Bombenentschärfung in Hannover

Als drei im 2. Weltkrieg über Hannover abgeworfene, nicht detonierte Fliegerbomben am vergangenen Sonntag im Zentrum entschärft wurden, war auch Wunstorf involviert. Einerseits als Ausweichbahnhof für den Hauptbahnhof Hannover, andererseits unterstützten Wunstorfer Einsatzkräfte die Evakuierung der Bevölkerung.

Die Spe­zia­lis­ten des Nie­der­säch­si­schen Kampf­mit­tel­be­sei­ti­gungs­diens­tes mit den ent­schärf­ten Flie­ger­bom­ben | Foto: Johan­ni­ter

Die Ent­schär­fung der drei Flie­ger­bom­ben war am Sonn­tag mus­ter­gül­tig ver­lau­fen. Die Bewoh­ner hat­ten den ein­ge­rich­te­ten Sperr­be­reich ab 9 Uhr zügig ver­las­sen, so dass die Spe­zia­lis­ten vom Kampf­mit­tel­räum­dienst ihre Arbeit pünkt­lich auf­neh­men konn­ten. Von den 5 ver­mu­te­ten Bom­ben waren zwei fal­scher Alarm – letzt­lich waren es 3 Bom­ben, die gefun­den und ent­schärft wur­den: zwei bri­ti­sche Fünf-Zent­ner-Bom­ben und eine Zehn-Zent­ner-Bom­be. Bei einer der klei­ne­ren Bom­ben war dies mit erhöh­tem Auf­wand ver­bun­den gewe­sen, da der Zün­der defor­miert war und nicht ein­fach ent­fernt wer­den konn­te. Statt den Blind­gän­ger manu­ell zu ent­schär­fen, wur­de ein Was­ser­strahl­schneid­ge­rät ein­ge­setzt. Gegen 18 Uhr war die Arbeit getan und das geräum­te Gebiet wur­de wie­der frei­ge­ge­ben, die Bewoh­ner konn­ten in ihre Woh­nun­gen zurück­keh­ren.

Stra­ßen am Ran­de der Eva­ku­ie­rungs­zo­ne sind gesperrt, Poli­zis­ten über­wa­chen die Zufahrt | Foto: Aue­post

Wunstorf wird Ausweichbahnhof

Die Bom­ben­ent­schär­fung, die mit einer der größ­ten Eva­ku­ie­rungs­ak­tio­nen seit dem 2. Welt­krieg ver­bun­den war, fand auch in inter­na­tio­na­len Medi­en Beach­tung. In der Bericht­erstat­tung wur­de auch Wunstorf erwähnt, denn der Wunstor­fer Bahn­hof war als Aus­weich­hal­te­stel­le für den Fern­ver­kehr bestimmt wor­den.

In die Stra­ßen­bah­nen durf­te nur noch ein­ge­stie­gen wer­den, um das Gebiet zu ver­las­sen. Dass nie­mand aus­stieg, wur­de von den Ein­satz­kräf­ten kon­trol­liert | Foto: Aue­post

Da sich zwei ver­meint­li­che Bom­ben­fun­de aber als Metall­schrott ent­pupp­ten, war die Bahn­stre­cke von der Sper­rung nicht mehr betrof­fen, sodass der Haupt­bahn­hof Han­no­ver wei­ter­hin ange­fah­ren wer­den konn­te. Das befürch­te­te Ver­kehrs­cha­os blieb aus, die Inter­ci­tys hiel­ten aber den­noch wie geplant auch in Wunstorf.

56 Wunstorfer Johanniter im Einsatz

Dass die Eva­ku­ie­rung rei­bungs­los ver­lief, ist vor allem den Hel­fern von Ret­tungs­diens­ten, THW und Feu­er­wehr zu ver­dan­ken. Aus Wunstorf unter­stütz­ten 56 ehren­amt­li­che Hel­fer mit 16 Fahr­zeu­gen die ins­ge­samt 500 Ein­satz­kräf­te der Johan­ni­ter in Han­no­ver, die im Stadt­teil Vah­ren­wald zum Ein­satz kamen.

Wunstor­fer Johan­ni­ter an der Ein­satz­stel­le in Han­no­ver | Foto: Johan­ni­ter

Trans­port­fahr­zeug der Feu­er­wehr Han­no­ver | Foto: Aue­post

Karo­li­ne Kowohl und Johan Weg­la­ge im Ein­satz­fahr­zeug | Foto: Johan­ni­ter

Denn in der Eva­ku­ie­rungs­zo­ne in den Stadt­tei­len Vah­ren­wald, List und Nord­stadt lagen auch sie­ben Alten- und Pfle­ge­hei­me und eine Kli­nik. Um die­ses Mam­mut­pro­jekt zu stem­men, waren allein die Johan­ni­ter mit mehr als 100 Trans­port­fahr­zeu­gen aus dem gesam­ten Lan­des­ver­band Niedersachsen/Bremen ange­reist. Die Auf­ga­be der Wunstor­fer Johan­ni­ter war die Orga­ni­sa­ti­on und Lei­tung von Ein­satz­be­rei­chen, die Ver­pfle­gung und Betreu­ung von Betrof­fe­nen in einer Unter­kunft und die Mit­wir­kung am Trans­port von lie­gen­den und sit­zen­den Per­so­nen.

Angebote in den Notunterkünften

Die Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen hat­ten sich eini­ge Tage zuvor auf den Groß­ein­satz vor­be­rei­tet. Von Feld­bet­ten, Tischen und Bän­ken über Kon­ser­ven, Geträn­ke, Besteck bis hin zu Tisch­de­cken wur­de alles für die Ver­sor­gung und Betreu­ung der Bevöl­ke­rung vor­be­rei­tet und bereits am Sams­tag vor der gro­ßen Bom­ben­räu­mung in den zur Ver­fü­gung gestell­ten Räum­lich­kei­ten auf­ge­baut. An der IGS Büs­sing­weg und der Her­schel­schu­le gaben die ehren­amt­li­chen Hel­fer der Johan­ni­ter den Men­schen aus den betrof­fe­nen Stadt­tei­len einen tem­po­rä­ren Unter­schlupf. In jeder die­ser vier Schu­len wur­de eigens eine Sani­täts­sta­ti­on ein­ge­rich­tet.

Vie­le der Eva­ku­ier­ten such­ten kei­ne Unter­künf­te auf, son­dern nutz­ten den son­ni­gen Tag für einen Spa­zier­gang z. B. am Masch­teich | Foto: Aue­post

Neben der medi­zi­ni­schen Ver­sor­gung und dem leib­li­chen Wohl küm­mer­ten sich die Johan­ni­ter auch um die Sor­gen und Ängs­te der Eva­ku­ier­ten. Um es den Kin­dern in den Unter­künf­ten so ange­nehm wie mög­lich zu machen, waren unter ande­rem im Büs­sing­weg auch Erzie­her aus den Johan­ni­ter-Kin­der­ta­ges­stät­ten vor Ort und sorg­ten für Spiel, Spaß und aus­rei­chend Unter­hal­tung. Abwechs­lung garan­tier­te auch eine Hüpf­burg an der IGS Vah­ren­hei­de-Sahl­kamp.

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