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CDU-Ratsfraktion ordnet sich neu: Schweer gibt die Führung an Heidorn ab

16.09.2026 • Achim Süß • 3 Min. • Kommentare: 6

Erfolg und Niederlage liegen bei Wahlen nah beieinander. So hat das Stühlerücken in den Gremien begonnen – trotz der weitgehenden Unklarheit, welche Mehrheiten sich finden. In der CDU gibt es einen Stabwechsel in der Ratsfraktion: Bernd Heidorn löst Christiane Schweer ab. Die neue Fraktion wählte ihn am Montagabend einstimmig zum Vorsitzenden.

16.09.2026
Achim Süß
3 Min.
Heidorn und Schweer am Wahlabend auf der CDU-Wahlparty | Foto: Süß

Wunstorf (as). Weniger als 24 Stunden nach Schließung der Wahllokale und Bekanntgabe der Ergebnisse hat die CDU ihre frisch gewählte Ratsfraktion mit fünf Neulingen konstituiert und weitreichende Entscheidungen getroffen. Der neue starke Mann neben Bürgermeisterkandidat und Parteichef Martin Pavel ist Bernd Heidorn. Der 73-Jährige ist kein Neuling, sondern mit mehr als 30 Jahren politischer Arbeit in Orts- und Stadtrat ein alter Hase.

Heidorn ist gebürtiger Wunstorfer und Vorsitzender der Werbegemeinschaft. Bei der Wahl am 13. September ist er nach langer Abstinenz erneut als Kandidat für seine Partei angetreten. Im Ortsrat kam er am vergangenen Sonntag auf 1149 Stimmen. Im Stadtrat erreichte er 526.

41 Mandate im Rat

Die neue Fraktion besteht aus zwölf Mitgliedern. Das ist ein Mandat weniger als in der aktuellen Wahlperiode des Rates, die im November endet. Die CDU hat nach wie vor die zweitstärkste Fraktion im Rat. Die SPD stellt 13 Mandatsträger und hat drei Sitze verloren. Dem 41-köpfigen Rat gehören außerdem fünf Vertreter der Grünen an (minus zwei), fünf der AfD (plus drei), zwei der Linken (plus zwei) sowie je ein Vertreter beziehungsweise Vertreterin von FDP, Freien Wählern und BSW. Hinzu kommt als stimmberechtigtes Mitglied des Gremiums der Bürgermeister.

Die neue Mandatsverteilung im Wunstorfer Stadtrat | Infografik: Auepost

Die Sitzung am Montagabend bot einerseits Gelegenheit für eine vorläufige Bilanz, andererseits standen aber nach einer Vorstellungsrunde auch Regularien auf der Tagesordnung. Es war die bisherige Fraktionsvorsitzende Christiane Schweer, die für einen personellen Neuanfang plädierte. Ihrem Vorschlag, Heidorn an die Spitze der Fraktion zu wählen, stimmten nach Informationen der Auepost alle Mandatsträger zu.

Schweer in der zweiten Reihe

Schweer zieht mit ihrem Rückzug „in die zweite Reihe“, wie sie es formulierte, offenbar auch die Konsequenz aus ihrem enttäuschenden persönlichen Abschneiden. Sie ist amtierende Ortsbürgermeisterin von Steinhude und hat mit 740 Stimmen (53,08 Prozent) das mit Abstand beste Ergebnis verbucht.

Im Gespräch mit der Auepost offenbarte Schweer, sie habe schon lange überlegt, ob sie sich den Belastungen des Amtes erneut stellen wolle. Nach zehn Jahren als Fraktionschefin habe sie vor etwa zwei Wochen entschieden, nicht erneut für das Spitzenamt zu kandidieren. Noch nicht verdaut hat sie nach eigenen Worten den Ausgang der Wahl: Vor fünf Jahren habe sie 2.100 Stimmen bei der Stadtratswahl erhalten. Diesmal sei ihr Ergebnis „quasi halbiert“ worden. Auch bei der Ortsratswahl sei es ähnlich: Von mehr als 1.800 Stimmen 2021 seien 740 übrig geblieben.

Es bleibt abzuwarten, welche Bündnisse es geben wird: Mit der SPD (drei Mandate), der CDU (zwei Mandate) und Grünen, Freien Wählern, FDP und AfD (alle je ein Mandat) ist Steinhude der bunteste Ortsrat der Stadt. Spitzenkandidat der siegreichen SPD war Nils Hoffmann, der 521 Stimmen (40,11 Prozent) erhalten hat.

Spannung in Wunstorf

Spannend wird es auch im Ortsrat Wunstorf. Dort deutet alles darauf hin, dass die Dominanz der SPD nach 35 Jahren zu Ende geht – und damit auch die Ära Silbermann.

Bernd Heidorn (Archiv) | Foto: Süß

Die ersten Gespräche zwischen den Parteien lassen nach den Recherchen der Auepost den Schluss zu, dass CDU-Spitzenkandidat Heidorn bei der Wahl des Ortsbürgermeisters auf die Unterstützung der Grünen (drei Sitze), der FDP (ein Sitz) und auch der AfD (zwei Sitze) zählen kann.

Thomas Silbermann (Archiv) | Foto: Süß

Seine eigene Fraktion hat fünf Sitze. Diese Konstellation würde bedeuten: Die sechsköpfige SPD-Fraktion könnte ihren Kandidaten Thomas Silbermann nicht durchbringen. Der stärksten Fraktion würde ein Zweckbündnis von elf Stimmen gegenüberstehen.

Silbermann hat das Amt des Ortsbürgermeisters seit 2011 inne. Sein Vorgänger Horst Koitka (SPD) war 20 Jahre lang im Amt.

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Kommentare


  • @realWunstorfer sagt:

    Ein 73-jähriger sorgt für „frischen Wind“ – so stellt man sich doch den Neuanfang vor. Und dann wundert man sich über die Wahlergebnisse…

    Bitte nicht falsch verstehen: Niemand hat etwas gegen Erfahrung und es soll auch keine „Altersdiskriminierung“ erfolgen, doch wirkt der parteiübergreifende Blick in die Gremien allgemein erschreckend: Überwiegend alte Menschen – oft im Rentneralter… Egal, ob nun im Orts-, Stadtrat oder der Regionsversammlung. Warum muss z.B. die CDU bei der Wahl zur Regionsversammlung ihren Listenplatz 1 an einen Kandidaten Geburtsjahr 1952 vergeben? Auch wenn er der unbestritten verdiente Bürgermeister a.D. ist?

    Gleichzeitig wird gejammert, dass „die Jugend“ kein Interesse an Politik oder generell am Ehrenamt hätte. Doch ist es oftmals eher das Nichtloslassen-Wollen der alten Kader, die vehement an ihren Posten kleben und der Jugend damit überhaupt keine Chance lassen, sich tiefgreifender einzubringen. Selbst oft genug erlebt, wenn auch nur als stiller Beobachter…

    • Michael sagt:

      Ich stimme Ihnen zu. Wenn auch für die Zusammensetzung der Räte schon zu spät, möchte ich dennoch darauf hinweisen, dass jeder die Möglichkeit hat auf dem Wahlschein gezielt jüngere Kandidaten zu wählen.

      Leider wird das Alter von vielen, insbesondere älteren Wählern, noch immer eher als Maßstab für Erfahrung und Verlässlichkeit herangezogen. Jungsein gilt dabei schnell als Synonym für Unerfahrenheit oder Unvernunft.

      Dabei lohnt es sich den Blick nicht nur auf das Alter, sondern auch auf die Ideen, den Gestaltungswillen und die Perspektive für die Zukunft zu richten. Gerade bei langfristigen Entscheidungen kann ein Generationenwechsel neue Impulse setzen und festgefahrenen Diskussionen einen frischen, lösungsorientierten Schub verleihen.

  • Reinhard sagt:

    Bei der Kandidatenliste der CDU für die Regionsversammlung war ein Mann U50, alle anderen Ü70.
    Damit möchte man die Region neu aufstellen. Kein Wunder, dass bestimmte Themen keinen Stellenwert haben; vielleicht nicht einmal bewusst ist, dass es überhaupt gesellschaftlich relevante Themen auf Regionsebene sind.

    Was mir bei der Kandidatenliste für den Stadtrat noch auffällt, obwohl ich nicht für eine symbolische Frauenquote bin:

    Frau fanden bei der CDU, den GRÜNEN und der AfD kaum Berücksichtigung.
    Daher nicht verwunderlich, dass sie in den Fraktionen der CDU und AfD kaum, bemerkenswerter Weise bei den GRÜNEN gar nicht vertreten sind. Einzig die SPD hat sowas wie eine gleich gewichtete Verteilung hinbekommen.

  • Frederik Bindt sagt:

    Ich glaube, man sollte bei dieser Diskussion schon fair bleiben – schließlich war ich selbst der Kandidat Ü50 auf der CDU-Liste für die Regionsversammlung.

    Und wenn man sich das Wahlergebnis anschaut, muss man auch anerkennen: Rolf-Axel Eberhardt hat ein beeindruckendes persönliches Ergebnis eingefahren. Das ist am Ende Ausdruck einer demokratischen Wahl und damit auch des Wählerwillens.

    Auch beim Thema Frauen lohnt sich ein genauerer Blick. Auf den Listen für die Regionsversammlung haben durchaus Frauen U50 kandidiert. Wenn sie am Ende nicht die entsprechenden Mandate erhalten, zeigt das zunächst einmal: Die Wählerinnen und Wähler haben anders entschieden.

    Gleichzeitig sollten wir uns nichts vormachen: Viele Parteien – auch die CDU – haben Nachwuchsprobleme. Und ein Teil davon ist auch hausgemacht. Wir müssen uns deshalb fragen, wie wir wieder mehr junge Menschen für politische Verantwortung begeistern können.

    Denn eigentlich sollten wir uns über jeden Menschen freuen, der bereit ist, sich einzubringen – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Parteibuch. Demokratie lebt davon, dass Menschen nicht nur kommentieren, sondern Verantwortung übernehmen, kandidieren, diskutieren und gestalten wollen.

    Mehr Menschen, die sich engagieren, machen unsere Demokratie nicht schwächer, sondern stärker.

    Und vielleicht sollten wir deshalb weniger darüber diskutieren, ob jemand „zu alt“ oder „zu jung“ ist, sondern viel mehr darüber, wie wir Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Perspektiven und Ideen gemeinsam an einen Tisch bekommen.

    Ich jedenfalls freue mich über jeden, der sich politisch engagiert – und ich hoffe, dass sich künftig noch viel mehr Menschen dazu entscheiden. Gerade die jüngeren Generationen sind herzlich eingeladen, mitzumischen und Politik selbst mitzugestalten.

  • Sigmund sagt:

    Wirbt aber nicht der aktuelle BM mit „Erfahrung“? Also bei der SPd ist das okay, bei der CDU nicht?
    Wie ist das so mit „Berufserfahrung“ in der Wirtschaft? Ist da Erfahrung wichtig? Ich finde ja! Ganz eindeutig. Ich persönlich mag es, wenn die Kommunal Politiker wissen, wie es ist, Steuern zu zahlen – wenn man krank ist, kein dauerhaften Lohn bekommt, wenn man weiß, was es bedeutet, wieviel Druck für Mitarbeiter und Chef da sind, eine Firma am Leben zu halten und u.a. Staatsbedienstete damit zu finanzieren. Ich sag’s ihnen! Erfahrung aus der Wirtschaft finde ich gut. Ich bin Arbeitnehmer und ich möchte nicht von Langzeitstudenten oder Beamten regiert werden, die gar keine Ahnung vom Leben haben. Reicher als wir sind sie allemal – privatpatient sicher auch.

  • Torben sagt:

    Wenn Frau Schweer Hilfe bei ihrer Analyse braucht, hier ein paar Beispiele:

    Gestaltung des Strandterrassenplatzes: Dieser ist nun für die nächsten 50 Jahre eine Bratpfanne. Ewig wurde gegen Bäume auf diesem Platz votiert. Kaum sah man das desaströse Ergebnisse, sollen nun doch noch weitere Bäume her – mit einem immensen Kostenaufwand!

    Toilette auf der Badeinsel: Alle reden von Blickachsen zum Wasser. Aber wenn man jetzt und die nächsten Jahrzehnte auf die Badeinsel geht, läuft man direkt auf das Brikett am See zu. Ihr Kommentar: „Ich muss erstmal nachlesen, ob wir das so beschlossen haben.“ Ja, haben Sie!

    Neue Straßenlaternen im Ortskern: Man wollte sich abheben von der Kernstadt. Das Ergebnis spricht für sich. Sehen schlimmer aus als die Vorgängerleuchten.

    Förderung des Tagestourismus: Warum wird nicht der Übernachtungstourismus gefördert?

    Verkehrsprobleme: Zitat: „Die Leute sollen nicht immer meckern. Wir leben, wo andere Urlaub machen.“ Ja, richtig! Verkehrsbelastung ist auch ok; aber dieses Chaos kann doch so nicht weitergehen!

    Wie kann man nur so verblendet sein und auch die Augen vor den Problemen so verschließen?

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