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Ministerpräsident besucht die Redaktion der Auepost

Weil: Die Steinhuder schaffen das

Am Montag stutzten nicht wenige Passanten, als sie den Ministerpräsidenten im Rahmen seiner Stippvisite durch die Wunstorfer Fußgängerzone laufen sahen. Dass Stephan Weil dabei auch durch die Türen der Auepost-Redaktion trat, war kein Zufall: Wir hatten ihn eingeladen und nutzten den Besuch für ein kurzes Interview.

Ministerpräsident Weil bei der Auepost
Stephan Weil (mit Niedersachsen-Mundschutz) lässt sich von Herausgeber Mirko Baschetti die Sommerausgabe zeigen | Foto: Malte Süß

Wunstorf (red). Steinhude und das Meer haben in den vergangenen Jahren stark an Attraktivität gewonnen. Diese Meinung hat Ministerpräsident Stephan Weil am Montagnachmittag in einem Gespräch mit der Redaktion der Auepost vertreten. Der SPD-Politiker nutzte während seiner Sommerreise durchs Land den Besuch im Bokeloher Dorfladen und im Roten Lehmhaus der SPD Wunstorf, um auch der Auepost-Redaktion im Quartier No. 6 einen Besuch abzustatten. Weil bekam selbstverständlich die aktuelle Printausgabe überreicht, ließ sich vom Herausgeber Mirko Baschetti das Konzept erklären und zeigte sich erstaunt, dass ein Magazin in dieser Form kostenlos erhältlich ist.

Beim folgenden Interview legten wir den Schwerpunkt der Fragen ganz auf Steinhude: Die Steinhuder seien gut gewappnet, die Corona-Pandemie zu überstehen, so der Ministerpräsident. Die Region sei ein Naherholungsgebiet allererster Güte mit steigender Anziehungskraft. Dem Land als Eigentümer des Meeres, so der Regierungschef, seien aber bei der Hilfe für zum Beispiel die Fischer enge Grenzen gesetzt. Die Wasserknappheit im Meer sei kein lokales Problem. In vielen Gewässern sei wegen des Klimawandels eine bedrohliche Lage entstanden. An vielen Stellen im Land stelle sich das so dar, und die Landesregierung sei sich einig in der Einschätzung, dass der Wasserverbrauch allgemein entscheidend eingeschränkt werden müsse.

Unsere Fragen an den Ministerpräsidenten

Wunstorfer Auepost: Das Steinhuder Meer gehört dem Land, Sie waren schon Freyfischer. Nun ist der Wasserstand besorgniserregend niedrig: Fische sind in Gefahr, Segler ziehen ab, es drohen Konsequenzen für den Tourismus … Was kann oder will das Land tun, um zu helfen?

Ministerpräsident Stephan Weil: Beim Tourismus bin ich guter Dinge. Steinhude ist ein wunderbares Naherholungsziel und ein toller Ausflugsort. Übrigens auch für Menschen aus NRW und darüber hinaus. Steinhude hat in den letzten Jahren aus meiner Sicht viel an Attraktivität gewonnen. Beim Naturschutz war ich als Freyfischer oft aktiv auf Seiten der Steinhuder. Dazu war ich von Amts wegen verpflichtet. Aber dem sind Grenzen gesetzt. Die Rechtsprechung hat außerordentlich enge Regeln geschaffen – da geht es zum Beispiel um den Kormoran und die Aalreusen … Die Dinge sind klar geregelt, und es ist so, dass die Steinhuder Fischer damit klarkommen müssen. Aber das schaffen sie, da bin ich mir ganz sicher: Der Steinhuder Aal ist eine echte Delikatesse, davon habe ich mich vielfach persönlich überzeugt. Insgesamt bemüht sich die Landespolitik um einen Ausgleich der unterschiedlichen Interessen. Zum Wasserstand: Das ist eine extrem schwierige Frage. Würde sich das Klima stabilisieren, wäre auch dem Steinhuder Meer geholfen. Das betrifft viele andere Gewässer auch und ist ein großes Thema überall im Land: Wir werden uns generell darauf einstellen müssen, mit weniger Wasser auszukommen und das vorhandene Wasser sinnvoll zu speichern und zu nutzen – Umweltminister Lies arbeitet an entsprechenden Konzepten.

Ministerpräsident Weil bei der Auepost
Stephan Weil im Gespräch mit der Redaktion | Foto: Malte Süß
Ministerpräsident Weil bei der Auepost
Hoher Besuch in den Redaktionsräumen: Landtagsabgeordnete Osigus und Ministerpräsdent Weil | Foto: Malte Süß
Ministerpräsident Weil bei der Auepost
Wiebke Osigus hatte den Ministerpräsidenten nach Wunstorf „gelotst“ | Foto: Malte Süß
Ministerpräsident Weil bei der Auepost
Stephan Weil im Gespräch mit der Redaktion | Foto: Malte Süß

    Auepost: Ein Steinhuder Gastwirt wollte eine Entschädigung vom Land wegen seiner Umsatzeinbußen während der Corona-Maßnahmen. Das Oberverwaltungsgericht hat die Klage abgewiesen. Wie ist Ihre persönliche Position zu dieser Rechtsfrage?

    Weil: Ich habe dazu eine ganz klare Position. Das Urteil entspricht meinem Rechtsgefühl. Der Staat hat wegen des Coronavirus sehr vielen Menschen an vielen Stellen leider aus guten Gründen eine Menge aufbürden müssen. Das ist niemandem leichtgefallen, und das macht auch keiner gerne. Aber der Staat wäre völlig überfordert, alle Nachteile, die sich durch den Infektionsschutz ergeben haben, finanziell auszugleichen. Wäre das Urteil anders ausgefallen, hätte das Konsequenzen für die gesamte Bundesrepublik gehabt.

    Auepost: Gab es einen Moment des Schreckens, dass eine derartige Klage zuerst in Niedersachsen eingereicht wurde?

    Weil: Nein. Meine Fachleute hatten keine Zweifel, dass das Verfahren positiv für uns ausgehen würde.

    Auepost: In der kritischen Zeit der Pandemie kam es zu einem Streit zwischen Bürgermeister Eberhardt und Regionspräsident Jagau darüber, ob Steinhude gesperrt werden darf, und wenn ja, von wem konkret. Denken Sie nicht, dass Ihr Duz-Freund Rolf-Axel näher dran ist und die bessere Ortskenntnis hat?

    Weil: Zunächst einmal: Duz-Freunde sind sie beide. Und der Bürgermeister mag näher dran sein an den Problemen, aber die Verantwortung liegt ganz klar beim Regionspräsidenten. Es geht um Infektionsschutz, und der ist beim Gesundheitsamt der Region angesiedelt. Alle tun gut daran, die klaren Zuständigkeiten zu beachten. Außerdem verstehen sich beide eigentlich sehr gut. Landespolitiker sollten sich bei solchen Fragen grundsätzlich besser raushalten: Wenn ich anfangen würde, zu jedem lokalen Ereignis meinen Senf dazuzugeben, dann hätte ich wohl bald einige Freunde weniger.

     
    Die Fragen stellten Achim Süß und Daniel Schneider.

    7 Kommentare

    1. “Weil: Nein. Meine Fachleute hatten keine Zweifel, dass das Verfahren positiv für uns ausgehen würde.” => Der Weisungsbefugte der Richter ist ja zum Glück auch SPD-Mitglied… konnte nix schiefgehen… ^^

    2. Homberti (m/w/d) hetzt mal wieder.
      Richtig ist: Richterinnen und Richter sind in ihrer Urteilsfindung unabhängig; sie sind, im Gegensatz zu anderen Bediensteten des Bundes, weisungsunabhängig!

      1. @ Michael Lange:
        “Homberti (m/w/d) hetzt mal wieder.” => So ein Lob aus Ihrer “Feder”! Vielen Dank, werde mir weiterhin Mühe geben, aber ich befürchte daß ich noch sehr lange brauchen werde um Ihr Niveau zu erreichen! ;-D

    3. Sehr geehrte Damen und Herren,
      vielleicht wäre es gut gewesen, wenn unser MP Stephan Weil an einen sonnenreichen Samstag- bzw. Sonntagnachmittag Steinhude besucht hätte.
      Grüßend
      Uwe Kampe

    4. Steinhude wird gerade in den momentanen Zeiten als Naherholungsgebiet sehr gebraucht. Und damit es nicht zu eng wird –auch wegen CORONA — muss die Möglichkeit einer größeren Verteilung geschaffen werden. Nicht nur jetzt ,sondern auch für die Zukunft. Dafür habe ich immer wieder dafür plädiert, das Gebiet auszuweiten. Aber nicht, indem Trampelpfade durch die Grundstücke der Wassersportvereine gepflastert werden. Das Gebiet zwischen Lütjen Deile und dem Hagenburger Kanal muss für die Massen der Besucher erschlossen werden . Aber nicht nur durch einen Spazierweg ,sondern durch Kaffee- und Biergärten und alles was Naherholungssuchende und Kurzurlauber brauchen. Auch die hinter diesem Gebiet liegenden Parkplätze und Standplätze für Wohnmobile müssen soweit vergrößert werden, dass das bisherige Verkehrschaos an Sonn – und Feiertagen auf den Steinhuder Straßen aufhört . Immer nur vom Naturschutz zu reden ist sehr gut und erfreulich , aber wie wir gerade in der CORONA – Zeit erfahren müssen wir auch an den Menschenschutz denken. Diese werden immer unzufriedener, wenn keine Möglichkeiten der Abwechselung durch Naherholung geboten werden .
      Auch der Wasserstand des Meeres muss geregelt werden . Zu antworten , dass andere Gewässer auch austrocknen ist sehr banal Mit dem fehlenden Wasserstand von ca. 60 Zentimetern, ändert sich das ganze Meer . Erhöhte Wassertemperaturen , fehlender Sauerstoff , mehr Algenwuchs usw. , ganz zu schweigen von der Möglichkeit des Segelns .Mit Kielbooten nicht mehr möglich. . Man könnte z.. die Nord-Aue in Auhagen am 3 – Länder Eck anzapfen ud einen Teil des Wassers zum Meer führen. K & S braucht das Wasser nicht mehr alles. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten. Von allein werden sich die Voraussetzungen bei unseren momentanen klimakterischen Bedingungen nicht ändern- Und diese werden in den nächsten Jahren trotz aller Anstrengungen immer schlechter werden. Warum das so ist , habe ich in meinen Kommentaren und Essays
      immer wieder vorgebracht.
      Um diese Probleme zu lösen müssen sich Arbeitsgruppen bilden, denen dann auch das benötigte Kapital zur Verfügung gestellt wird.
      Der vom MP Weil so gelobte Dorfladen in Bokeloh ist auch aus der Arbeit einer örtlichen AG entstanden. Aus der AG Zukunft Bokeloh .

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