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Grüne stellen im Wahlkampf die Themen klimafreundlicher Verkehr und Wohnungsbau heraus

13.06.2026 • Achim Süß • 3 Min.Kommentare: 7

Klimafreundlicher Verkehr für alle und bezahlbare Wohnungen: Diese beiden Ziele wollen die Wunstorfer Grünen im Kommunalwahlkampf als Themen in den Vordergrund stellen. Im Parteivorstand löst Jan-Philipp Ramm Dr. Reinhard Hüttermann als Co-Sprecher ab.

13.06.2026
Achim Süß
3 Min.
Ratsfrau Anne Dalig ist Co-Sprecherin des Ortsverbands der Grünen. Neu als Co-Sprecher ist Jan-Philipp Ramm. Er ist Nachfolger von Dr. Reinhard Hüttermann. | Foto: Süß/privat

Wunstorf (as). Personalentscheidungen und inhaltliche Festlegungen haben den Verlauf der jüngsten Mitgliederversammlung des Ortsverbands der Grünen bestimmt. Gemeinsam mit Ratsfrau Anne Dalig fungiert der 38-jährige Ramm künftig als Sprecher.

Ramm arbeitet in der Pressestelle der Landtagsfraktion der Grünen und war bereits als Beisitzer seit 2024 im Vorstand. Er löst Dr. Reinhard Hüttermann ab, der das Sprecheramt in den vergangenen Monaten kommissarisch übernommen hatte. Hüttermann koordiniert nun den Kommunalwahlkampf der Grünen.

Ein Ziel: Bügermeisterwechsel

Zur Zielsetzung des Ortsverbands erklärt Ramm: „Wir wollen eine Veränderung in der politischen Landschaft in Wunstorf.” Aus diesem Grund unterstütze seine Partei Martin Pavel (CDU) in seiner Kandidatur als Bürgermeister. „Explizite Wahlaussagen, wie es nach dem 13. September weitergeht, werden wir im Wahlkampf nicht treffen”“, betont Ramm: „Wir kämpfen für die Umsetzung unserer Forderungen, zu denen die Förderung von bezahlbarem Wohnraum und die Transformation hin zu einem klimafreundlichen Verkehr für alle gehören.“”

Bereits im März hatten die Grünen in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Vertretern der CDU und der FDP mehrfach hervorgehoben, ihre Unterstützung gelte dem Kandidaten Pavel, ausdrücklich nicht der Partei. „Wir suchen uns unsere Mehrheiten im Rat”“, so Dalig. Die Grünen wollen wie bisher eigenständig Ideen entwickeln und Anträge stellen. Dabei werde es im Rat zu wechselnden Übereinstimmungen mit anderen Fraktionen kommen.

Der Ortsverband will sich an der „Steinhuder Erklärung” orientieren, in der die Grünen gemeinsam mit CDU und FDP aktuelle Positionen zur Kommunalpolitik beziehen. Die „Kooperationsvereinbarung” gilt als gemeinsame politische Grundlage, um Pavel zu unterstützen“. In der Präambel wird „nachhaltige, transparente und zukunftsfähige Entwicklung der Stadt“” als Ziel genannt.

Wichtige Projekte sollen mit verbindlichen Finanzierungs- und Zeitplänen gesteuert werden. Ein „öffentlich zugängliches Umsetzungs- und Finanzmonitoring“” soll Transparenz schaffen. Die inhaltlichen Aussagen reichen von den Stichworten Mobilität, Flächenentsiegelung und bezahlbares Wohnen über Stadtgrün, Entschlammung des Steinhuder Meeres und Bürgerbeteiligung bis zu Innenstadtentwicklung, Wirtschaft, Finanzen, Soziales und Modernisierung der Verwaltung.

Kein Kandidat aus Idensen

Zur Aufstellung ihrer Bewerberinnen und Bewerber für die Wahlen im September erklärt Dalig: „Der Anspruch war, für alle Ortsräte Kandidierende aufzustellen, um den Wählenden eine Möglichkeit zu geben, aktiven Klimaschutz zu wählen.“” Für Idensen sei das nicht gelungen, da die Kandidatin aus der aktuellen Wahlperiode umgezogen ist. In den anderen Ortsräten treten Kandidaten der Grünen an.

Dalig weiter: „“Gern hätten wir unseren persönlichen Anspruch, jeden ungeraden Platz mit einer Frau zu besetzen, erfüllt. Das ist uns leider nicht gelungen.”“ Es sei diesmal schwierig gewesen, Kandidatinnen für die Listen zu gewinnen. Frauen seien in ihrer beruflichen Tätigkeit stark eingebunden.

Dazu komme die Care-Arbeit, die meistens auf ihren Schultern lastet”: „Haushalt, Kinder und zum Teil pflegebedürftige Eltern sind in unserer Gesellschaft immer noch überwiegend den Frauen zugeordnet.”“ Ein kommunales Mandat anzustreben, erscheine vielen Frauen nicht mehr möglich.

Die Kandidaten

Für die Grünen kandidieren im Wahlbereich I für den Rat der Stadt: Alexander Cavic, Reiner Roth, Alexandra Schimpf, Malte Süß, Frank Dollmann, Lothar Porcher und Reinhard Hüttermann. Im Bereich II treten Rudolf Speckhan, Guido Thimian, Jan-Philipp Ramm, Friedhelm Selke und Anne Dalig an.

Die Kandidatinnen und Kandidaten für die Ortsräte: Bokeloh: Nassim Wellmann, Blumenau/Liethe: Rudolf Speckhan, Luthe: Dustin Meschenmoser, Steinhude: Kolja Nohl, Reiner Roth und Jan-Philipp Ramm, Großenheidorn: Lothar Porcher, Klein Heidorn: Horst Gerke, Mesmerode: Friedhelm Selke, Wunstorf: Anne Dalig, Sybille Russ, Alexander Cavic und Malte Süß, Kolenfeld: Guido Thimian.

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Kommentare


  • Demokrat sagt:

    Wenn die Grünen erklären, sie unterstützten den CDU-Bürgermeisterkandidaten, aber ausdrücklich nicht die CDU, bleibt das erklärungsbedürftig. Ein Kandidat steht nicht außerhalb seiner Partei, ihrer Mehrheiten und ihrer späteren Abhängigkeiten. Wer diese Trennung behauptet, müsste konkret sagen, worin sie praktisch bestehen soll.

    Auch die Begriffe „bezahlbarer Wohnraum“ und „klimafreundlicher Verkehr für alle“ klingen gut, bleiben aber ohne Finanzierung und Realitätsprüfung leer. Bezahlbarer Wohnraum entsteht nicht durch ein Wahlkampfwort, sondern nur durch konkrete Antworten auf Baukosten, Bodenpreise, Zinsen, energetische Anforderungen und kommunale Finanzierung.

    Noch unklarer ist der „klimafreundliche Verkehr“. Streng genommen ist der klimafreundlichste Verkehr der, der gar nicht erst entsteht. Alles andere hat Kosten, Flächenverbrauch, Energieverbrauch und Rohstoffbedarf. Soll die Lösung mehr ÖPNV sein, weniger Autoverkehr, mehr Fahrradinfrastruktur, E-Mobilität oder etwas ganz anderes? Und wenn E-Mobilität gemeint ist: Woher kommen Batterierohstoffe, Strom, Netzausbau und Ladeinfrastruktur? Auch Kobalt, Lithium und seltene Rohstoffe fallen nicht klimaneutral vom Himmel.

    Ich bin Demokrat. Gerade deshalb reicht mir diese Art von politischer Begriffssammlung nicht. Demokratie braucht überprüfbare Aussagen, klare Verantwortlichkeiten und echte Wahlalternativen. Wenn CDU, FDP und Grüne sich auf eine gemeinsame Grundlage zur Unterstützung eines CDU-Kandidaten verständigen, dann sollen sie offen sagen, was daran noch unterscheidbar ist und wer nach der Wahl wofür Verantwortung trägt.

    • Wunni sagt:

      „Klimafreundlicher Verkehr“ nach grüner Lesart bedeutet Vergrämung des kompletten PKW-Individualverkehrs, also Abschaffung von Parkplätzen, erhebliche Erhöhung der Parkgabühren, Geschwindigkeitsreduzierung und Sperrung von Verkehrswegen (z.B. Luther Weg) etc. pp. – und das Ganze ohne brauchbare Alternativen anzubieten. Die Buslinien in die Ortsteile sind so ausgedünnt, dass werktags zu Schulzeiten jede Stunde mal ein Bus fährt oder der berühmte „Sprinti“ – in Musterbeispiel an Unzuverlässigkeit – und ob so ein Sprintibus mal kommt, hängt offenbar auch von der Willkür der Betreiberfirma ab. Abgesehen davon kann man mit dem Bus nicht wirklich größere Einkäufe und Lasten transportieren. Die Verwendung von Fahr- und Lastenrädern ist auch sehr abhängig von der körperlichen Konstitution und den Witterungsbedingungen. Also mangels Alternative, sinkt durch diese Autovergrämung die Lebensqualität in dieser Stadt- und insbesonderen in den Ortsteilen.

  • Anonym sagt:

    Schon wieder ertappe ich mich dabei, „Demokrat“ in allen Punkten zustimmen zu können, diesmal aber in einem Punkt nicht, wenn er schreibt: „Ein Kandidat steht nicht außerhalb seiner Partei, ihrer Mehrheiten und ihrer späteren Abhängigkeiten. Wer diese Trennung behauptet, müsste konkret sagen, worin sie praktisch bestehen soll.“

    Beispiel 1:
    ARD-DeutschlandTrend vom August 2007:
    78 Prozent sagten, die Politik der Großen Koalition habe nicht dazu geführt, dass es ihnen persönlich besser gehe. Gleichzeitig waren 75 Prozent mit Angela Merkel zufrieden.

    Beispiel 2:
    Im August 2021 bezeichneten 75 Prozent Merkel rückblickend als gute Kanzlerin, während nur 27 Prozent CDU/CSU wählen wollten und 55 Prozent mit der Arbeit der Bundesregierung unzufrieden waren.

    Ein Großteil der deutschen Wählerschaft hat die Figur Angela Merkel überhaupt nicht mit der CDU in Verbindung gebracht. Interessant oder? Der deutsche Wähler kann erstaunlicherweise die Chefin und Hauptverantwortliche der Politik und deren Ergebnissen einer Partei von der Partei selber komplett trennen. Eigentlich ein Fall für die Couch.

    • Demokrat sagt:

      Der Hinweis auf Angela Merkel ist interessant, und ich würde ihn nicht einfach zurückweisen. Viele Wähler trennen offenbar tatsächlich zwischen Person, Partei und politischer Verantwortung. Genau darin liegt aber aus meiner Sicht ein demokratisches Problem.

      Demokratie sollte weder Personen- noch Parteikult sein. Wenn eine Person idealisiert wird, treten Programme, Mehrheiten, Verantwortlichkeiten und Folgen in den Hintergrund. Wenn eine Partei oder ein politisches Lager idealisiert wird, entsteht schnell ein „wir gegen die anderen“. In beiden Fällen verliert das Sachargument an Gewicht.

      Eigentlich müsste ein politisches Argument zunächst ohne Parteinamen und ohne Personennamen geprüft werden können. Ist es in sich schlüssig? Sind Ziel, Mittel, Kosten und Folgen miteinander vereinbar? Wer trägt Verantwortung? Wer bezahlt? Erst danach sollte interessieren, von wem der Vorschlag stammt.

      Gerade deshalb bleibt die Trennung zwischen einem Kandidaten und seiner Partei erklärungsbedürftig. Natürlich kann man eine Person für geeigneter halten als andere. Aber ein politisches Amt wird nicht im luftleeren Raum ausgeübt. Es hängt an Mehrheiten, Bündnissen, Fraktionen, Programmen und Abhängigkeiten.

      Wenn also eine Partei erklärt, sie unterstütze eine Person, aber ausdrücklich nicht deren Partei, dann reicht diese Formel nicht. Entscheidend ist, was das nach der Wahl praktisch bedeutet. Demokratie lebt nicht von sympathischen Personenbildern oder Lagerreflexen, sondern von überprüfbaren Aussagen, klarer Verantwortung und sachlicher Kohärenz.

  • Reinhard Hüttermann sagt:

    Die Unterstützung des Bürgermeisterkandidaten ergibt sich daraus, dass nicht mit der CDU‑Fraktion, sondern direkt mit dem Kandidaten verhandelt wurde. Die Kooperationsvereinbarung ((https://gruene-wunstorf.com/wp-content/uploads/2026/03/OV-Gruene_Wahlbroschuere.pdf)) erläutert bereits im Prolog, dass im Auswahlprozess ein Vertrauensverhältnis zu Martin Pavel aufgebaut wurde – etwas, das aus organisatorischen Gründen mit der gesamten Fraktion nicht möglich war. Da die zukünftigen Fraktionen noch nicht feststehen, ist die Zusammenarbeit mit dem Kandidaten der einzig verlässliche Ansatz. Wird Martin Pavel Bürgermeister, haben die Grünen einen dauerhaften Hebel, der ihnen bei der politischen Gestaltung ihrer Ziel helfen wird.
    Zu Begriffen wie „klimafreundlicher Verkehr“ oder „bezahlbarer Wohnraum“ wurden konkrete Projekte formuliert, damit diese Ziele überprüfbar bleiben. Natürlich bilden sie nur einen Teil dessen ab, was die Grünen sich für Wunstorf wünschen, aber Politik ist kein Wunschkonzert – entscheidend sind realistische, messbare Schritte. Da wird zurecht oben drauf hingewiesen.
    Klimafreundlicher Verkehr bedeutet für mich zuallererst eine gerechtere Verteilung der Verkehrsflächen zugunsten von Fuß- und Radverkehr. Kurze Autofahrten unter 5 km machen fast die Hälfte aller Fahrten aus, entsprechen aber nur etwa 12 % der gefahrenen Kilometer. Diese 12 % verursachen jedoch rund 20–25 % der Pkw‑CO₂‑Emissionen und sind daher ein besonders wirksamer Hebel für Emissionsreduktion. Ziel ist es, genau diesen Anteil zu senken – durch ein attraktives Radwegenetz, das auch Sperrungen für den MIV einschließt. So werden Verkehrsflächen gerechter verteilt und der MIV reduziert. Wunstorf ist aufgrund der Lage der Ortsteile ideal geeignet, zu zeigen, dass ein gutes Radwegenetz diese Verlagerung ermöglicht. Weniger Autoverkehr aus den Ortsteilen bedeutet zugleich weniger Parkdruck, wovon diejenigen profitieren, die tatsächlich auf das Auto angewiesen sind.

    • Brigitte sagt:

      ZU ‚kurze Autofahrten unter 5km machen fast die Hälfte aller Fahrten aus‘:
      Hierbei wird es sich m.E. größtenteils um Einkaufsfahrten handeln, die nun einmal mit dem Auto erledigt werden müssen. Der Wocheneinkauf einer Familie passt leider nicht auf das Fahrrad. Und würde unter Umständen aufgrund der schlechten Radwege auch nicht heil zuhause ankommen.
      Ebenfalls fallen unter diese Kategorie sicherlich die Elterntaxis zu Schule und Kindergarten. Diese sind in der Tat nicht notwendig.

      • Reinhard Hüttermann sagt:

        Es gibt immer berechtigte Gründe für die Nutzung eines Pkw. Der Wocheneinkauf einer Familie kann dazugehören. Allerdings zeigt meine eigene Erfahrung, dass Einkaufen auch ohne Auto gut funktionieren kann. Ich erledige meine Einkäufe seit 35 Jahren ohne Pkw sowohl mit als auch ohne Familie. Moderne Lastenräder machen den Transport größerer Mengen heute zudem deutlich einfacher.

        Viele kurze Autofahrten sind jedoch keine Großeinkäufe, sondern kleinere Besorgungen, Freizeit- oder Begleitfahrten. Hier gäbe es oft Alternativen, wenn die Infrastruktur für den Fuß- und Radverkehr sicherer und attraktiver wäre. Die schlechten Bedingungen sind aus meiner Sicht daher eher ein Argument für deren Verbesserung als für die Notwendigkeit dieser Fahrten mit dem Auto.

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