Wie die Asbest-Hal­de bei Luthe zukunfts­fä­hig gemacht wird

Bis­lang war es ein Pro­vi­so­ri­um: Unter dem Bir­ken­wäld­chen am Orts­ein­gang von Wunstorf-Luthe, direkt neben den Bahn­glei­sen nach Han­no­ver und unweit der B 441, lagert die Hin­ter­las­sen­schaft aus 30 Jah­ren Asbest­pro­duk­ti­on des letz­ten Jahr­hun­derts: Ein klei­ner Berg ver­stei­ner­ten Asbest­schlamms, des­sen Ober­kan­te von der Natur zurück­er­obert wur­de.

Asbesthalde Luthe | Foto: Stadt Wunstorf
Asbest­hal­de Luthe | Foto: Stadt Wunstorf

Die Gefahr, die von dem Hügel aus­geht, besteht aktu­ell an zwei Stel­len: Einer­seits kön­nen Gift­stof­fe ins Grund­was­ser gelan­gen, wenn Regen­was­ser durch die Hal­de hin­durch­si­ckert, ande­rer­seits kön­nen Asbest­fa­sern in der Luft frei­ge­setzt wer­den, wenn die Ober­flä­che der Hal­de auf­bricht, etwa wenn ver­wur­zel­te Bäu­me umkip­pen oder Tei­le der Hal­de abrut­schen, und die Umwelt eben­so kon­ta­mi­nie­ren. Ein­mal aus­ge­tre­te­ne Asbest­fa­sern las­sen sich nicht wie­der „ein­fan­gen“. Eine Sanie­rung war daher drin­gend gebo­ten.

Sanie­rung klingt wie Säu­be­rung, Besei­ti­gung, doch das ist natür­lich nicht der Fall. Sanie­rung meint hier die Siche­rung des Sta­tus quo – die Absi­che­rung der bestehen­den Hal­de gegen zukünf­ti­ge Wit­te­rungs­ein­flüs­se, die zur Gefahr wer­den könn­ten. Die­se Sanie­rung wur­de nun in Angriff genom­men.

Der Plan sieht fol­gen­der­ma­ßen aus: Um die Hal­de für die Zukunft wet­ter­fest zu machen und zu ver­hin­dern, dass sich die Natur erneut die Hal­de zurück­er­obert, muss zuerst der aktu­el­le Bewuchs mit Bäu­men und ande­re Vege­ta­ti­on ent­fernt wer­den. Die Abholz­ar­bei­ten began­nen am 15. Janu­ar, bereits einen Tag nach der Infor­mie­rung der Öffent­lich­keit im Luther Schüt­zen­haus, zu dem zahl­rei­che Anwoh­ner und Inter­es­sier­te erschie­nen waren.

Ab Mai kommt es dann zur Besei­ti­gung vor­han­de­ner Schä­den. Im Sep­tem­ber soll die Böschungs­be­fes­ti­gung fer­tig­ge­stellt sein, eben­so die Anglei­chung der Ober­flä­chen­struk­tu­ren. Wenn die­se Arbei­ten voll­endet sind, kön­nen gleich­mä­ßig Kunst­stoff­bah­nen auf­ge­bracht wer­den, die die Hal­de nach außen hin abdich­ten und ver­sie­geln sol­len. Anschlie­ßend folgt der Bau einer Ent­wäs­se­rungs­an­la­ge samt Was­ser­auf­fang­be­cken in der Nähe, wodurch das auf der Hal­de auf­schla­gen­de Regen­was­ser abge­lei­tet wer­den und kon­trol­liert ver­si­ckern kann, ohne durch die Asbest­schich­ten wan­dern zu müs­sen.

Auch wenn es bei der Sanie­rung nicht um einen Abtrag des Asbest­hü­gels geht, bedeu­ten selbst die­se Arbei­ten an der Ober­flä­che ein gewis­ses Risi­ko. Im Ide­al­fall wer­den kei­ne Asbest­fa­sern aus­tre­ten, wahr­schein­li­cher ist jedoch, dass gera­de in der Pha­se der Abhol­zung oder Anglei­chung Asbest­be­stand­tei­le aus­tre­ten. Dass es dazu kommt, kann nie­mand aus­schlie­ßen, denn die Sanie­rung wird nicht, wie es sonst bei Gebäu­de­sa­nie­run­gen in die­sen Dimen­sio­nen üblich wäre, voll­ab­ge­dich­tet unter Unter­druck vor­ge­nom­men, son­dern unter frei­em Him­mel. Die mit der Über­wa­chung der Umwelt­be­din­gun­gen beauf­trag­te Mess­stel­le kann nur nach­träg­lich reagie­ren, soll­te es zur Frei­set­zung grö­ße­rer Men­gen an Asbest­fa­sern kom­men, aber dies im Vor­feld nicht ver­hin­dern.

Daher müs­sen Maß­nah­men auch in Schutz­klei­dung durch­ge­führt wer­den, der Bereich der Hal­de wird wäh­rend der Arbei­ten in einen soge­nann­ten Schwarz­be­reich ver­wan­delt. Ver­gleich­bar einer kern­tech­ni­schen Anla­ge wer­den die Arbei­ter beim Ver­las­sen „dekon­ta­mi­niert“.

Bis ein­schließ­lich Okto­ber sol­len die Kunst­stoff­bah­nen auf­ge­bracht und ver­sie­gelt sein, anschlie­ßend wird aus­rei­chend Erde auf­ge­tra­gen und die Hal­de wie­der begrünt. Bis Ende 2016 sol­len alle Arbei­ten abge­schlos­sen sein. In den nach­fol­gen­den Jah­ren wird man sich dann pri­mär nur noch um die Grün­pfle­ge küm­mern müs­sen, die Hal­de also land­schafts­gärt­ne­risch betreu­en, damit z. B. nicht irgend­wann wie­der hohe Bäu­me auf der Hal­de wach­sen, deren Wur­zeln die Ver­sie­ge­lung beschä­di­gen könn­ten. Auch das Grund­was­ser muss lang­fris­tig beob­ach­tet wer­den. Steigt es in der Zukunft, muss es even­tu­ell sogar künst­lich abge­senkt wer­den, damit es nicht die unters­ten Schich­ten der Asbest­hal­de erreicht.

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3 Kommentare
  1. […] zusätz­li­che Asbest­fa­sern frei­wer­den, war trotz Ein­hal­tung aller Vor­sichts­maß­nah­men zu erwar­ten, in Anbe­tracht des­sen, dass die Arbei­ten unter frei­em Him­mel statt­fin­den und der Mas­se an Mate­ri­al, das auf der Hal­de bewegt wird. Genau dies scheint bei den lau­fen­den […]

  2. […] in der Außen­luft gibt es nicht, nur Grenz­wer­te für Innen­räu­me und Arbeits­plät­ze. Daher wur­de für die Arbei­ten an der Asbest­hal­de Luthe selbst eine Linie gezo­gen, die sich an den Grenz­wer­ten für Räu­me ori­en­tiert: Mehr als 500 Fasern […]

  3. […] mit Hin­ter­las­sen­schaf­ten, aber in einer weit grö­ße­ren Dimen­si­on, hat­te die Sanie­rung der Wunstor­fer Asbest­hal­de zu tun, die für die Zukunft gesi­chert wer­den muss­te, nach­dem sich Plä­ne für einen Abtrans­port […]

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