+++ Bürgermeisterwahl +++ Piellusch nicht wiedergewählt +++ Martin Pavel wird neuer Bürgermeister in Wunstorf +++ Sieg bei Stichwahl mit 56,36 Prozent der Stimmen +++

Wunstorf (red). Zwei große Wahlpartys gab es am Sonntagabend vor knapp zwei Wochen in Wunstorf. Die CDU feierte in Martin Pavels Wahlkampfquartier in der Südstraße, im ehemaligen Fräulein-Fröhlich-Geschäft in der Fußgängerzone – und davor. Direkt auf der Straße wird gegrillt. Im Laufe des Abends, als feststeht, dass Pavel als Bürgermeisterkandidat in Führung gegangen ist, füllt sich die Südstraße auf voller Breite mit Menschen. Pavel, der etwas später eintrifft, muss überall Hände schütteln. Der erste Gratulant war jedoch Tilman Kuban, der Pavel als „Lichtblick“ bei den Bürgermeisterwahlen in der Region bezeichnete.
Manfred Bartels kommt mit einem ganz persönlichen Geschenk zur Wahlparty: Eingerahmt ein erstes Wahlplakat von Pavel aus dem Jahr 2011, in dem dieser zum ersten Mal in der Kommunalpolitik kandidierte.
Das ist ein Riesenerfolg
Martin Pavel
Pavel selbst sagt am Abend im Gespräch mit der Auepost: „Das ist ein Riesenerfolg gegen alle Trends in Bund und Land, eine tolle Teamleistung“.





Die strategische Entscheidung, mit den Grünen und der FDP zusammenzuarbeiten, sei richtig gewesen. Dass er den Amtsinhaber in der ersten Abstimmung überflügelt habe, das mache ihn stolz.
Kaum weniger enthusiastisch ist zur selben Zeit die Stimmung im „Küsters“. Dort feiert die SPD den Wahlausgang in der Stadt. Freude herrscht, als der rote Balken für Carsten Piellusch nach der Auszählung der ersten 3 Wahllokale in der Stadt ganz oben steht. Piellusch scheint direkt in Führung gegangen. Doch die Auszählung entwickelt sich zum Krimi: Mal führt Piellusch, mal Pavel, der sich dann schließlich die Führung sichert.
Als sich herausstellt, dass die SPD in der Stadt stärkste Kraft bleibt und in 9 von 10 Ortsräten ebenfalls führt, bricht wieder großer Jubel aus.

Die Unterstützung für Piellusch ist ungebrochen, man sieht es im Lichte der Konkurrenz: Es sei ein Wahlkampf „drei gegen einen“ gewesen, ist immer wieder zu hören, CDU, Grüne und FDP gegen den SPD-Kandidaten. Dass Piellusch dabei – und trotz zweier weiterer Bürgermeisterkandidatinnen – trotzdem ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefert, wird als klarer Erfolg gesehen.



Carsten Piellusch selbst spricht von einem weiterhin „offenen Rennen“: Der Auepost sagt er direkt nach dem vorläufigen Endergebnis, dass er optimistisch sei, die Stichwahl zu gewinnen.
Wir haben ein offenes Rennen
Carsten Piellusch
Auch in Hinblick auf den künftigen Rat äußert er sich: Es werde „bunter werden“ und man werde sehen müssen, wie man sich dann zusammenfinde.
Bei der Linkspartei wird am Wahlabend ebenfalls gefeiert. Dass Mona M’Barkiou als Bürgermeisterkandidatin mit 1.434 erhaltenen Stimmen auf Platz 4 von vieren landete, spielt keine Rolle mehr. Die Arbeit der vergangenen Monate hat sich trotzdem ausgezahlt für die Partei, die in Wunstorf und Neustadt erst kürzlich überhaupt wieder aktiv geworden war: Direkt mit zwei Sitzen ist man nun wieder im Wunstorfer Stadtrat vertreten und kann dort eine Fraktion bilden, liegt personell vor FDP, BSW und Freien Wählern, die je nur einen Kandidaten in den Stadtrat entsenden.

Mit 5,11 Prozent ist man damit die politisch fünftstärkste Kraft in der Wunstorfer Stadtpolitik. Mit diesem Ergebnis hatten die Linken nicht gerechnet. „Wir sind glücklich und zufrieden. Es hat sich gelohnt – Die Linke ist wieder da“, fasst es Volker Napp zusammen.
Bei den Freien Wählern herrschten nach der Wahl gemischte Gefühle: Als Newcomer in der örtlichen Lokalpolitik hatte man sich durchaus mehr erhofft bei den Wahlergebnissen. Man hatte sogar mehr Kandidaten aufgestellt als das BSW oder die Linkspartei. Aber letztlich konnten nur drei Mandate errungen werden, manche Bewerber scheiterten haarscharf an wenigen fehlenden Stimmen. Kerstin Obladen wird im Stadtrat sitzen, außerdem im Ortsrat Steinhude. In Großenheidorn gelang Jan Kumradt der Einzug in den Ortsrat.

Das Wahlergebnis von Obladen bei der Bürgermeisterwahl, wo sie ebenfalls antrat, überraschte ebenfalls viele: Mit 11,24 Prozent kam sie auf den dritten Platz und setzte damit für die Freien Wähler ein deutliches Zeichen. Obladen kündigte an, an ihrem parteiübgreifenden Ansatz festhalten zu wollen: „Ich werde auch weiterhin mit allen demokratisch gewählten Mitgliedern des Rates sprechen – unabhängig davon, welcher Partei oder Gruppierung sie angehören. Und ich bin der Auffassung, dass dies für alle Parteien selbstverständlich sein sollte.“
Bei der nun anstehenden Stichwahl legte sich Obladen jedoch eindeutig fest: „Da ich persönlich politisch rechts der Mitte stehe und in vielen politischen Fragen Übereinstimmungen mit der CDU sehe, werde ich Martin Pavel bei der Stichwahl unterstützen. Ich empfehle auch meinen Wählerinnen und Wählern, ihm ihre Stimme zu geben“, teilte Obladen mit.
Die Karten sind zur Stichwahl deshalb noch einmal neu gemischt, der Wahlkampf lief auch in den zurückliegenden zwei Wochen weiter auf Hochtouren: Carsten Piellusch oder Martin Pavel, das wird sich am morgigen Sonntagabend entscheiden.
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