Exkremente

Wer erleich­tert sich am Denk­mal in der Saar­stra­ße?

Seit fast einem hal­ben Jahr ver­rich­tet jemand vor dem „Luft­brü­cken­denk­mal” in der Saar­stra­ße sein gro­ßes Geschäft. Die Stadt­ver­wal­tung hat nun reagiert – doch die Maß­nah­men könn­ten viel­leicht „ins Lee­re lau­fen”.

Seit etwa einem hal­ben Jahr ver­rich­tet rund ums Luft­brü­cken­denk­mal jemand nachts sein gro­ßes Geschäft. | Foto: Mir­ko Baschet­ti

Wunstorf (mb). Man­fred Schwe­ser staun­te nicht schlecht. Es sah so aus, als hät­te eine Per­son ihr „gro­ßes Geschäft” am „Luft­brü­cken­denk­mal” in der Saar­stra­ße ver­rich­tet – kei­ne 5 Schrit­te vor sei­ner Haus­tür. Ers­te Zwei­fel, dass es ein Hun­de­hau­fen sein könn­te, bekam er durch Begut­ach­tung von Form und Kon­sis­tenz. Zu sehr ähnel­ten sie mensch­li­chen Fäka­li­en. Aber auch die benutz­ten, in unmit­tel­ba­rer Nähe hin­ter­las­se­nen Papier­ta­schen­tü­cher mach­ten ihn stut­zig.

Zwei­mal pro Woche

Doch dabei soll­te es nicht blei­ben. Etwa zwei­mal wöchent­lich fan­den Schwe­ser und sei­ne Nach­barn nun mor­gens rund um das Denk­mal die Hin­ter­las­sen­schaft vor – benutz­te Papier­ta­schen­tü­cher inklu­si­ve. War­um jemand die­se Stel­le als Klo benutzt, kann sich nie­mand der Anwoh­ner erklä­ren.

Wer macht so etwas?”

Wer macht so etwas?”, fragt Schwe­ser ungläu­big. „Wer macht sich die­se Mühe und nimmt es in Kauf, erwischt zu wer­den?” Anfangs benach­rich­tig­te er noch das Ord­nungs­amt, um die „Saue­rei” ent­fer­nen zu las­sen. Mitt­ler­wei­le küm­mert sich die Nach­bar­schaft selbst um die Säu­be­rung. Die Poli­zei wur­de durch Man­fred Schwe­ser bereits infor­miert. Doch mehr als „Patrouil­len­fahr­ten” konn­te sie ihm auch nicht anbie­ten.

Info: Der wei­ße Gedenk­stein: Sied­lung statt Luft­brü­cke
Vie­le ken­nen es unter der Bezeich­nung „Luft­brü­cken­denk­mal”, so wird es im Wunstor­fer Volks­mund genannt. Doch laut Stadt­ar­chi­var Klaus Fesche gibt es gar kei­nen Bezug zur Ber­li­ner Luft­brü­cke. Viel­mehr ist der Gedenk­stein beim Abschluss der Errich­tung der soge­nann­ten „Wei­ßen Sied­lung” für eng­li­sche Sol­da­ten des Flie­ger­horsts 1954 auf­ge­stellt wor­den. Der ein­ge­mei­ßel­te sti­li­sier­te Vogel sym­bo­li­siert dabei die Roy­al Air Force. Mit dem Gedenk­stein soll­te die Fer­tig­stel­lung der Sied­lung doku­men­tiert und die Erin­ne­rung an die Sta­tio­nie­rung bri­ti­scher Trup­pen in Wunstorf wach­ge­hal­ten wer­den. Gleich­zei­tig „begrüß­te” der Stein damals die von Nor­den (aus Blu­men­au) kom­men­den Besu­cher oder Bewoh­ner der Sied­lung, denn die Saar­stra­ße bil­de­te damals den nörd­li­chen Abschluss der Bebau­ung. Der Stein mar­kier­te also auch eine Ein­gangs- oder Ein­fahrt­si­tua­ti­on, ähn­lich wie manch­mal beschrif­te­te Find­lin­ge eine Hof- oder Dorf­ein­fahrt schmü­cken. Bis vor weni­gen Jah­ren tra­fen sich ehe­ma­li­ge Bewoh­ner und in Wunstorf sta­tio­nier­te Vete­ra­nen ein­mal jähr­lich am Sied­lungs­denk­mal.

Die Chan­ce, die Per­son in fla­gran­ti zu erwi­schen sei sehr gering”, äußer­te sich Micha­el Fie­ber von der Poli­zei Wunstorf gegen­über der Auepost. Um dem Täter auf die Schli­che zu kom­men, woll­ten die Anwoh­ner eine Video­ka­me­ra instal­lie­ren. Doch das sei „nicht erlaubt, weil es öffent­li­cher Raum sei”, so ein ent­täusch­ter Schwe­ser – Daten­schutz vor Men­schen­schmutz.

In der Nacht ertappt

Karikatur Denkmal

Stadt­spre­cher Alex­an­der Stock­um bestä­tig­te die­se Pro­ble­ma­tik vor weni­gen Wochen. „Wir wer­den uns Maß­nah­men über­le­gen, die hof­fent­lich hel­fen”. Dies ist nun gesche­hen. Die Hecke rund um das Denk­mal wur­de beschnit­ten, um durch einen feh­len­den Sicht­schutz abzu­schre­cken. Zudem soll ein Spen­der für „Gas­si­beu­tel” auf­ge­stellt wer­den. Nach einer Bege­hung vor Ort hält die Stadt­ver­wal­tung es näm­lich für mög­lich, dass es sich eben doch um Hun­de­kot han­deln könn­te.

Die­se Annah­me wur­de jetzt aller­dings ver­mut­lich wider­legt. Vor weni­gen Tagen sah eine Nach­ba­rin, wie sich nachts eine Jog­ge­rin gera­de dar­an mach­te, sich an besag­ter Stel­le zu ent­lee­ren. Dar­auf ange­spro­chen, erwi­der­te sie, dass sie „ein­fach mal drin­gend muss­te” – und jogg­te davon.

Man­fred Schwe­ser hofft, dass die Stel­le nun frei von mensch­li­chen Exkre­men­ten bleibt. „Aber wer weiß das schon …”

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