
Wunstorf (as). Weniger als 24 Stunden nach Schließung der Wahllokale und Bekanntgabe der Ergebnisse hat die CDU ihre frisch gewählte Ratsfraktion mit fünf Neulingen konstituiert und weitreichende Entscheidungen getroffen. Der neue starke Mann neben Bürgermeisterkandidat und Parteichef Martin Pavel ist Bernd Heidorn. Der 73-Jährige ist kein Neuling, sondern mit mehr als 30 Jahren politischer Arbeit in Orts- und Stadtrat ein alter Hase.
Heidorn ist gebürtiger Wunstorfer und Vorsitzender der Werbegemeinschaft. Bei der Wahl am 13. September ist er nach langer Abstinenz erneut als Kandidat für seine Partei angetreten. Im Ortsrat kam er am vergangenen Sonntag auf 1149 Stimmen. Im Stadtrat erreichte er 526.
Die neue Fraktion besteht aus zwölf Mitgliedern. Das ist ein Mandat weniger als in der aktuellen Wahlperiode des Rates, die im November endet. Die CDU hat nach wie vor die zweitstärkste Fraktion im Rat. Die SPD stellt 13 Mandatsträger und hat drei Sitze verloren. Dem 41-köpfigen Rat gehören außerdem fünf Vertreter der Grünen an (minus zwei), fünf der AfD (plus drei), zwei der Linken (plus zwei) sowie je ein Vertreter beziehungsweise Vertreterin von FDP, Freien Wählern und BSW. Hinzu kommt als stimmberechtigtes Mitglied des Gremiums der Bürgermeister.

Die Sitzung am Montagabend bot einerseits Gelegenheit für eine vorläufige Bilanz, andererseits standen aber nach einer Vorstellungsrunde auch Regularien auf der Tagesordnung. Es war die bisherige Fraktionsvorsitzende Christiane Schweer, die für einen personellen Neuanfang plädierte. Ihrem Vorschlag, Heidorn an die Spitze der Fraktion zu wählen, stimmten nach Informationen der Auepost alle Mandatsträger zu.
Schweer zieht mit ihrem Rückzug „in die zweite Reihe“, wie sie es formulierte, offenbar auch die Konsequenz aus ihrem enttäuschenden persönlichen Abschneiden. Sie ist amtierende Ortsbürgermeisterin von Steinhude und hat mit 740 Stimmen (53,08 Prozent) das mit Abstand beste Ergebnis verbucht.
Im Gespräch mit der Auepost offenbarte Schweer, sie habe schon lange überlegt, ob sie sich den Belastungen des Amtes erneut stellen wolle. Nach zehn Jahren als Fraktionschefin habe sie vor etwa zwei Wochen entschieden, nicht erneut für das Spitzenamt zu kandidieren. Noch nicht verdaut hat sie nach eigenen Worten den Ausgang der Wahl: Vor fünf Jahren habe sie 2.100 Stimmen bei der Stadtratswahl erhalten. Diesmal sei ihr Ergebnis „quasi halbiert“ worden. Auch bei der Ortsratswahl sei es ähnlich: Von mehr als 1.800 Stimmen 2021 seien 740 übrig geblieben.
Es bleibt abzuwarten, welche Bündnisse es geben wird: Mit der SPD (drei Mandate), der CDU (zwei Mandate) und Grünen, Freien Wählern, FDP und AfD (alle je ein Mandat) ist Steinhude der bunteste Ortsrat der Stadt. Spitzenkandidat der siegreichen SPD war Nils Hoffmann, der 521 Stimmen (40,11 Prozent) erhalten hat.
Spannend wird es auch im Ortsrat Wunstorf. Dort deutet alles darauf hin, dass die Dominanz der SPD nach 35 Jahren zu Ende geht – und damit auch die Ära Silbermann.

Die ersten Gespräche zwischen den Parteien lassen nach den Recherchen der Auepost den Schluss zu, dass CDU-Spitzenkandidat Heidorn bei der Wahl des Ortsbürgermeisters auf die Unterstützung der Grünen (drei Sitze), der FDP (ein Sitz) und auch der AfD (zwei Sitze) zählen kann.

Seine eigene Fraktion hat fünf Sitze. Diese Konstellation würde bedeuten: Die sechsköpfige SPD-Fraktion könnte ihren Kandidaten Thomas Silbermann nicht durchbringen. Der stärksten Fraktion würde ein Zweckbündnis von elf Stimmen gegenüberstehen.
Silbermann hat das Amt des Ortsbürgermeisters seit 2011 inne. Sein Vorgänger Horst Koitka (SPD) war 20 Jahre lang im Amt.
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