Der Tag nach dem Crash in Wunstorf

Einen Tag nach dem schwe­ren Ver­kehrs­un­fall, bei dem eine Senio­rin mit ihrem Wagen in ein Kamin­stu­dio am Ran­de der Wunstor­fer Kern­stadt krach­te, wer­den bereits die ers­ten Schä­den not­dürf­tig beho­ben, doch die Spu­ren sind noch all­ge­gen­wär­tig.

Pro­vi­so­ri­sche Aus­bes­se­rungs­ar­bei­ten am Mor­gen nach dem Unfall | Foto: Mir­ko Baschet­ti

Ein Lehr­stück, was sich bei spek­ta­ku­lä­ren Auto­un­fäl­len in den Medi­en abspielt, erleb­te Wunstorf am gest­ri­gen Don­ners­tag. Noch wäh­rend die Feu­er­wehr mit­ten bei der Arbeit ist, sind Repor­ter ver­schie­de­ner Medi­en vor Ort und foto­gra­fie­ren und fil­men.

HAZ und Bild­zei­tung ver­öf­fent­li­chen ihre Mel­dun­gen umge­hend, ein Fern­seh­team von Non­stop-News ist auch vor Ort, der NDR berich­tet. Mar­cel Nel­le­sen, Pres­se­spre­cher der Wunstor­fer Feu­er­wehr, wird im O-Ton inter­viewt, bei der „Bild Han­no­ver“ wird der Unfall tags dar­auf zum Auf­ma­cher im Regio­nal­teil, die Zei­tung zeigt ein Foto des irri­tiert-ver­stört bli­cken­den Geschäfts­füh­rers über der rie­si­gen Schlag­zei­le und spe­ku­liert über einen Zucker­schock der Fah­re­rin.

(…) dass ein Fahr­zeug so tief in ein Gebäu­de vor­dringt, so weit von der Stra­ße abkommt, das ist nicht all­täg­lich.Mar­cel Nel­le­sen im beim NDR gezeig­ten Inter­view

Selbst der Feu­er­wehr, die im Umgang mit Unfäl­len eini­ges gewohnt ist, merkt man an, dass der Ein­satz zu den spek­ta­ku­lä­re­ren zähl­te. Die Bild­zei­tung nimmt es mit den Fak­ten nicht so genau, spricht von einer Links- statt von einer Rechts­kur­ve – was natür­lich auch vom Stand­ort des Repor­ters abhän­gen mag.

Schlag­zei­le der Bild Han­no­ver am Tag nach dem Unfall | Foto: Dani­el Schnei­der

Vie­le wei­te­re Zei­tun­gen zie­hen nach. Als DPA-Agen­tur­mel­dung ver­brei­tet sich die Kun­de von der Unfall­fahrt in Wunstorf weit, so dass vie­le Zei­tun­gen auf­sprin­gen und die Mel­dung in ihre Pan­ora­ma- oder Nie­der­sach­sen-Rubri­ken über­neh­men. Bis z. B. in die Pei­ner Nach­rich­ten oder ins T-Online-Por­tal schaff­te es so die Nach­richt aus Wunstorf.

Spu­ren­be­sei­ti­gung in Wunstorf

Am Frei­tag, den Tag danach, kehrt man in Wunstorf zur Nor­ma­li­tät zurück. Das Kamin-Geschäft ist geschlos­sen, ein Schild an der Ein­gangs­tür ver­kün­det, dass der Betrieb bis zum 9. Janu­ar wegen „Gebäu­de­scha­dens“ ruht.

Hin­weis­schild am Ein­gang des Feu­er­hau­ses; im Hin­ter­grund Stra­ße und Bahn­über­gang | Foto: Dani­el Schnei­der

Am Mor­gen taucht noch ein Fern­seh­team auf und filmt bei Tages­licht, Zei­tungs­re­por­ter ver­schaf­fen sich einen Über­blick, doch ansons­ten sieht alles fast wie­der nor­mal aus – bis auf das gro­ße Loch in der Wand des Gebäu­des, das wei­ter­hin weit­hin sicht­bar ist. Eine ört­li­che Tisch­le­rei ist damit beschäf­tigt, die Außen­wand pro­vi­so­risch zu ver­schlie­ßen, um das Gebäu­de wie­der wit­te­rungs­fest zu machen. Noch haben die Ver­si­che­rungs­gut­ach­ter ihre Arbeit nicht auf­ge­nom­men, die Repa­ra­tur wird spä­ter erfol­gen. Das Auto wur­de bereits am Vor­abend gebor­gen und abtrans­por­tiert.

Wie Schie­nen auf dem Feld

Von der Stra­ße kaum aus­zu­ma­chen ist die Spur des Autos auf dem Feld. Doch auf dem nun gefro­re­nen Boden des Ackers zeich­nen sich die Abdrü­cke der Räder deut­lich ab, die das Auto bei sei­ner Fahrt quer­feld­ein hin­ter­las­sen hat, als es zwi­schen Stra­ße und Bahn­damm dahin­ras­te. In einem leich­ten Bogen füh­ren die Spu­ren vom Ende der Kur­ve bis kurz vor die Bahn­glei­se, wo der Wagen regel­recht abge­ho­ben haben muss.

Die Spu­ren des Polos zie­hen sich deut­lich über den Acker und erge­ben eine Ver­län­ge­rung zur zuvor ver­las­se­nen Rechts­kur­ve der Stra­ße | Foto: Mir­ko Baschet­ti

Die Fah­re­rin muss mehr als nur einen Schutz­en­gel gehabt haben: Bei ihrer Fahrt hät­te sie genau­so gut erneut in den Gegen­ver­kehr gera­ten und mit einem Fahr­zeug kol­li­die­ren kön­nen, in die Bäu­me am Stra­ßen­rand fah­ren oder einen tra­gen­den Pfei­ler im Gebäu­de tref­fen kön­nen. Statt­des­sen wur­de ihre Fahrt offen­bar mehr­mals abge­bremst: der Acker­bo­den, das Gleis­bett vor den Bahn­glei­sen, die Leicht­bau­wand des Kamin­stu­di­os, das dahin­ter­lie­gen­de Inte­ri­eur und schließ­lich der Ver­kaufs­tre­sen waren Hin­der­nis­se, die das Auto nahm, ohne noch schwe­re­re Schä­den zu erlei­den.

Das Geschäfts­ge­bäu­de steht nicht weit von der ver­häng­nis­vol­len Kur­ve; im Vor­der­grund die Bahn­glei­se, die der Polo über­sprang | Foto: Mir­ko Baschet­ti

Trotz­dem muss der Wagen regel­recht abge­ho­ben sein, als er auf die leich­te Böschung vor den Bahn­glei­sen am Ende des Ackers traf, denn der Bahn­damm liegt etwas erhöht und wirk­te hier wie eine Ram­pe. Direkt dahin­ter krach­te der Wagen dann an das nur weni­ge Meter neben den Glei­sen ste­hen­de Gebäu­de und hin­ter­ließ eine meter­lan­ge Schnei­se, die nicht wirkt, als wäre der Wagen wesent­lich ent­schleu­nigt wor­den.

Der Unfall in Wunstorf war nicht der ers­te Zwi­schen­fall

Inzwi­schen teilt die Poli­zei mit, dass die 70-Jäh­ri­ge auch einen Unfall in Hagen­burg ver­ur­sach­te und ein­fach wei­ter­fuhr, bevor es kurz dar­auf in Wunstorf zum fol­gen­rei­chen Unfall kam.

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