
Wunstorf (red). Das Kommunalwahlsystem ist nicht unkompliziert: Ob ein Kandidat tatsächlich in den Stadtrat oder den jeweiligen Ortsrat einzieht, hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Listenplätze und Direktstimmen, verschiedene Wahlbereiche und Ortsteilgrößen können dazu führen, dass nicht auf den ersten Blick deutlich wird, wer weswegen einen Sitz erhalten hat.
Manchmal entscheidet sogar nur eine Handvoll Stimmen darüber, ob ein Kandidat und damit eine Partei in einen Ortsrat einzieht oder nicht. Beim Ortsrat Wunstorf war das bei der jetzigen Wahl beispielsweise der Fall: Die FDP erhielt 870 Stimmen und ist damit im Ortsrat der Kernstadt vertreten. Die Freien Wähler bekamen 860 Stimmen und bekommen keinen Sitz im Ortsrat. Für den Ortsrat Klein Heidorn reichten dagegen schon 249 Stimmen, damit das BSW dort einen Platz erhalten konnte.
Für Fragezeichen sorgte nach der Wahl allerdings etwas anderes: Bei den offiziellen Ergebnissen im Infosystem der Region war vielfach angegeben, dass „noch ein Losentscheid nötig“ sei. Beispielsweise beim Ergebnis der Wunstorfer Stadtratswahl oder bei manchen Ortsräten tauchte diese Zusatzinformation auf.
Viele interpretierten das als Hinweis, dass das vorläufige endgültige Wahlergebnis doch noch nicht feststand und es später noch zu Änderungen kommen könnte. Mancher, der einen Platz in einem solchen Rat knapp verpasst hatte, machte sich deshalb sogar noch Hoffnungen. Entsprechende Anfragen erreichten nach dem Wahlsonntag auch die Auepost.
Auf den ersten Blick wirkt der Hinweis tatsächlich seltsam, denn Losentscheide werden normalerweise nur nötig, wenn Parteien oder Kandidaten die exakt selbe Prozentzahl im Wahlergebnis erreichen, also gewissermaßen zu zweit um einen einzigen Platz konkurrieren. In solchen Fällen muss tatsächlich ausgelost werden, wer den Platz dann erhält.
Bei den entsprechend betroffenen Wahlen war jedoch keine Stimmengleichheit zu erkennen. Ein Anruf bei Wunstorfs Stadtsprecher Daniel Pfingsten löst das Rätsel: Bei diesen Hinweisen handelt es sich nur um Stimmengleichheit bei potentiellen Nachrückerkandidaten. Denn hier kam es wirklich zu identischen Wahlergebnissen, so dass die Reihenfolge in der Nachrückeordnung nun per Los entschieden werden muss, bestätigt Pfingsten auf Nachfrage der Auepost. Dies müsse bereits jetzt geschehen, und nicht erst, wenn der Fall eines Nachrückens eintrete.
An der Zusammensetzung der Räte ändere sich dadurch jedoch nichts mehr, so Pfingsten, es komme zu keiner Veränderung beispielsweise bei den Parteienanteilen selbst.
Wer nicht in einen Rat gewählt wurde, darf sich also keine Hoffnung mehr machen, durch irgendeine Losentscheidung doch noch Anrecht auf einen Einzug zu erhalten und einen anderen Kandidaten zu verdrängen. Der Losentscheid betrifft aktuell nur Kandidaten, die später eventuell einmal einspringen müssen, weil gewählte Ratsleute ihr Mandat niederlegen oder nicht mehr ausüben können. Insofern besteht doch noch etwas Hoffnung für diejenigen, die einen Ratsplatz nur knapp verfehlt haben.
Bevor das amtliche Endergebnis der Kommunalwahl für Wunstorf bekannt gegeben ist, müssen auch diese Losfragen geklärt sein. Der Wahlausschuss tritt dazu in den kommenden Tagen zusammen. Dann beginnt auch die offizielle Frist für Wahleinsprüche, wenn jemand einen Fehler bei den Wahlen vermutet und begründen kann: Zwei Wochen bleiben dafür in Niedersachsen, bis das Kommunalwahlergebnis unanfechtbar wird.
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