+++ Bürgermeisterwahl +++ Pavel setzt sich vor Piellusch +++ Stichwahl in 14 Tagen +++ Kandidaten starten in neuen Wahlkampf +++

Wunstorf (red). Es ist ein Ergebnis, das viele so nicht erwartet haben: Herausforderer Martin Pavel (CDU), der als Kandidat gemeinsam für CDU, Grüne und FDP angetreten war, zwingt Amtsinhaber Carsten Piellusch nicht nur in eine Stichwahl, sondern erhält im ersten Wahlgang auch mehr Stimmen als Piellusch.
Die vergangene Wahl von vor 5 Jahren wiederholt sich damit nicht: Damals hatte Piellusch direkt die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang errungen und CDU-Kontrahent Pavel sowie den damaligen Bürgermeisterkandidaten der Grünen weit hinter sich gelassen.
Mit einer Stichwahl, die nun nötig wird, weil keiner der Kandidaten aus dem Stand mehr als 50 Prozent der Stimmen auf sich vereint hat, kommt es nun zum direkten Duell zwischen Pavel und Piellusch.
Damit hatten nicht wenige in der Stadt bereits gerechnet, da die Ausgangslage anders war als bei der vergangenen Bürgermeisterwahl – auch gab es nun vier Bewerber. Dass es Pavel sein würde, der das Rennen nun anführt, das scheint manchen aber nun doch überrascht zu haben. Ironischerweise ähnlich, wie mancher vor fünf Jahren überrascht gewesen war, dass Piellusch sofort die absolute Mehrheit errungen hatte.
Doch entschieden ist mit der nun angesetzten Stichwahl noch nichts, es spielen viele Faktoren hinein, die die Entscheidung noch in die eine oder andere Richtung lenken können.
Martin Pavel hat nun einen psychologischen Vorteil: Statistisch gesehen gewinnt bei einer Stichwahl oft derjenige Kandidat, der bereits im ersten Wahlgang vorne lag. Doch der Abstand ist nicht allzu groß, die beiden Bürgermeisterkandidaten lagen in der gestrigen Abstimmung recht nah beieinander. Bei großem Abstand ist das Aufholen tendenziell schwieriger.
Weitere Faktoren entscheiden darüber, ob Pavel den Vorsprung halten kann oder ob Piellusch aufholt. Natürlich vor allem das weitere Verhalten der Wähler, aber auch die Positionierung der bereits unterlegenen Bürgermeisterkandidaten: Entscheidend kann sein, wie sich die Wähler, die gestern für Kerstin Obladen (Freie Wähler) und Mona M’Barkiou (Die Linke) gestimmt haben, bei der Stichwahl verhalten – und ob sie überhaupt zur Stichwahl gehen. Und auch die Wähler, die schon einmal für Pavel oder Piellusch gestimmt haben, müssen noch einmal motiviert werden, genauso noch einmal zur Abstimmung zu gehen.

Dass einfach alle Obladen-Wähler beim nächsten Mal Pavel unterstützen und alle M’Barkiou-Wähler Piellusch, davon kann nicht ausgegangen werden, selbst wenn die Unterlegenen entsprechende Wahlempfehlungen abgeben würden. Wäre es so, dann würde Pavel die Stichwahl gewinnen.
Denn Obladen hat mit ihrem Abschneiden bei der Bürgermeisterwahl ebenfalls viele überrascht, insbesondere in den gegnerischen Lagern: Das deutlich zweistellige Ergebnis wurde als respektabel und anerkennend wahrgenommen.
Es bleibt aber unklar, ob Obladen auch viele Protestwähler hinter sich versammelt hat, die bei einer Stichwahl nun eher zu einer Enthaltung tendieren würden. Denn das Ergebnis der Stadtratswahl für die Freien Wähler und das Ergebnis der Stimmen für Obladen fällt auffällig auseinander.
Vor der Wahl war in Bezug auf die Bürgermeisterwahl in Wunstorf oft zu hören „Ich weiß noch nicht, wen ich wählen soll“, es schien eine verbreitete Unsicherheit zu herrschen. Mit der Stichwahl werden die Karten nun diesbezüglich neu gemischt. Mit dem Unterschied, dass es nur noch zwei Kandidaten zur Auswahl gibt. Das kann bei einem entsprechenden Unsicherheitsfaktor alles verändern und macht den Ausgang der Stichwahl dann nahezu unvorhersehbar.
Auf den ersten Blick scheint es, dass die Strategie, dass Pavel als gemeinsamer Bürgermeisterkandidat für CDU, Grüne und FDP ins Rennen geht, aufgegangen ist. Carsten Piellusch hat den Erfolg von vor 5 Jahren, direkt ins Amt gewählt zu werden, nicht wiederholen können. Statt einer Partei hatten drei Parteien für Pavel getrommelt.
Der Bürgermeisterwahlkampf dürfte nun in den verbleibenden zwei Wochen noch intensiver werden, als er in den zurückliegenden Tagen vor der Wahl schon gewesen war. Es kommt letztlich auf die Mobilisierung der Wähler an: Der Stammwählerschaft, aber dazu auch auf jeden Einzelnen der womöglich jetzt wieder Unentschlossenen.
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