit der beiden Autoren lautet: „Heute darf das Wunstorfer Ausstattungsensemble als eines der frühesten und vollständigsten Raumkunstwerke des Hannoverschen Historismus in der Regierungszeit König Georgs V. gelten.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Verwandte Artikel